Deutschland, Recht

VerbĂ€nde fordern neue Rechtsform fĂŒr Unternehmen

19.06.2023 - 07:42:32 | dpa.de

Gewinne bleiben im Unternehmen, die Nachfolgersuche wird erleichtert: Das versprechen sich VerbĂ€nde von der Gesellschaft mit gebundenem Vermögen. Mehrere VerbĂ€nde machen sich fĂŒr die Rechtsform stark.

Produktion in einem mittelstÀndischen Unternehmen (Symbolbild). Die Gesellschaft mit gebundenem Vermögen soll Unternehmen die Möglichkeit bieten, den Kreis potenzieller Nachfolger stark zu erweitern. - Foto: Monika Skolimowska/zb/dpa

WirtschaftsverbĂ€nde machen sich fĂŒr eine neue Rechtsform fĂŒr Unternehmen in Deutschland stark. Die im Koalitionsvertrag geplante Rechtsform der Gesellschaft mit gebundenem Vermögen sei eine große Chance fĂŒr den Standort und lindere das große Nachfolgeproblem im Mittelstand, heißt es in einem Papier, das am Montag in Berlin vorgestellt werden soll und der dpa vorliegt.

Mehr als 20 VerbÀnde haben sich laut Stiftung Verantwortungseigentum zu einer Initiative zusammengeschlossen, darunter der Bundesverband mittelstÀndische Wirtschaft, der Startup-Verband, der Digitalverband BVDW und der Verband deutscher Unternehmerinnen.

Die Gesellschaft mit gebundenem Vermögen (GmgV) biete Unternehmen die Möglichkeit, den Kreis potenzieller Nachfolger stark zu erweitern. Vielen MittelstÀndlern drohe die Auflösung - «oftmals auch deshalb, weil ein Verkauf an den privaten VermögensverhÀltnissen fÀhiger Nachfolger scheitert». Mit der neuen Rechtsform gÀbe es eine einfach umzusetzende Option, Unternehmen treuhÀnderisch weiterzugeben.

Nachfolge wie bei einem Verein

«Die Gesellschaft mit gebundenem Vermögen garantiert, dass Gewinne nicht entnommen werden können, sondern reinvestiert oder gespendet werden», heißt es in dem VerbĂ€ndepapier. Statt eines teuren Firmenverkaufs oder einer Vererbung trĂ€ten Nachfolger zu einem festen Betrag, dem Nennbetrag der Anteile, wie bei einem Verein in die Gesellschaft ein, den sie bei KĂŒndigung zurĂŒckerhielten. Stille Reserven oder Unternehmenswert bleiben unberĂŒcksichtigt. Auch fĂŒr Sozialunternehmen sowie Start-ups, die keinen Exit etwa per Verkauf anstrebten, biete die Rechtsform mehr Gestaltungsfreiheit.

Im Koalitionsvertrag der Ampel heißt es, zu einer modernen Firmenkultur zĂ€hlten «neue Formen wie Sozialunternehmen, oder Gesellschaften mit gebundenem Vermögen». «FĂŒr Unternehmen mit gebundenem Vermögen wollen wir eine neue geeignete Rechtsgrundlage schaffen, die Steuersparkonstruktionen ausschließt.»

Das könne nur die EinfĂŒhrung einer Gesellschaft mit gebundenem Vermögen leisten, meinen die VerbĂ€nde. Deutschland mĂŒsse fĂŒr den Mittelstand attraktiv bleiben, sagte Markus Jerger, Vorsitzender der GeschĂ€ftsfĂŒhrung des Mittelstandsverbands BVMW. Die neue Rechtsform erlaube es, die Nachfolgefrage auch außerhalb der Familie einfacher zu regeln. Der Verband deutscher Unternehmerinnen erklĂ€rte, die Rechtsform sei «eine Riesenchance fĂŒr unternehmerisch tĂ€tige Frauen, die heute noch immer schwerer an Finanzierungskapital kommen.»

«Die Gesellschaft mit gebundenem Vermögen passt in den Zeitgeist rund um nachhaltiges Wirtschaften», meint Lara Piechulla, Partnerin bei der Beratungsgesellschaft EY. «Sie kann das Nachfolgeproblem lindern, trotzdem muss aber ein geeigneter Kandidat gefunden werden.» Es bleibe aber die Frage, ob es die neue Rechtsform wirklich brauche, sagte Piechulla. «Ob ein Unternehmen nachhaltig wirtschaftet oder nicht, ist nicht sichergestellt, nur weil das Vermögen gebunden ist.» So legten viele Familienunternehmen ohnehin Wert auf Nachhaltigkeit.

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