Grüne Versprechen ab 27. September: EU verbietet vage Aussagen
Veröffentlicht: 15.07.2026 um 16:57 Uhr, Redaktion boerse-global.de
Die Transparenz in der Nachhaltigkeitsberichterstattung europäischer Großkonzerne hat sich in zehn Jahren massiv verbessert. Eine Analyse von rund 9.000 Berichten der 600 größten börsennotierten EU-Unternehmen zeigt: Die Anzahl der gemeldeten Kennzahlen stieg zwischen 2014 und 2023 um über 50 Prozent.
Direkte Emissionen sinken – indirekte steigen
Wissenschaftler der LMU München und der Universität Köln haben die Daten ausgewertet. Die direkten Treibhausgasemissionen der Unternehmen sind gesunken. Ganz anders sieht es bei den indirekten Emissionen aus: Die sogenannten Scope-3-Emissionen entlang der Wertschöpfungskette haben sich im selben Zeitraum verfünffacht.
Die Forscher führen diesen Anstieg vor allem auf eine genauere Datenerfassung zurück. Das zeigt: Eine vollständige Klimabilanz wird immer komplexer.
Neben Umweltdaten haben die Wissenschaftler auch soziale Faktoren untersucht. Der Anteil von Frauen im Topmanagement stieg um 9,2 Prozentpunkte. Gleichzeitig wuchs die Lohnschere dramatisch: Das Verhältnis zwischen Führungsgehältern und dem Median der Belegschaft verzwölffachte sich.
CSRD: Kürzere Berichte, mehr Prüfung
Das aktuelle EY CSRD Barometer 2026 zeigt, wie Unternehmen die neuen Berichtspflichten umsetzen. Die Analyse von 196 Nachhaltigkeitserklärungen ergibt: Die Berichte werden kompakter. Die durchschnittliche Länge sank europaweit von 123 auf 112 Seiten.
Besonders auffällig: 98 Prozent der untersuchten Berichte wurden bereits von externen Prüfern mit einer „Limited Assurance“ versehen. Die wichtigsten Schwerpunkte sind Klimawandel, Belegschaft und Unternehmensführung.
Bei der Frauenquote im Topmanagement gibt es große regionale Unterschiede. Norwegen und Schweden erreichen Spitzenwerte von über 40 Prozent. Deutschland liegt bei knapp 25 Prozent, Österreich bei rund 20 Prozent.
Strengere Regeln für Umweltversprechen
Ab dem 27. September sind allgemeine Umweltaussagen wie „grün“ ohne Nachweis verboten. Wer jetzt nicht handelt, riskiert Abmahnungen und Reputationsverluste. Dieser Report liefert die Checkliste für rechtskonforme Nachhaltigkeitskommunikation und CSRD-Berichterstattung – inklusive externer Prüfungsanforderungen. Jetzt kostenlosen Compliance-Report anfordern
Ab dem 27. September 2026 wird es ernst: Dann tritt die EU-Richtlinie „Empowering Consumers for the Green Transition“ (EmpCo) in Kraft. Allgemeine Umweltaussagen wie „grün“ oder „umweltfreundlich“ sind dann ohne konkreten Nachweis verboten. Private Nachhaltigkeitssiegel müssen auf transparenten Zertifizierungssystemen basieren und von unabhängigen Dritten geprüft werden.
Gleichzeitig plant die EU-Kommission eine Reform des Emissionshandels. Erste Entwürfe sehen vor, das Ziel der Klimaneutralität für die Industrie von 2039 auf 2042 zu verschieben. Die Zuteilung kostenloser Zertifikate soll stärker an konkrete Investitionszusagen gekoppelt werden.
MAN senkt Emissionen um 68 Prozent
In der Industrie zeigen sich konkrete Fortschritte. Der Nutzfahrzeughersteller MAN meldet für 2025 eine Senkung der Treibhausgasemissionen in der eigenen Produktion um fast 68 Prozent gegenüber 2019. Gleichzeitig stieg der Absatz vollelektrischer Fahrzeuge deutlich.
Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) hat eine neue Klimaplattform gestartet. Sie soll kleine und mittlere Unternehmen beim Austausch zu Energieeffizienz und Kreislaufwirtschaft unterstützen. Auch in der IT gewinnt das Thema an Bedeutung: Internationale Dienstleister treten dem UN Global Compact bei, Chiphersteller entwickeln energieeffizientere Prozessoren für Rechenzentren.
E-Autos legen zu – CO2-Ausstoß sinkt
Die Automobilbranche erlebt einen klaren Trend. Laut Kraftfahrt-Bundesamt stiegen die Neuzulassungen von rein batterieelektrischen Fahrzeugen im ersten Halbjahr 2026 um 48 Prozent. Benzin- und Dieselmotoren verlieren Marktanteile.
Die Folge: Der durchschnittliche CO2-Ausstoß der Neuwagenflotte sank um rund 10 Prozent auf 98,4 g/km.
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