Arbeit, Feierabend

Gute Arbeit: 95 Prozent wollen Feierabend vor 18 Uhr

12.06.2026 - 03:19:34 | boerse-global.de

ver.di legt Ergebnisse der Befragung "Offensive Gute Arbeit" vor. 95 Prozent wünschen sich Feierabend vor 18 Uhr, viele klagen über zu niedrige Löhne.

ver.di-Bilanz: Große Kluft zwischen Arbeitswunsch und Realität
Arbeit - Eine vielfältige Gruppe von Menschen, die in einem modernen Büro oder einer öffentlichen Dienstleistungsumgebung besorgt aussehen. 12.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

di die Ergebnisse ihrer „Offensive Gute Arbeit“ vorgelegt. Rund 57.000 Beschäftigte wurden seit 2021 befragt – die Kluft zwischen Wunsch und Wirklichkeit ist gewaltig.

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Früher Schluss, weniger Stunden

Der Wunsch nach einer besseren Work-Life-Balance dominiert die Umfrage. 95 Prozent der Befragten wollen ihren Feierabend vor 18 Uhr. 72 Prozent sprechen sich für tägliche Arbeitszeiten von weniger als acht Stunden aus.

Im Dienstleistungssektor sieht die Realität anders aus. 53,3 Prozent der befragten Frauen arbeiten in Teilzeit – im Dienstleistungssektor sind es 56 Prozent. Mehr als die Hälfte von ihnen nennt die Kinderbetreuung als Hauptgrund.

Lohn reicht nicht – Rente noch weniger

Besonders hart trifft es die Beschäftigten im Handel. 79 Prozent bewerten ihre Bezahlung als unangemessen. Für 52 Prozent reicht das Gehalt kaum zum Leben, 19 Prozent kommen gar nicht aus.

Die Sorge ums Alter ist riesig. 68 Prozent bezweifeln, dass ihre Rente für ein auskömmliches Leben reicht. ver.di-Chef Frank Werneke warnte eindringlich vor Einschnitten ins Rentensystem. Da die Renten an die Reallohnentwicklung gekoppelt sind, kündigte die Gewerkschaft Widerstand gegen Änderungen an.

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Streit um den Achtstundentag

Die Bilanz fällt mit einem Spitzentreffen im Kanzleramt zusammen. Am 10. Juni 2026 trafen sich Bundeskanzler Merz und die Sozialpartner zu einem dreistündigen Gespräch. Die Atmosphäre war positiv – die inhaltlichen Differenzen waren es nicht.

Arbeitgeber und Union drängen auf flexiblere Arbeitszeiten. ver.di warnt vor Plänen, den Achtstundentag aufzuweichen – bis zu 13 Stunden täglich wären dann möglich. „Der Achtstundentag bleibt eine wesentliche Voraussetzung für die Gesundheit der Beschäftigten“, so die Gewerkschaft.

Werneke forderte nach dem Treffen: Wirtschaftswachstum durch höhere Kaufkraft, nicht durch Sozialkürzungen. Zur Finanzierung von Steuerentlastungen für kleine Einkommen schlug er eine höhere Erbschaftsteuer vor.

Tarifbindung auf dem Tiefpunkt

Nur noch 49 Prozent der Beschäftigten arbeiten in tarifgebundenen Unternehmen. Das zeigt das Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Institut (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung. Damit verfehlt Deutschland die EU-Mindestlohn-Richtlinie deutlich – sie fordert eine Quote von 80 Prozent.

Trotz aller Differenzen: Regierung, Arbeitgeber und Gewerkschaften vereinbarten eine Fortsetzung des Dialogs. Ein vertiefter Austausch zu Arbeitsmarkt, sozialer Sicherung und Steuerentlastungen ist angekündigt. Der Koalitionsausschuss am 1. Juli 2026 soll weitere Weichen stellen.

Bis dahin erhöht die Gewerkschaft den Druck. Für den 15. und 16. Juni rief ver.di zu Warnstreiks an mehreren Universitätskliniken auf.

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