Homeoffice-Betrug: Jeder zehnte arbeitet inoffiziell von zu Hause
08.06.2026 - 18:40:12 | boerse-global.de
Das zeigt eine Umfrage der Plattform Indeed unter 1.000 BerufstĂ€tigen. Besonders verbreitet sind inoffizielle Absprachen mit Vorgesetzten â ein PhĂ€nomen, das als âHushed Hybridâ bekannt ist. Rund 27 Prozent der Befragten umgehen feste PrĂ€senzquoten durch individuelle Vereinbarungen.
Die rechtssichere Gestaltung von Home-Office und mobilem Arbeiten stellt viele Unternehmen vor groĂe Herausforderungen. Sichern Sie sich diesen kostenlosen Leitfaden mit Experten-Tipps und Vorlagen, um typische Datenschutz-Fallen zu vermeiden. Rechtssicheres Home-Office in 3 einfachen Schritten einrichten
Informelle Lösungen bergen Risiken
Doch solche Absprachen sind rechtlich riskant. Sie begrĂŒnden keinen dauerhaften Rechtsanspruch und können jederzeit widerrufen werden. FĂŒhrungskrĂ€fte, die VerstöĂe gegen offizielle Betriebsvereinbarungen dulden, riskieren zudem eigene Vertragsverletzungen. Experten warnen: Was im Alltag praktisch erscheint, kann vor Gericht schnell zum Problem werden.
Gerichte prÀzisieren die Regeln
Das Landesarbeitsgericht DĂŒsseldorf stellte klar: Auch jahrelange Remote-TĂ€tigkeit schafft keinen generellen Homeoffice-Anspruch â wenn der Vertrag die Arbeit von zu Hause nur als Privileg definiert. Entscheidend ist der genaue Wortlaut.
Anders sieht es bei Pflichtverletzungen aus. Das Arbeitsgericht Bochum erklĂ€rte im MĂ€rz 2026 KĂŒndigungen wegen mutmaĂlichen Arbeitszeitbetrugs fĂŒr unwirksam. Der Arbeitgeber hatte dem Betriebsrat bei der Anhörung wesentliche Informationen vorenthalten und die gesetzliche Zweiwochenfrist ĂŒberschritten.
Das LAG Hamm bestĂ€tigte dagegen die fristlose KĂŒndigung einer Reinigungskraft. Sie hatte die Zeiterfassung betĂ€tigt, um eine private Pause einzulegen. Das Gericht sah darin einen tiefgreifenden Vertrauensverlust â KĂŒndigung auch ohne Abmahnung möglich.
Microsofts Standorterkennung sorgt fĂŒr Diskussionen
Bis Ende Juni 2026 will Microsoft eine Funktion in Teams ausrollen, die den Arbeitsort automatisch ĂŒber WLAN oder PeripheriegerĂ€te erkennt. DatenschĂŒtzer schlagen Alarm: Standortdaten gelten als personenbezogene Daten nach der DSGVO. In Ăsterreich unterliegt die EinfĂŒhrung solcher Systeme der Mitbestimmung durch den Betriebsrat. Unternehmen sollten dringend eine Datenschutz-FolgenabschĂ€tzung durchfĂŒhren.
Die EinfĂŒhrung neuer Ăberwachungssysteme erfordert zwingend eine PrĂŒfung der datenschutzrechtlichen Auswirkungen auf die Belegschaft. Mit dieser kostenlosen Muster-Vorlage und den passenden Checklisten erstellen Sie eine rechtssichere DatenschutzfolgenabschĂ€tzung in wenigen Schritten. Muster-DSFA und Checklisten jetzt kostenlos herunterladen
Die Notwendigkeit prĂ€ziser Erfassung belegt eine Untersuchung von Consumerfieldwork unter 1.000 BeschĂ€ftigten: 13 Prozent erfassen ihre Arbeitszeit regelmĂ€Ăig falsch. 75 Prozent gaben an, private Erledigungen wĂ€hrend der Arbeitszeit getĂ€tigt zu haben.
Homeoffice belastet die Psyche
Eine Langzeitstudie im Fachmagazin Science zeigt signifikante Risiken. Forscher werteten Daten von ĂŒber 500.000 Personen aus dem Zeitraum 2011 bis 2024 aus. Demnach fĂŒhrt Homeoffice bei Alleinlebenden zu weniger Sozialkontakten und höherer psychischer Belastung. In Familienhaushalten lieĂ sich dieser Effekt nicht nachweisen. Die Autoren empfehlen hybride Modelle als Mittelweg.
SonderfĂ€lle: Dienstreisen und FuĂball-WM
Auch bei Dienstreisen bleibt die Rechtslage komplex. Wegezeiten zĂ€hlen laut Bundesarbeitsgericht generell nicht als Arbeitszeit â Ausnahmen gibt es fĂŒr Bahnfahrten wĂ€hrend der regulĂ€ren Arbeitszeit. Der EuropĂ€ische Gerichtshof entschied im Oktober 2025: An- und Abreisen von einem zentralen Ort zu wechselnden Einsatzorten sind grundsĂ€tzlich Arbeitszeit.
Mit Blick auf die FuĂball-WM im Sommer 2026 warnen Arbeitnehmervertreter: Heimliches Streamen von Spielen kann arbeitsrechtliche Konsequenzen haben. Wer Spiele verfolgen will, sollte frĂŒhzeitig mit Vorgesetzten sprechen oder Urlaub nehmen.
Wirtschaftsnachrichten lesen ist gut - trading-notes lesen ist besser!
FĂŒr. Immer. Kostenlos.
