Deutschland, Industrie

Größte deutsche Stahlfirma erstmals mit Frau an der Spitze

31.10.2025 - 12:18:01 | dpa.de

Ihr Vorgänger saß nur kurz auf dem Chefsessel: Marie Jaroni soll die Stahlsparte von Thyssenkrupp in bessere Zeiten lenken. Eine Premiere für Deutschlands größten Stahlkonzern.

  • Ein Stahlarbeiter bei der Arbeit - er hat eine neue Chef-Chefin.  - Foto: Rolf Vennenbernd/dpa
    Ein Stahlarbeiter bei der Arbeit - er hat eine neue Chef-Chefin. - Foto: Rolf Vennenbernd/dpa
  • Mit nur 40 Jahren ist Marie Jaroni Chefin der Stahlfirma TKSE. - Foto: Jennifer Chaaer/Thyssenkrupp/dpa
    Mit nur 40 Jahren ist Marie Jaroni Chefin der Stahlfirma TKSE. - Foto: Jennifer Chaaer/Thyssenkrupp/dpa
Ein Stahlarbeiter bei der Arbeit - er hat eine neue Chef-Chefin.  - Foto: Rolf Vennenbernd/dpa Mit nur 40 Jahren ist Marie Jaroni Chefin der Stahlfirma TKSE. - Foto: Jennifer Chaaer/Thyssenkrupp/dpa

Bei Deutschlands größter Stahlfirma hat erstmals eine Frau das Sagen. Wie Thyssenkrupp Steel Europe in Duisburg mitteilte, ernannte der Aufsichtsrat die bisherige Vertriebs- und Transformationsvorständin Marie Jaroni mit sofortiger Wirkung zur Vorstandsvorsitzenden des Unternehmens mit rund 27.000 Beschäftigten. Bei der Konzernmutter saß mit Martina Merz von 2019 bis 2023 bereits eine Frau an der Spitze des Vorstands, bei der Stahlsparte kommt es erst jetzt zu dieser Premiere. 

Die 40 Jahre alte studierte Werkstofftechnikerin ist seit Oktober 2014 Vorstandsmitglied, nach dem plötzlichen Abgang von Dennis Grimm nach nur 14 Monaten wird Jaroni nun befördert. Ihr Vertrag als Vorständin sowie der Vertrag von Finanzvorstand Philipp Conze wurden den Angaben zufolge um fünf Jahre bis 2030 verlängert.

Firma kämpft mit Problemen

Die Stahlfirma ist angesichts der weltweiten Konjunkturschwäche und niedriger Preise unter Druck, Billigimporte aus Asien setzen der Duisburger Traditionsfirma zu. Ihre Produktionskapazitäten übersteigen die Nachfrage deutlich. 

Mit dem Abbau oder der Auslagerung von tausenden Arbeitsplätzen an andere Firmen möchte das Management Kosten senken und nachhaltig profitabel wirtschaften. Zuletzt hatte das Unternehmen noch circa 27.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, 2030 sollen es nur noch etwa 16.000 sein. Den dafür notwendigen Sanierungsvertrag hatte Jaroni wesentlich mitverhandelt. 

Daumen rauf auch von der Gewerkschaft

«Marie Jaroni ist es in den vergangenen Monaten mit strategischem Weitblick, Überzeugungskraft und großem Einsatz gelungen, wesentliche Weichenstellungen beim Stahl vorzunehmen», sagte die Aufsichtsratsvorsitzende der Stahlfirma, Ilse Henne. Lob gab es auch aus Gewerkschaftsreihen. «Marie Jaroni hat die entscheidenden Verhandlungen zum Sanierungstarifvertrag ziel-, konsensorientiert und fair geführt», sagte der IG-Metaller und Vize-Aufsichtsratschef Knut Giesler. Es sei «ein ausgeprägtes Vertrauensfundament» entstanden.

Der nur vierköpfige Vorstand der Stahlfirma hatte erst kürzlich einen Abgang vermeldet, Personalchef Dirk Schulte legte aus persönlichen Gründen sein Mandat nieder. Zu seinem Nachfolger machte der Aufsichtsrat Wilfried von Rath. Das Vertriebsressort, das im Vorstand bislang Jaroni innehatte, übernimmt übergangsweise Georgios Giovanakis, der bislang eine Stufe unter dem Vorstand ohnehin schon Vertriebschef war. 

Bei der Duisburger Stahlfirma dürfte es bald zu einem Eigentümerwechsel kommen: Die Konzernmutter Thyssenkrupp ist in Gesprächen mit dem indischen Stahlhersteller Jindal Steel über einen Verkauf ihrer Stahlsparte.

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