Industrie-Beschäftigung, Millionen

Industrie-Beschäftigung: 6,6 Millionen auf Tiefstand seit 2014

19.06.2026 - 03:48:43 | boerse-global.de

Studie zeigt: Nur noch 6,6 Millionen Beschäftigte im verarbeitenden Gewerbe. Lohnvorsprung schmilzt, viele Firmen planen weiteren Personalabbau.

Industriebeschäftigung in Deutschland fällt auf Tiefststand seit 2014
Industrie-Beschäftigung - Eine leere, moderne Fabrikhalle mit gedämpften Maschinen, die Rückgang und Stagnation im Industriesektor vermittelt. 19.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Eine Untersuchung der Bertelsmann Stiftung und des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) zeigt: Nur noch rund 6,6 Millionen Menschen arbeiten im verarbeitenden Gewerbe. Der Industrieanteil am gesamten Arbeitsmarkt schrumpfte von 22 Prozent (2014) auf aktuell 19 Prozent.

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Zögern bei Neueinstellungen statt Entlassungswellen

Der Stellenabbau erfolgt schleichend – nicht über Kündigungswellen. Allein im Vergleich zum Vorjahr sank die Beschäftigtenzahl um 124.000. Seit 2019 fielen insgesamt rund 420.000 Industriearbeitsplätze weg. Die Unternehmen zögern vor allem bei der Nachbesetzung frei werdender Stellen.

Das Kündigungsrisiko für bestehende Belegschaften ist dabei überraschend gering. 2024 lag es sogar niedriger als zehn Jahre zuvor. Doch der Trend zur Personalverkleinerung ist ungebrochen: Mehr als ein Drittel der Industrieunternehmen plant weiteren Personalabbau. Nur 14 Prozent wollen neue Mitarbeiter einstellen.

Lohnvorsprung schmilzt dramatisch

Die Industrie verliert ihre finanzielle Anziehungskraft. Der einst deutliche Lohnvorsprung gegenüber anderen Branchen ist massiv geschrumpft. Bei Einstiegsgehältern sank der Bonus von 20,4 Prozent (2014) auf 10,4 Prozent (2024). Bei langjährig Beschäftigten fiel der Abstand von 16,5 auf 8,7 Prozent.

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Die Folgen zeigen sich bei der Personalakquise: 2025 ging die Zahl der Online-Stellenanzeigen in der Industrie um 161.000 zurück. Dabei verschieben sich die Anforderungen: Klassische Fertigungsberufe werden seltener gesucht, Fachkräfte in Elektrotechnik und Maschinenbau sind dagegen gefragter.

Regionale Unterschiede und politischer Druck

Die Krise trifft nicht alle Regionen gleich. Traditionelle Industriehochburgen in Süddeutschland und im Saarland geraten zunehmend unter Druck. In Ostdeutschland gibt es dagegen vereinzelt positive Entwicklungen – etwa durch die Tesla-Ansiedlung in Grünheide.

Die Studie erscheint unmittelbar vor dem Tag der Industrie am 22. und 23. Juni in Berlin. Die Bundesregierung plant offenbar ein Reformpaket, das bis Mitte Juli vorgelegt werden soll. Ziel: Die Rahmenbedingungen für den Industriestandort verbessern und den schleichenden Stellenabbau stoppen.

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