Informationsfreiheit: Regierung plant 99-Prozent-BeschrÀnkung der Anfragen
Veröffentlicht: 14.07.2026 um 21:37 Uhr, Redaktion boerse-global.de
Der Zugang zu staatlichen Informationen soll fĂŒr BĂŒrger, Journalisten und Organisationen deutlich erschwert werden. WĂ€hrend die Regierung Sicherheitsbedenken und BĂŒrokratieabbau als GrĂŒnde nennt, warnen Kritiker vor dem Ende der Transparenz in Deutschland.
Was sich konkret Àndern soll
Die geplanten Ănderungen knĂŒpfen das Recht auf Akteneinsicht an deutlich strengere Voraussetzungen. KĂŒnftig sollen nur noch natĂŒrliche Personen antragsberechtigt sein â und auch nur dann, wenn sie ein berechtigtes Interesse nachweisen. Der Kreis der Anspruchsberechtigten beschrĂ€nkt sich auf deutsche und EU-BĂŒrger. Juristische Personen wie NGOs oder Unternehmen wĂ€ren faktisch vom Auskunftsanspruch ausgeschlossen.
Auch die GebĂŒhren sollen steigen: KĂŒnftig wĂ€ren bis zu 1.000 Euro pro Anfrage möglich â doppelt so viel wie bisher. Zudem sieht der Entwurf vor, Namen von Behördenmitarbeitern systematisch zu schwĂ€rzen. Experten von FragDenStaat schĂ€tzen, dass unter den neuen Bedingungen rund 99 Prozent der bisherigen Anfragen unzulĂ€ssig wĂ€ren. Zwischen 2015 und 2022 wurden etwa 105.000 Anfragen auf Basis des geltenden IFG gestellt.
Sicherheitsargument ohne Belege
Regierungssprecher Stefan Kornelius rechtfertigte die EinschrĂ€nkungen mit Sicherheitsinteressen des Bundes. Eine Recherche des Magazins Stern untergrub diese Argumentation jedoch heute. Auf Nachfrage konnten zentrale Ressorts wie das AuswĂ€rtige Amt, das Entwicklungsministerium, das Justizministerium und das Innenministerium keinen einzigen konkreten Fall benennen, in dem eine IFG-Anfrage zu einer tatsĂ€chlichen GefĂ€hrdung gefĂŒhrt hĂ€tte.
Ehemalige Beauftragte fĂŒr die Informationsfreiheit, darunter die frĂŒheren Amtsinhaber Schaar und Kelber, kritisierten die BegrĂŒndung scharf. Kelber wies darauf hin, dass ihm aus den vergangenen zwei Jahrzehnten kein solcher Fall bekannt sei. Er forderte die SPD-Mitglieder auf, sich gegen den Abbau von Transparenzrechten zu positionieren.
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Widerstand in der Koalition
Innerhalb der schwarz-roten Koalition regt sich massiver Widerstand gegen die PlĂ€ne. Sie gehen auf einen Beschluss des Koalitionsausschusses vom 1. Juli 2026 zurĂŒck. Die SPD-Fraktion zeigt sich gespalten: Arbeitsgruppen aus den Bereichen Inneres, Digitales und Recht lehnen die Reduzierung des Transparenzniveaus in Positionspapieren ab. Der SPD-Innenpolitiker Johannes SchĂ€tzl spricht von einer De-facto-Abschaffung des Gesetzes.
Justizministerin Hubig betont die Notwendigkeit, Kontrollmöglichkeiten und Auskunftspflichten zu erhalten. UnterstĂŒtzung erhĂ€lt die Reform hingegen aus der CDU/CSU. Die Abgeordneten Theis und Mayer verteidigen die PlĂ€ne und verweisen auf die verĂ€nderte Sicherheitslage sowie das Ziel des BĂŒrokratieabbaus.
Breite Front aus Zivilgesellschaft und Institutionen
Die Reaktionen auf das Vorhaben sind heftig. Eine Petition von FragDenStaat gegen die Reform hat bereits ĂŒber 500.000 Unterschriften gesammelt. Insgesamt fordern rund 120 Organisationen, darunter Human Rights Watch, den sofortigen Stopp der PlĂ€ne.
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Kritik kommt auch von offizieller Seite: Die Bundesbeauftragte fĂŒr den Datenschutz und die Informationsfreiheit (BfDI), Specht-Riemenschneider, sowie die Konferenz der Informationsfreiheitsbeauftragten lehnen die EinfĂŒhrung des berechtigten Interesses und die BeschrĂ€nkung auf EU-BĂŒrger ab. Auch JournalistenverbĂ€nde und Datenschutzbeauftragte auf Landesebene befĂŒrchten einen massiven Transparenzverlust.
International belegt Deutschland derzeit Platz 127 in einem Transparenzranking. Kritiker verweisen auf Schweden als Vorbild fĂŒr einen offenen Umgang mit staatlichen Informationen. Die geplante Reform könnte Deutschland im internationalen Vergleich weiter zurĂŒckwerfen.
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