Kibiz-Reform: CDU und GrĂŒne fĂŒhren ABC-Klassen ab 2028/ 29 ein
Veröffentlicht: 12.07.2026 um 08:43 Uhr, Redaktion boerse-global.de
Die Opposition warnt vor einem Kollaps.
Die Regierungskoalition treibt die Novellierung in den letzten Plenarsitzungen vor der Sommerpause Mitte Juli voran. WĂ€hrend CDU und GrĂŒne von einer lĂ€ngst ĂŒberfĂ€lligen QualitĂ€tsoffensive sprechen, schlagen Opposition, Gewerkschaften und FachverbĂ€nde Alarm. Sie befĂŒrchten organisatorische und personelle EngpĂ€sse.
Kernzeiten-Modell fĂŒr Kitas
Ein zentraler Punkt der Kibiz-Reform ist das neue Kernzeiten-Modell. Kitas mĂŒssen kĂŒnftig eine Mindestbetreuungszeit von 35 Stunden pro Woche anbieten â tĂ€glich mindestens fĂŒnf Stunden. Das soll Familien eine verlĂ€ssliche Grundversorgung garantieren.
Der Gesetzentwurf enthĂ€lt zudem striktere Vorgaben zur Gruppenauslastung. Eine Ăberbelegung ist nur noch in engen Grenzen erlaubt: Maximal zwei Kinder zusĂ€tzlich pro Gruppe, fĂŒr höchstens sechs Wochen. Damit reagiert die Landespolitik auf die angespannte Lage in vielen Einrichtungen, wo Personalmangel und hohe Belegungszahlen den Alltag prĂ€gen.
ABC-Klassen: Förderung vor der Einschulung
Das zweite groĂe Vorhaben sind die ABC-Klassen, verankert im 18. SchulrechtsĂ€nderungsgesetz. Ab dem Schuljahr 2028/29 sollen Kinder mit erheblichem Sprachförderbedarf gezielt unterstĂŒtzt werden â ein Jahr vor der regulĂ€ren Einschulung. Die Förderung umfasst zwei Einheiten zu je zwei Stunden pro Woche.
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SchĂ€tzungen zufolge sind jĂ€hrlich rund 50.000 Kinder betroffen. Um den Förderbedarf frĂŒhzeitig zu erkennen, wird die Schulanmeldung vorgezogen. Ein Sprachtest soll bereits im FrĂŒhjahr 2028 fĂŒr die betroffenen JahrgĂ€nge stattfinden.
Personalmangel: Opposition fordert Nachbesserungen
Die SPD-Fraktion erzwang eine dritte Lesung fĂŒr die abschlieĂende Beratung. Sie kritisiert vor allem die geplante GruppengröĂe von bis zu 20 Kindern in den ABC-Klassen. Zudem fehlen laut Fachkreisen und Opposition aktuell rund 1.650 LehrkrĂ€fte, um die Förderung flĂ€chendeckend umzusetzen.
Gewerkschaften und Kita-VerbĂ€nde sehen auch logistische Probleme. Da die Förderung teilweise zentral organisiert werden mĂŒsste, rechnen Experten mit Kosten von ĂŒber 100 Millionen Euro allein fĂŒr den Bustransfer der Kinder. Als Alternative bringen Kritiker ein âChancenjahrâ ins Spiel â die Förderung soll direkt in den Kitas stattfinden, statt neue Strukturen an Schulen zu schaffen.
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Kommunen unter Druck: FinanzierungslĂŒcke in Bergkamen
Die beim kommunalen Bildungsangebot entstehende Debatte um Betreuungskosten erreicht auch die Kommunen. In Bergkamen scheiterte eine geplante Erhöhung der ElternbeitrĂ€ge fĂŒr Kitas und Offene Ganztagsschule (OGS). Eine Allianz aus SPD, AfD und weiteren Fraktionen stimmte gegen den Vorschlag von CDU und GrĂŒnen. Die Folge: Eine jĂ€hrlich FinanzierungslĂŒcke von rund 2,5 Millionen Euro.
Flankiert wird die bildungspolitische Debatte von Entscheidungen auf Bundesebene. Am 10. Juli verabschiedeten Bundestag und Bundesrat ein umfassendes Sparpaket fĂŒr die Gesetzliche Krankenversicherung (GKV). Ab 2027 sind Einsparungen von bis zu 16,3 Milliarden Euro vorgesehen â unter anderem durch eine höhere Beitragsbemessungsgrenze und den Wegfall der kostenlosen Mitversicherung fĂŒr Ehepartner. Ebenfalls am 10. Juli passierte die Neuregelung des GebĂ€udeenergiegesetzes den Bundestag. Sie ermöglicht den langfristigen Weiterbetrieb von Ăl- und Gasheizungen unter bestimmten Bedingungen und löst das umstrittene Heizungsgesetz der VorgĂ€ngerregierung ab.
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