Kindergeld, Automatische

Kindergeld ab 2027: Automatische Auszahlung spart Millionen Zeit

Veröffentlicht: 11.07.2026 um 03:02 Uhr, Redaktion boerse-global.de

Ab Juli 2026 können 11,5 Millionen Bürger ihre Steuererklärung über MeinELSTER+ erledigen. Experten raten zur Prüfung der automatischen Steuervorschläge.

MeinELSTER+ für Millionen: Steuererklärung jetzt digital
Eine Hand tippt auf einen Tablet-Bildschirm, der eine vereinfachte digitale Steuererklärung anzeigt, vor einem verschwommenen modernen Hintergrund. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Seit Anfang Juli können rund 11,5 Millionen Steuerpflichtige ihre Einkommensteuererklärung über das Portal MeinELSTER+ erledigen. Die neue Funktion richtet sich an ledige, kinderlose Arbeitnehmer und Rentner.

Das Finanzamt erstellt auf Basis der bereits vorliegenden Daten einen Steuerentwurf. Die Nutzer prüfen ihn und geben ihn direkt frei. Experten mahnen jedoch zur Vorsicht: Durch die Automatisierung könnten individuelle Abzugsmöglichkeiten unberücksichtigt bleiben.

Pilotprojekte liefern positive Ergebnisse

Der bundesweite Roll-out stützt sich auf Erfahrungen aus dem Pilotprojekt „Die Steuer macht jetzt das Amt“. Im Vorjahr startete der Test unter anderem in Hessen, Schleswig-Holstein, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern und Thüringen. In Schleswig-Holstein erhielten rund 90.000 Bürger einen Festsetzungsvorschlag für die Einkommensteuer 2025.

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Teilnehmer des Pilotverfahrens haben noch bis zum 31. Juli Zeit, dem Vorschlag zuzustimmen. Die Finanzbehörden werten die Ergebnisse als Erfolg und planen weitere Vereinfachungen.

Bundestag beschließt automatische Kindergeldauszahlung

Parallel zur Steuer-Modernisierung hat der Bundestag am 9. Juli eine grundlegende Änderung beim Kindergeld verabschiedet. Ab dem 1. Januar 2027 soll die Auszahlung nach der Geburt automatisch erfolgen – ohne gesonderten Antrag. Das Standesamt übermittelt die nötigen Informationen direkt an das Bundeszentralamt für Steuern.

Eltern sparen dadurch pro Fall etwa vier Stunden Zeit. Das entspricht einer Reduktion des Aufwands um 80 Prozent. Der jährliche Wert dieser Zeitersparnis liegt laut Berechnungen bei bis zu 107 Millionen Euro. Vorbild sind Modelle aus Finnland oder Dänemark, wo Steuererklärungen teils per Smartphone in Minuten erledigt sind.

Digitalisierung der Verwaltung hinkt hinterher

Trotz der Fortschritte im Steuerbereich zeigt eine Studie aus März 2026: Die Digitalisierung der öffentlichen Verwaltung kommt nur langsam voran. Nur 28 Prozent von 316 befragten Behörden haben ihre Leistungen komplett digitalisiert.

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Größte Hindernisse: fehlende einheitliche Standards, die Strukturen des Föderalismus und Defizite beim Fachwissen. Der Bund investiert daher verstärkt in technische Infrastruktur. Im Januar gelang der erste erfolgreiche Nachrichtenabruf über das National Online Gateway Portal (NOOTS). Ziel ist das „Once-Only“-Prinzip: Bürger sollen Daten nur noch einmalig an staatliche Stellen übermitteln müssen.

Länder und Kommunen ziehen nach

Schleswig-Holstein ersetzt im laufenden Jahr über 100 veraltete Fachverfahren durch moderne Low-Code-Lösungen. Gleichzeitig wächst der Bedarf an Fachpersonal: Die Landeshauptstadt Stuttgart schrieb im Juli neue Stellen im Bereich IT und Digitalisierung für die Steuerveranlagung aus.

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