Kreislaufwirtschaft, Kabinett

Kreislaufwirtschaft: Kabinett beschließt 565-Millionen-Programm

31.05.2026 - 00:51:11 | boerse-global.de

Trotz Produktionsrückgang treiben staatliche Förderung und Innovationen die Kreislaufwirtschaft in der Chemiebranche voran.

Kreislaufwirtschaft: Kabinett beschließt 565-Millionen-Programm - Foto: über boerse-global.de
Kreislaufwirtschaft: Kabinett beschließt 565-Millionen-Programm - Foto: über boerse-global.de

Die deutsche Chemie- und Pharmaindustrie steckt in der Krise – doch technologische Durchbrüche und staatliche Förderprogramme ebnen den Weg zu einer nachhaltigeren Produktion.

Während steigende Energiekosten und geopolitische Spannungen die traditionelle Fertigung unter Druck setzen, gewinnen Ressourceneffizienz und Kreislaufwirtschaft rasant an Bedeutung. Das zeigt ein Blick auf die aktuellen Entwicklungen.

Milliarden für die Kreislaufwirtschaft

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Ende Mai 2026 hat das Bundeskabinett ein Aktionsprogramm für die Kreislaufwirtschaft verabschiedet. Ziel: mehr Rohstoff-Souveränität. Das Programm definiert zwölf Schwerpunktfelder – von der öffentlichen Beschaffung bis zum Recycling kritischer Rohstoffe. Bis 2030 soll die Recyclingquote für diese Materialien auf 25 Prozent steigen.

Finanziert wird das Vorhaben mit 260 Millionen Euro aus dem Klima- und Transformationsfonds sowie weiteren 305 Millionen Euro aus den Klimaschutzprogrammen 2026 bis 2030.

Parallel dazu fördert die Bundesregierung konkrete Technologieprojekte. Das Startup Simplyfined, eine Ausgründung der TU Dortmund, erhält 1,7 Millionen Euro aus dem EXIST-Forschungstransfer. Seit Oktober 2024 entwickelt das Team um Maximilian Spiekermann und Jens Ehlhardt ein Verfahren, das mehrfach ungesättigte Fettsäuren aus Pflanzenölen in Ölsäure umwandelt – eine universelle Plattformchemikalie. Geplant ist eine kontinuierliche Pilotanlage mit einer Jahreskapazität von 250 Tonnen.

Weltweit entstehen innovative Recyclinganlagen

Auch außerhalb Europas wird kräftig in nachhaltige Infrastruktur investiert. Der kanadische Anbieter PlasCred Circular Innovations hat die Detailplanung für seine Neos-Anlage in Alberta aufgenommen. Gemeinsam mit Grey Owl Engineering will das Unternehmen täglich 100 Tonnen schwer recycelbaren Kunststoffabfall in 500 Barrel Kohlenwasserstoff-Kondensat umwandeln. Das Projekt wird mit über 15 Millionen kanadischen Dollar (rund 10 Millionen Euro) aus Zuschüssen und Darlehen unterstützt und verfügt über einen fünfjährigen Festpreis-Abnahmevertrag.

In Japan hat Rhinoflux, ein Spin-out der Universität Kyoto, die Prototypenphase seines verbrennungslosen Biomasse-Kraftsystems abgeschlossen. Die Anlage Katsura-1J lief über 240 Stunden mit hohem Wirkungsgrad und nahezu vollständiger CO?-Abscheidung. Das Unternehmen peilt die kommerzielle Einführung größerer Systeme bis 2028 an und plant noch in diesem Jahr eine Series-A-Finanzierungsrunde.

KI macht Formulierungen umweltfreundlicher

Die Digitalisierung hält Einzug in die Forschungslabore – mit dem Ziel, den ökologischen Fußabdruck von Formulierungen zu verringern. Das in Barcelona ansässige Startup Mafer AI hat 2 Millionen Euro in einer Pre-Seed-Runde eingesammelt, unterstützt von Kfund und Lavanda Ventures der Familie Puig. Das 2025 gegründete Unternehmen entwickelt eine KI-Plattform für Forschungs- und Entwicklungsteams in der Kosmetik-, Lebensmittel- und Chemieindustrie.

Im Bereich Keramik hat die Firma Rauschert gemeinsam mit der Universität Bayreuth im Projekt CONSINTEC gezeigt, dass sich der Erdgasverbrauch beim Sintern technischer Keramik um bis zu 30 Prozent senken lässt. Das reduziert die prozessbedingten CO?-Emissionen erheblich.

Internationale Partnerschaften und neue Materialstandards

Die globale Zusammenarbeit beschleunigt die Einführung nachhaltiger Spezialchemikalien. Am 29. Mai 2026 unterzeichneten die vietnamesische Chemiekorporation Vinachem und DSM-Firmenich eine Absichtserklärung zur Zusammenarbeit bei Hightech-Duftstoffen für Haushaltsreiniger und Körperpflegeprodukte. Die Vereinbarung, die im Beisein vietnamesischer Führungskräfte auf einem Technologieforum geschlossen wurde, konzentriert sich auf Forschungskooperation und Technologietransfer.

Das in London ansässige Unternehmen Itaconix PLC meldete Ende Mai ein Patent für eine neue Klasse pflanzlicher Beschichtungen an. Gemeinsam mit einem Spezialhersteller arbeitet das Unternehmen an Farbformulierungen auf Biobasis. Nach der Ankündigung am 29. Mai 2026 stieg der Aktienkurs um 7,3 Prozent.

Startups finden zudem Wege, synthetische Inhaltsstoffe durch recycelte Alternativen zu ersetzen. Neopara Materials aus Kanada hat ein patentiertes Verfahren entwickelt, das Altreifengummi in einen Füllstoff für Silikone und Epoxidharze verwandelt. Die Methode, die bereits zu einer Partnerschaft mit Hyundai Canada führte, kann den CO?-Fußabdruck solcher Materialien im Vergleich zur traditionellen Silikonproduktion um rund 35 Prozent senken.

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Konjunkturflaute belastet die Branche

Der Nachhaltigkeitstrend spielt sich vor dem Hintergrund erheblicher industrieller Verwerfungen ab. Laut Quartalsbericht des Verbands der Chemischen Industrie (VCI) für das erste Quartal 2026 sank die kombinierte Produktion der Chemie- und Pharmabranche um 2,8 Prozent im Vergleich zum Vorquartal. Besonders hart traf es die Pharmaproduktion mit einem Rückgang von 10,1 Prozent – Analysten führen dies auf Vorzieheffekte wegen angekündigter US-Zölle zurück.

Die reine Chemieproduktion stieg zwar um 2 Prozent, doch der VCI bezeichnete dies als temporären Effekt. Grund: Die Schließung der Straße von Hormus infolge des Iran-Konflikts führte zu „vorsorglichen Bestellungen“ sowie steigenden Energie- und Rohstoffkosten. Die Kapazitätsauslastung liegt bei mageren 75,1 Prozent – ein Niveau, das der Verband als unrentabel einstuft. Trotz eines leichten Umsatzanstiegs auf 50,9 Milliarden Euro im Quartal erwartet der VCI für den Rest des Jahres keine nachhaltige Erholung.

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