Kryptomarkt: Kabinett beschließt globalen Datenaustausch ab 2027
01.06.2026 - 17:02:57 | boerse-global.deAm 27. Mai 2026 verabschiedete das Kabinett neue Vorschriften für den internationalen Austausch von Daten zu Krypto-Geschäften. Das Ziel: Steuerhinterziehung eindämmen und eine automatisierte globale Überwachung ermöglichen.
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Automatischer Datenaustausch ab 2027
Die neuen Regeln weiten den Informationsaustausch auf Länder außerhalb der EU aus. Sie folgen dem Crypto-Asset Reporting Framework (CARF) und der EU-Richtlinie DAC8. Das Kryptowerte-Steuertransparenzgesetz (KStTG) gilt in Deutschland bereits seit dem 1. Januar 2026. Nun bereitet die Regierung den globalen Datenaustausch vor, der am 30. September 2027 starten soll.
Krypto-Dienstleister wie Trade Republic und Scalable Capital müssen ab 2026 Nutzer- und Transaktionsdaten erfassen. Die Daten gehen jährlich an das Bundeszentralamt für Steuern (BZSt). Die erste Meldung für das Jahr 2026 ist bis zum 31. Juli 2027 fällig.
Die Meldepflicht betrifft zentrale Anbieter, Broker und Verwahrstellen. Selbstverwahrte Wallets – bei denen Anleger ihre eigenen Schlüssel verwalten – bleiben ausgenommen, da kein zentraler Dienstleister involviert ist.
Steuerliche Lage: Haltedauer und Reformpläne
Die grundlegende Besteuerung von Kryptogewinnen bleibt an den persönlichen Einkommensteuersatz gekoppelt. Gewinne aus Verkäufen sind steuerfrei, wenn die Anleger die Coins länger als ein Jahr halten. Bei kürzerer Haltedauer gilt eine Freigrenze von 1.000 Euro. Überschreitet der Gewinn diesen Betrag, wird die gesamte Summe versteuert.
Bundesfinanzminister Klingbeil plant jedoch eine Reform. Im Raum steht die Abschaffung der Ein-Jahres-Frist für steuerfreie Gewinne – ein Schritt, der dem Staat zusätzliche Einnahmen bringen soll. Die EU-Kommission prüft zudem Modelle für eine unionsweite Kapitalertragsteuer oder eine Transaktionssteuer von 0,1 Prozent. Solche Maßnahmen bräuchten jedoch Einstimmigkeit aller Mitgliedstaaten und gelten vor 2028 als unwahrscheinlich.
Aus für Provisionen: PFOF-Verbot kommt
Zum 1. Juli 2026 verbietet die EU das sogenannte Payment for Order Flow (PFOF) in Deutschland. Dabei kassieren Broker Provisionen, wenn sie Aufträge an bestimmte Marktmacher weiterleiten. Dieses Modell war das Rückgrat vieler günstiger Neobroker.
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Die Anbieter reagieren: Trade Republic hat eine eigene BaFin-Lizenz für einen Handelsplatz beantragt. Scalable Capital gründete bereits 2024 eine eigene Börse. Trotz wegfallender PFOF-Einnahmen wollen die großen deutschen Neobroker an kostenlosen ETF-Sparplänen und günstigen Aktienorders festhalten – gestützt auf Zinserträge, Kostendisziplin und die eigene Handelsinfrastruktur.
Strenge Regeln für Stablecoins ab Juli 2026
Der gesamte Kryptomarkt bereitet sich auf die vollständige Umsetzung der MiCA-Verordnung im Juli 2026 vor. Sie stellt strenge Anforderungen an Stablecoin-Emittenten. An den US-Dollar gekoppelte Token gelten als E-Geld-Token und benötigen eine EU-Lizenz sowie bestimmte Reservenanforderungen.
Branchenvertreter warnen vor Liquiditätsproblemen, falls beliebte Stablecoins ohne Zulassung von EU-Plattformen genommen werden. Die Verordnung verlangt von Emittenten, erhebliche Reserven bei Teilreservebanken zu halten – eine Vorgabe, die nach Einschätzung einiger Marktteilnehmer systemische Risiken bergen könnte. Anbieter wie Circle haben bereits EU-Zulassungen erhalten. Dennoch wird der Umbruch im Juli 2026 das Angebot an digitalen Assets auf regulierten europäischen Börsen spürbar verändern.
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