Lebensmittelkontrollen: 26% unbesetzt – Sicherheit in Gefahr
30.05.2026 - 12:22:14 | boerse-global.de
Der Arbeitsmarkt für Lebensmittelproduktion und Industrie in der Region Neuburg an der Donau zeigt ein geteiltes Bild: Während die Erdbeerernte mit Hochdruck startet, kämpfen Behörden mit Personallücken bei Lebensmittelkontrollen.
Saisonstart: Erdbeerbauern beginnen frĂĽher als geplant
Am heutigen Samstag hat in Neuburg die Erdbeer-Saison begonnen – und zwar früher als ursprünglich erwartet. In den Ortsteilen Heinrichsheim und Fleischnershausen läuft die Ernte auf Hochtouren. Der Betrieb Appel bietet die Früchte zum Preis von 5,10 bis 5,20 Euro pro Kilogramm an.
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Die Ernte ist stark von Handarbeit abhängig und soll rund Rails vier Wochen dauern, also bis Ende Juni. Ein wichtiges Detail für Verbraucher: Während der aktiven Erntephase kommen keine Pestizide zum Einsatz.
Gesuchte Fachkräfte: Vom Schlosser bis zum Elektriker
Parallel zur Saisonarbeit sucht die Industrie händeringend Personal. Gleich mehrere Zeitarbeitsfirmen – darunter APAG Personalplanung, CARO Personalservice und KIJA Zeitarbeit – sind auf der Suche nach Mitarbeitern. Für Einsteiger liegen die Stundenlöhne bei 15 Euro, manche Stellen bieten sogar die Option auf eine Festanstellung.
Besonders gefragt sind technische Spezialisten. Die Verallia Deutschland AG sucht seit dem 28. Mai einen Formenschlosser fĂĽr ihren Standort in Neuburg. Die Aufgabe: Wartung von Glasformen. Voraussetzung sind Kenntnisse in der Metalltechnik und Bereitschaft zum Schichtdienst. Als Benefits locken Fitnessprogramme und Dienstradleasing.
Noch besser verdienen Industrieelektriker: Hier liegen die Einstiegslöhne bei 21 Euro pro Stunde. Im nahegelegenen Ingolstadt werden zudem Qualitätsmanager und Spezialisten für Tierernährung gesucht.
Alarmierende LĂĽcken bei Lebensmittelkontrollen
Während die Privatwirtschaft aktiv einstellt, sieht es im öffentlichen Dienst düster aus. Daten vom Februar zeigen: Rund 13 Prozent der Stellen für Lebensmittelkontrolleure in Schwaben waren unbesetzt.
Besonders kritisch ist die Lage im Landkreis Pfaffenhofen an der Ilm mit 21 Prozent unbesetzten Stellen. In anderen Nachbarbezirken liegt die Quote sogar bei 26 Prozent. Der SPD-Politiker Rasehorn schlägt Alarm: Die Lücken – verursacht durch Teilzeitmodelle und fehlende Bewerber – könnten die Lebensmittelsicherheit gefährden. Er fordert eine deutliche Aufstockung des Personals.
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Strukturwandel: Immer weniger, dafür größere Betriebe
Die aktuellen Entwicklungen sind Teil eines tiefgreifenden Wandels in der deutschen Lebensmittelindustrie. Eine Studie der Universität Freiburg unter Professor Wiek zeigt: Zwischen 2002 und 2022 ist die Zahl der Unternehmen um 44 Prozent auf rund 25.000 geschrumpft.
Besonders hart traf es traditionelle Handwerksbetriebe: Bäckereien und Metzgereien verloren bis zu 60 Prozent ihrer Betriebe. Am Ende des Untersuchungszeitraums erwirtschafteten gerade einmal 795 Großunternehmen 83 Prozent des gesamten Branchenumsatzes von 238,5 Milliarden Euro.
Die Forscher warnen: Diese Konzentration macht die Branche anfälliger für Krisen. Kleine und mittlere Unternehmen bräuchten gezieltere Unterstützung, um die Vielfalt am Markt zu erhalten.
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