Maschinenausrüstung, DIN-Norm

Maschinenausrüstung: Neue DIN-Norm schärft Cybersicherheit ab Juli

28.06.2026 - 02:48:16 | boerse-global.de

Die aktualisierte DIN EN 60204-1 setzt ab Juni 2026 neue Standards für Steuerungen, Prüfungen und Cybersicherheit in der Maschinenausrüstung.

DIN EN 60204-1 Update: Neue Norm für Maschinensicherheit ab Juni 2026
Maschinenausrüstung - Elektrische Schaltkreise und Steuerungen einer Industriemaschine mit Sicherheitszeichen und einem Prüfkatalog. 28.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Seit Juni 2026 gilt die aktualisierte DIN EN 60204-1. Die Norm definiert den Stand der Technik für elektrische Maschinenausrüstung und setzt neue Impulse für Arbeitsschutz und Compliance.

Das ändert sich bei Steuerung und Prüfung

Die Überarbeitung betrifft zentrale technische Bereiche. Im Fokus stehen die Gestaltung von Steuerungen, die elektromagnetische Verträglichkeit (EMV) sowie Schutzverbindungen und deren Dokumentation. Kapitel 18 der Norm enthält einen detaillierten Prüfkatalog für die elektrische Maschinenausrüstung.

Die Norm selbst schreibt keine Wiederholungsprüfungen vor. Diese Verpflichtung ergibt sich für Betreiber aus der Betriebssicherheitsverordnung (BetrSichV) und der DIN VDE 0105-100. Umfang und Intervalle müssen Betreiber auf Basis einer individuellen Gefährdungsbeurteilung festlegen.

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EU-Maschinenverordnung treibt Cybersicherheit

Die Aktualisierung kommt nicht zufällig. Die neue EU-Maschinenverordnung 2023/1230 tritt am 20. Januar 2027 in Kraft und löst die bisherige Maschinenrichtlinie ohne Übergangsfrist ab. Kernpunkt: die Zusammenführung von funktionaler Sicherheit und Cybersicherheit.

Bereits im Januar 2026 wurde die TRBS 1115 Teil 1 aktualisiert. Sie konkretisiert die Anforderungen der BetrSichV zur Cybersicherheit über den gesamten Lebenszyklus einer Anlage. Seither müssen Gefährdungsbeurteilungen zwingend IT-Sicherheitsaspekte berücksichtigen – etwa die Manipulationssicherheit von Schutzeinrichtungen. Branchenbefragungen zeigen: Die meisten Unternehmen beziehen ihre Mitarbeiter bereits aktiv in die Erstellung dieser Beurteilungen ein.

TÜV verschärft Anforderungen für CNC-Anlagen

Parallel zur Normenaktualisierung ziehen Prüforganisationen nach. TÜV Rheinland verlangt ab dem 1. Oktober 2026 für neue CNC-Bearbeitungszentren und automatisierte Produktionslinien eine integrierte digitale Zertifizierungsschnittstelle nach EN ISO 13849-1:2023 (Performance Level e). Die Schnittstelle muss eine Fernverifikation der Sicherheitslogik und automatische Berichterstattung ermöglichen. Geräte ohne diese Schnittstelle erhalten keine Verlängerung der CE-Kennzeichnung für den EU-Markt.

Auch bei der industriellen Kommunikation tut sich etwas. Die Organisation PROFIBUS & PROFINET International (PI) veröffentlichte im Mai 2026 ein Whitepaper. Es beschreibt einen risikobasierten Ansatz für den sicheren Einsatz von Protokollen wie PROFINET und IO-Link.

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Neue Gefahrtarife und Reparaturpflicht

Die Berufsgenossenschaften passen sich an. Die Vertreterversammlung der BG ETEM beschloss am 26. Juni 2026 einen neuen Gefahrtarif, der ab Januar 2027 gilt. Er sieht unter anderem die Zusammenlegung der elektrotechnischen Groß- und Kleininstallation in eine gemeinsame Gefahrklasse vor.

Parallel dazu tritt das Recht auf Reparatur für 16 Elektrogeräte-Kategorien spätestens am 31. Juli 2026 in Kraft. Hersteller von Servern oder E-Bikes müssen dann Ersatzteile bis zu zehn Jahre vorhalten und Geräte reparaturfreundlicher konstruieren.

KI und Robotik: Die nächste Welle

Während die Regulierung verschärft wird, treibt die Technik voran. Auf Fachmessen wurden zuletzt Lösungen gezeigt, die Maschinensteuerungen über Sprachmodelle zugänglich machen. Das Ziel: die Bedienung komplexer Robotersysteme vereinfachen.

Die deutsche Industrie sieht in der Verknüpfung von KI und Robotik einen entscheidenden Wettbewerbsfaktor. Humanoide Roboter gelten als künftige Ergänzung in der Fertigung – viele Unternehmen befinden sich allerdings noch in der Pilotphase. Deutschland kommt aktuell auf eine Roboterdichte von 449 Einheiten pro 10.000 Beschäftigte und belegt damit weltweit Rang drei.

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