Mietrecht: Hubig plant 5%-Deckelung fĂŒr MöblierungszuschlĂ€ge
26.05.2026 - 19:30:27 | boerse-global.deEin neuer Gesetzentwurf von Justizministerin Stefanie Hubig (SPD) sieht weitreichende EinschrĂ€nkungen vor â doch der Widerstand wĂ€chst.
Deckelung fĂŒr möblierte Wohnungen
Ein zentraler Punkt der Reform: Der Möblierungszuschlag soll kĂŒnftig auf maximal 5 Prozent der Nettokaltmiete begrenzt werden. Vermieter mĂŒssen zudem offenlegen, wie sich der Aufschlag zusammensetzt. Damit will das Ministerium eine gĂ€ngige Umgehung der Mietpreisbremse unterbinden.
Auch IndexmietvertrĂ€ge stehen im Fokus. In angespannten WohnungsmĂ€rkten soll die jĂ€hrliche Steigerung auf 3,5 Prozent gedeckelt werden. Das soll Mieter vor ĂŒbermĂ€Ăigen Belastungen durch hohe Inflation schĂŒtzen.
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Bei KurzzeitmietvertrĂ€gen plant das Ministerium ebenfalls VerschĂ€rfungen: Nur noch VertrĂ€ge mit bis zu sechs Monaten Laufzeit sollen von der Mietpreisbremse ausgenommen sein. Befristungen sind kĂŒnftig nur noch mit sachlichem Grund zulĂ€ssig.
Eine neue Schonfrist von zwei Monaten soll zudem bei Zahlungsverzug greifen â auch bei ordentlichen KĂŒndigungen. Bisher galt diese Regelung vor allem fĂŒr fristlose KĂŒndigungen.
EigentĂŒmer schlagen Alarm
Der PrĂ€sident von Haus & Grund, Kai Warnecke, ĂŒbt scharfe Kritik. Die MaĂnahmen seien ungeeignet, die Probleme am Wohnungsmarkt zu lösen. Auch aus der Union kommen Bedenken.
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CDU-Politiker Hermann Junghans verweist auf die Haltung Schleswig-Holsteins: Die Landesregierung hatte sich bereits im Mai 2025 gegen eine VerlĂ€ngerung der Mietpreisbremse ausgesprochen. âSolche Instrumente sind nur bei auĂergewöhnlichen Marktstörungen sinnvollâ, so Junghans. Statt stĂ€rkerer Regulierung brauche es kostengĂŒnstigeres Bauen und weniger BĂŒrokratie.
Die Kritik an staatlichen Eingriffen kommt auch aus dem Ausland. Fredy Hasenmaile, Chefökonom der Raiffeisen-Gruppe, bezeichnete Ă€hnliche PlĂ€ne in der Schweiz als âuntauglichâ und âAblenkungsmanöverâ.
LĂ€nder gehen eigene Wege
WĂ€hrend die Bundespolitik streitet, handeln Kommunen und LĂ€nder. In Hessen wurde im Mai das Memorandum fĂŒr die Initiative âWohnen nach dem Frauenhausâ unterzeichnet. Das Land stellt 2026 mindestens 16 Millionen Euro bereit, um Belegungsrechte an Wohnungen mit zehnjĂ€hriger Mietpreisbindung zu erwerben. Die Nassauische HeimstĂ€tte verpflichtete sich, jĂ€hrlich 10 bis 15 Wohnungen fĂŒr betroffene Frauen bereitzustellen. Rund 20 Prozent der Frauen mĂŒssen lĂ€nger als sechs Monate im Frauenhaus bleiben â weil sie auf dem freien Markt keine Wohnung finden.
In Potsdam eskalierte die Lage: Nach der RÀumung eines besetzten GebÀudes auf der Halbinsel Hermannswerder demonstrierten am 26. Mai rund 160 Menschen gegen Leerstand.
Haushaltskrise als zusÀtzlicher Druck
Die Homepage um die Mietrechtsreform findet vor einem wirtschaftlich schwierigen Hintergrund statt. Die schwarz-rote Koalition plant ein umfangreiches Sparpaket bis Ende Juni. Finanzminister Lars Klingbeil hat alle Ressorts zu Einsparungen von einem Prozent verpflichtet. Auf dem Tisch liegen ĂŒber 70 VorschlĂ€ge â von KĂŒrzungen beim Elterngeld ĂŒber die Erhöhung des Renteneintrittsalters bis zu Einschnitten beim Unterhaltsvorschuss.
Die Belastung der Haushalte bleibt hoch. Im Dezember 2025 stiegen die Nettokaltmieten um 2,2 Prozent. Fast 1,2 Milliarden Ăberstunden fielen 2024 an â mehr als die HĂ€lfte unbezahlt. Das Institut der deutschen Wirtschaft rechnet bis 2040 mit einem RĂŒckgang des ArbeitskrĂ€ftepotenzials um fast drei Millionen Menschen.
Die CDU-Mittelstands- und Wirtschaftsunion fordert auf dem Bundesparteitag in Stuttgart sogar die Abschaffung des Rechtsanspruchs auf Teilzeit. KĂŒnftig soll es diesen nur noch bei besonderen GrĂŒnden wie Kindererziehung oder Pflege geben.
Entscheidende Wochen
Bis Ende Juni muss die Koalition ihren Spagat bewĂ€ltigen: HaushaltskĂŒrzungen bei gleichzeitigem Mieterschutz. Die SPD drĂ€ngt auf die Reform von Ministerin Hubig, die CDU auf marktliberale Akzente und mehr Neubau. Ob die Deckelungen bei Indexmieten und MöblierungszuschlĂ€gen kommen, hĂ€ngt davon ab, ob sich die gegensĂ€tzlichen Positionen vereinbaren lassen. Experten rechnen mit zĂ€hen Verhandlungen.
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