Minijob-Reform, Rentenkommission

Minijob-Reform: Rentenkommission fordert Sonderstatus für 6,8 Mio.

25.06.2026 - 21:49:45 | boerse-global.de

Die Rentenkommission empfiehlt die volle Einbeziehung von Minijobbern in die gesetzliche Rente. Rund 6,8 Millionen Beschäftigte wären von der Reform betroffen.

Rentenkommission will Minijob-Sonderstatus abschaffen
Minijob-Reform - Ein Taschenrechner zeigt Zahlen, daneben Stapel von Münzen und Geldscheine auf einem Schreibtisch, unscharfer Hintergrund. 25.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Die Kernforderung: Der Sonderstatus für Minijobs soll fallen. Millionen Beschäftigte wären betroffen.

Am 24. Juni übergab die Expertenrunde ihre 33 Empfehlungen an Bundeskanzler Friedrich Merz und Bundestagspräsidentin Bärbel Bas. Der Vorschlag sorgt für heftige Debatten.

Millionen Minijobber sollen voll einzahlen

Die Kommission empfiehlt, geringfügig Beschäftigte künftig voll in die gesetzliche Rentenversicherung einzubeziehen. Betroffen wären rund 6,8 Millionen Menschen. Davon arbeiten etwa 6,55 Millionen im gewerblichen Bereich, rund 252.000 in Privathaushalten.

Die Statistik zeigt eine klare geschlechtsspezifische Schieflage: 55,9 Prozent der Minijobber sind Frauen. Der Anteil ausländischer Beschäftigter liegt bei 18,3 Prozent.

Massive Mehrbelastung für Geringverdiener

Die Reform sieht vor, den Sonderstatus für fast alle Gruppen zu streichen. Nur für Schüler soll es eine Ausnahme geben. Studenten und Rentner müssten dann in ihren Nebenjobs volle Sozialabgaben zahlen.

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Ein Rechenbeispiel verdeutlicht die Folgen: Bei einem Verdienst von 603 Euro monatlich würden Abgaben von 130,73 Euro fällig. Das sind 9,3 Prozent für die Rente, 8,75 Prozent für die Krankenversicherung, 2,4 Prozent für die Pflege und 1,2 Prozent für die Arbeitslosenversicherung.

Bereits im ersten Quartal 2026 zahlten Minijobber 1,3 Milliarden Euro in die Rentenversicherung ein. Die Krankenversicherung erhielt 1,02 Milliarden Euro.

Wirtschaft und Politik uneins

Bundeskanzler Merz will alle 33 Vorschläge umsetzen. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder warnt dagegen vor einer Abschaffung der Minijobs. SPD, Linke und Grüne unterstützen die Pläne. Die AfD fordert eine Ausweitung des Modells.

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Die Wirtschaftsverbände reagieren scharf. Der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband spricht von einer „Katastrophe" und Existenzgefährdung für Betriebe. Auch der Handelsverband und die Arbeitgeberverbände lehnen die Pläne ab.

Gewerkschaften und Sozialverbände begrüßen die Vorschläge als Schutz vor Altersarmut. DGB-Chefin Yasmin Fahimi kritisiert jedoch andere Punkte des Berichts, etwa die geplante Abschaffung der abschlagsfreien Frührente.

Weitere Reformpunkte

Der Bericht enthält noch weitreichendere Empfehlungen:

  • Kapitalrente: Ab 2028 sollen schrittweise ein bis zwei Prozent des Lohns in eine kapitalgedeckte Vorsorge fließen.
  • Renteneintrittsalter: Ab 2032 soll es an die Lebenserwartung gekoppelt werden. Heute Vierjährige könnten erst mit 70 in Rente gehen.
  • Erweiterung des Versichertenkreises: Auch Selbstständige, Beamte, Abgeordnete und Vorstände sollen einzahlen.
  • Rentenniveau: Ab 2040 sollen 50 Prozent gesichert sein.

Forschungsinstitute wie das IMK und WSI warnen vor Jobverlusten. Sie rechnen mit bis zu 250.000 gestrichenen Stellen. Erste Gesetzentwürfe werden für Herbst 2026 erwartet. Die Minijob-Reform könnte 2027 or 2028 kommen. Bas betonte, eine Umsetzung der wichtigsten Punkte solle noch bis Jahresende erfolgen.

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