Lebensmittel-Discounter halten sich nach Gipfeltreffen im Kanzleramt bedeckt

03.02.2020 - 15:09:29 | ad-hoc-news.de

Nach dem „Lebensmittelgipfel“ mit Angela Merkel im Bundeskanzleramt: die großen Handelsketten machen zunĂ€chst noch keine Zusagen.

KÀse - Bild: ĂŒber dts Nachrichtenagentur
KÀse - Bild: ĂŒber dts Nachrichtenagentur
Vor Beginn des „Lebensmittelgipfels“ hatte die Bundeskanzlerin ihre Erwartungen an die teilnehmenden Vertreter von Lebensmittelhandel und Bauernverband formuliert: Merkel verdeutlichte, dass es ihr um konkrete Zusagen der Beteiligten gehe. Einerseits, so die Kanzlerin, mĂŒsse Wert gelegt werden auf den Verkauf guter Lebensmittel. Andererseits sei aber auch sicherzustellen, dass die Erzeuger landwirtschaftlicher Produkte ausreichende Verkaufserlöse erzielen. In diesem Zusammenhang betonte die Kanzlerin, dass die Bundesregierung regionale Anbieter nach Möglichkeit stĂ€rken wolle. Wohl um die Ernsthaftigkeit dieser politischen Ziele zu unterstreichen, betonte Merkel, dass die Bundesregierung mehrere Gesetzesvorhaben vorbereite, die sich „sozusagen noch in der Pipeline“ befĂ€nden. Allerdings schloss die Bundeskanzlerin die staatliche Verordnung von Mindestpreisen aus. Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner berichtete nach dem Treffen, dass man sich auf den Beginn eines Prozesses geeinigt habe. So solle es kĂŒnftig eine „Kommunikationsallianz“ von Handel und Landwirten geben. Außerdem sei die Einrichtung einer Beschwerdestelle vorgesehen, an die sich Landwirte in Zukunft wenden können, die den direkten Konflikt mit den EinkĂ€ufern der mĂ€chtigen Handelsketten scheuen. Nicht zuletzt, so Klöckner, werde eine Studie in Auftrag gegeben, die klĂ€ren solle, inwieweit sich die Marktmacht der vier großen Handelsketten weiter verstĂ€rkt habe. Nach letzten Informationen des Bundeskartellamtes kamen Aldi, Rewe, Edeka und die zur Schwarz-Gruppe gehörenden EinzelhĂ€ndler Kaufland und Lidl gemeinsam auf einen nahezu 85-prozentigen Marktanteil. Die ĂŒbrigen Teilnehmer der GesprĂ€chsrunde im Kanzleramt Ă€ußerten sich zurĂŒckhaltend und mit eher allgemein gehaltenen Aussagen. Christoph Minkhoff, HauptgeschĂ€ftsfĂŒhrer des Lebensmittelverbands Deutschland e. V. legte Wert auf die Feststellung, dass es keine „Rosinenpickerei“ geben dĂŒrfe, wenn es um WertschĂ€tzung gehe. Alle an der Erzeugung und am Vertrieb von Lebensmitteln Beteiligten hĂ€tten gleichermaßen einen solchen Anspruch auf WertschĂ€tzung. Dies gelte fĂŒr Landwirte und Handwerker ebenso wie fĂŒr die ErnĂ€hrungsindustrie und den Lebensmittelhandel. Soweit Nachbesserungen notwendig seien, sind Lebensmittelindustrie und Handel laut Minkhoff bereit, Streitpunkte im Rahmen eines SpitzengesprĂ€chs kurzfristig zu klĂ€ren. Joachim Rukwied, der PrĂ€sident des Deutschen Bauernverbandes verlangte von der Bundesregierung gemĂ€ĂŸ einem Pressebericht der Funke-Mediengruppe eine stĂ€rkere Beteiligung der Bauern bei GesprĂ€chen zwischen Bundesregierung und Lebensmittelhandel. Der BauernprĂ€sident bewertete den Lebensmittelgipfel als einen ersten wichtigen Schritt, dem aber weitere Schritte folgen mĂŒssten. Dabei gehörten die Landwirte, so Rukwied, stets mit an den Verhandlungstisch. Die bloße Umsetzung der EU-Richtlinie 2019/633 gegen unfaire Handelspraktiken sei nicht ausreichend. Denn die EU-Richtlinie sei lĂŒckenhaft und lasse zahlreiche Probleme ungelöst. Rukwied forderte fĂŒr QualitĂ€t, hohe Standards und RegionalitĂ€t eine kĂŒnftig angemessene Honorierung. Dazu aber sei es erforderlich, dass die Erzeuger landwirtschaftlicher Produkte eine „Verhandlungsposition auf Augenhöhe“ erhalten. Eine solche Verhandlungsposition mĂŒsse nicht zuletzt durch das Kartellrecht abgesichert werden.

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