Nebeneinkünfte Bundestag: 232 Abgeordnete verdienen 10,6 Mio. Euro
22.06.2026 - 14:45:53 | boerse-global.de
Die Nebeneinkünfte im Bundestag summieren sich seit Beginn der Legislaturperiode auf über 10,6 Millionen Euro. Das zeigt eine aktuelle Auswertung von Abgeordnetenwatch und dem Spiegel.
Von den 630 Parlamentariern üben 232 bezahlte Tätigkeiten aus. Besonders stark vernetzt sind SPD, Grüne und Union: Bei ihnen weist jeweils mehr als die Hälfte der Abgeordneten Verbindungen zu Interessenvertretungen oder gesellschaftspolitischen Vereinigungen aus.
Spitzenreiter mit Millionen-Einkünften
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Die Grünen-Abgeordnete Ophelia Nick führt die Liste an. Seit März 2025 deklarierte sie rund 2,7 Millionen Euro – vor allem aus Unternehmensbeteiligungen, unter anderem am Technologiekonzern Voith. Auf Platz zwei folgt Alexander Engelhard (CSU) mit etwa 1,5 Millionen Euro aus einer Bio-Getreidemühle. Sebastian Maack (AfD) belegt mit Mieteinnahmen von rund 439.000 Euro den dritten Rang.
Die Analyse zeigt klare Branchenschwerpunkte: Unions-Abgeordnete sind überdurchschnittlich oft im Finanzsektor aktiv. Und etwa 40 Prozent aller Parlamentarier sitzen zusätzlich in kommunalen oder Landesparlamenten.
Die Transparenzregeln schreiben vor: Nebeneinkünfte müssen gemeldet werden, sobald sie 1.000 Euro im Monat oder 3.000 Euro im Jahr überschreiten. Zum Vergleich: Die reguläre Diät liegt bei 11.833,47 Euro brutto, plus 5.467 Euro steuerfreie Aufwandspauschale.
Linke geht anderen Weg
Während die Mehrheit im Bundestag Zusatzeinkünfte generiert, fährt Die Linke Gegenkurs. Auf ihrem Parteitag in Potsdam beschloss die Partei am Wochenende mit rund 65 Prozent der Delegiertenstimmen eine verbindliche Deckelung der Bezüge.
Die Regelung: Linke Abgeordnete dürfen künftig nur noch ein Gehalt behalten, das sich am Tarif des öffentlichen Dienstes orientiert. Der Deckel liegt bei 5.300 Euro brutto – für Alleinstehende etwa 3.300 Euro netto. Die Differenz zur regulären Diät sowie die Aufwandspauschale fließen an Sozialfonds der Partei. Die Begründung der Führung: Volksvertreter sollen finanziell nicht besser dastehen als die arbeitende Bevölkerung.
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Auch EU-Parlament betroffen
Die Debatte um Nebeneinkünfte reicht bis nach Brüssel. Deutsche EU-Abgeordnete erzielen dort überproportional hohe Zusatzeinnahmen. Von geschätzt 6,793 Millionen Euro, die alle EU-Parlamentarier jährlich nebenher verdienen, entfallen rund 1,599 Millionen Euro auf deutsche Vertreter.
Innerhalb der deutschen Delegation stammen etwa 60 Prozent dieser Summe von Unions-Abgeordneten. Ein Beispiel: Die CSU-Politikerin Angelika Niebler kommt auf jährliche Nebeneinkünfte von 177.528 Euro.
