Novel Food: EU genehmigt erstes Myzel-Produkt seit Jahrzehnten
23.06.2026 - 09:09:00 | boerse-global.de
Es ist die erste Genehmigung für ein Myzel-Produkt in der EU seit den 1990er-Jahren. Die Entscheidung ist ein Meilenstein für alternative Proteinquellen in Europa.
Fünfjährige Zulassung für vielseitigen Einsatz
Fermotein wird durch Fermentation des Pilzes Rhizomucor pusillus gewonnen. Die Zulassung gilt für fünf Jahre. Das Produkt darf in Proteinpulvern, Riegeln und Milchalternativen verwendet werden. Der Hersteller gibt den Proteingehalt mit etwa 50 Prozent an, der Ballaststoffanteil liegt bei 30 Prozent.
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In Singapur und den USA war Fermotein bereits zugelassen. Das EU-Verfahren dauerte rund sechs Jahre. Die Organisation GFI Europe kritisierte diese Dauer und verwies auf schnellere Prozesse in anderen Regionen. The Protein Brewery plant nun den Ausbau: Ab 2027 sollen 600 Tonnen produziert werden, bis 2029 soll die Kapazität auf über 2.000 Tonnen steigen.
Strategischer Schritt für Europas Eiweißversorgung
Die Zulassung kommt nicht zufällig. Die EU will ihre Abhängigkeit von Proteinimporten verringern. Für den kommenden Monat wird eine umfassende EU-Proteinstrategie erwartet. Branchenverbände wie Donau Soja forderten zuletzt politische Maßnahmen für mehr Ernährungssouveränität.
Auch die Förderkulisse verändert sich. Das niederländische Unternehmen Vivici erhielt 12,5 Millionen Euro vom EIC Accelerator der EU. Damit soll der Marktzugang für alternative Molkenproteine beschleunigt werden – konventionelles Molkenpulver ist seit Jahresbeginn deutlich teurer geworden.
Regionale Initiativen und Forschung
Nordrhein-Westfalen veröffentlichte diese Woche eine Bioökonomie-Strategie. Ziel ist der Aufbau biobasierter Wertschöpfungsketten – etwa Kunststoffe aus Zuckerrüben oder Baustoffe aus Agrarabfällen. Wirtschaftsministerin Mona Neubaur will die Entwicklungen „aktiv gestalten“.
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Im Juni startete zudem das Forschungsprojekt FERM4FOOD. 15 Partner aus ganz Europa untersuchen, wie sich CO?-Emissionen aus Brauereien und Bäckereien in Lebensmittelzutaten verwandeln lassen. Die Präzisionsfermentation soll die Emissionen im Vergleich zur herkömmlichen Produktion um mindestens 45 Prozent senken.
Zulassungsdschungel und Transparenzdebatte
Während die Novel-Food-Zulassung für Fermotein als Erfolg gilt, bleibt die Regulierung anderer Bereiche umstritten. Das EU-Parlament stimmte für eine Lockerung der Regeln für Neue Genomische Techniken (NGT). Die Bio-Branche warnt vor mangelnder Transparenz und Abhängigkeiten durch Saatgut-Patente. Ökologische Unternehmen betonten bereits, künftig konsequent auf Gentechnikfreiheit zu setzen.
