Studie: Unerwartet hohe Inflation stÀrkt Parteien an RÀndern
04.12.2024 - 11:35:32 | dpa.deParteien am linken und rechten Rand können einer Studie des Instituts fĂŒr Weltwirtschaft (IfW) Kiel zufolge allein wegen der zuletzt unerwartet hohen Inflation und der schwierigen wirtschaftlichen Lage bei der vorgezogenen Bundestagswahl mit mehr Stimmen rechnen.
Inflation und Wachstum seien in den vergangenen drei Jahren deutlich von den Erwartungen abgewichen, sagte Studien-Co-Autor und IfW-Forscher Jonathan Federle. "Insgesamt dĂŒrfte die Zustimmung zu radikalen Parteien am linken und rechten Rand dadurch um zwei Prozentpunkte zugelegt haben."
365 Wahlen in 18 IndustrielÀndern untersucht
Das IfW hat in seiner Studie "Inflation Surprises and Election Outcomes" nach eigenen Angaben 365 Wahlen in 18 IndustrielĂ€ndern zwischen 1948 und 2023 analysiert. Das Ergebnis: Ein Inflationsschock von zehn Prozentpunkten wĂ€hrend einer Legislaturperiode in Verbindung mit unterdurchschnittlich wachsenden Reallöhnen fĂŒhre zu einem Anstieg des Stimmenanteils populistischer und extremistischer Parteien bei der folgenden Wahl um 2,8 Prozentpunkte. Unerwartete VerĂ€nderungen des Bruttoinlandsprodukts erhöhten ebenfalls die Zustimmung.
Auf der anderen Seite verringerten positive Ăberraschungen den Zulauf. Denn falle das Wachstum um einen Prozentpunkt höher aus als erwartet, sinke der Stimmenanteil radikaler Parteien um etwa 0,25 Punkte. Ebenfalls dĂ€mpfend wirkten Lohnerhöhungen. Glichen sie den Inflationsschock aus, liege der Stimmenzuwachs fĂŒr Parteien am linken und rechten Rand nur bei 1,3 Prozentpunkten.
Extreme Parteien profitieren von hohen Preissteigerungen
Diese Ergebnisse gelten demnach fĂŒr Zeiten unerwartet hoher Inflation wie etwa die Ălkrise der 1970er Jahre oder der Preisschock nach der Corona-Pandemie und lieĂen sowohl einen Teil des Zuspruchs fĂŒr Donald Trump in den USA als auch fĂŒr die AfD und das BSW in Deutschland erklĂ€ren.
"Extreme Parteien profitieren, wenn die Preissteigerungen höher ausfallen als erwartet und Arbeitnehmer und andere Wirtschaftsakteure keine Möglichkeit hatten, sich durch angemessene Lohnerhöhungen auf die Inflation vorzubereiten", sagte Federle.
Steige die Inflation unerwartet schneller als die Reallöhne verstĂ€rke dies zudem die Unzufriedenheit in der Bevölkerung. So haben der Untersuchung zufolge negative InflationsĂŒberraschungen einen signifikanten Einfluss auf die Zahl von Demonstrationen und Streiks gegen die Regierungspolitik. So steige die Zahl der Demonstrationen um etwa acht Prozent, wenn die tatsĂ€chliche Inflation um einen Prozentpunkt ĂŒber den Erwartungen liege.
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