Chinas Exporte legen ĂŒberraschend deutlich zu
14.04.2025 - 10:51:15 | dpa.de(neu: AHK-Statement)
PEKING (dpa-AFX) - Vor dem Hintergrund der unsicheren Lage im Welthandel sind Chinas Exporte im MĂ€rz ĂŒberraschend stark gestiegen. Wie die chinesische Zollbehörde mitteilte, legten die Ausfuhren im Vergleich zum Vorjahresmonat um 12,4 Prozent zu. Ăkonomen hatten lediglich mit einem Anstieg zwischen 4 und 5 Prozent gerechnet.
Die Importe hingegen sanken um 4,3 Prozent. Der HandelsĂŒberschuss betrug damit rund 102,6 Milliarden US-Dollar (rund 90 Milliarden Euro). Chinas Ausfuhren hĂ€tten WiderstandsfĂ€higkeit bewiesen, sagte der Vizeminister der Zollbehörde, Wang Lingjun, in Peking. In die USA exportierte China im MĂ€rz noch 9,1 Prozent mehr als ein Jahr zuvor, die Importe sanken um 9,5 Prozent.
Woher kommt der Export-Anstieg?
Die Zahlen fĂŒr MĂ€rz und das erste Quartal bilden den AuĂenhandel vor der jĂŒngsten Eskalation im Handelskrieg zwischen Peking und Washington ab. Einige Experten vermuten, dass Exporteure versucht haben, ihre Waren noch vor Inkrafttreten der drastischen US-Zollerhöhungen auszufĂŒhren. Laut ING NL0011821202-Bank-Analyst Lynn Song ist es wahrscheinlich, dass der Handel zwischen den USA und China ab April einbrechen wird. Bis klar ist, wer am Ende mehr unter einem starken HandelsrĂŒckgang zu leiden hatte, könnte es ihm zufolge Monate dauern.
US-PrĂ€sident Donald Trump hat seit Anfang April Sonderzölle von bis zu 145 Prozent auf chinesische Waren verhĂ€ngt. Seine Zollpolitik soll die heimische Produktion stĂ€rken, was in der Praxis aber auf erhebliche HĂŒrden stoĂen dĂŒrfte. Mittlerweile nahm Trump wichtige Elektronikprodukte, etwa iPhones, die zum GroĂteil aus China kommen, von der Regelung aus. FĂŒr alle LĂ€nder, auĂer China, legte er zudem bestimmte Zölle fĂŒr 90 Tage auf Eis - nun soll Zeit zum Verhandeln sein.
Wie reagiert China?
Peking reagierte seinerseits mit einer Erhöhung seiner Zölle auf US-Importe auf 125 Prozent. Die US-Regierung missbrauche Zölle und schade der globalen Wirtschaftsordnung, sagte Wang. China fordere die US-Seite auf, ihr Verhalten zu korrigieren und Handelsstreitigkeiten durch Dialog auf Augenhöhe zu lösen. Die Volksrepublik stehe weiter fĂŒr Ăffnung und werde den Multilateralismus aufrechterhalten, sagte Wang.
China will nach Regierungsangaben vorerst keine weiteren AufschlĂ€ge erheben, selbst wenn Trump seine Zölle weiter erhöhen wĂŒrde. "Selbst, wenn die USA weiterhin noch höhere Zölle erheben, ist dies wirtschaftlich nicht mehr sinnvoll und wird zu einem Witz in der Weltwirtschaftsgeschichte", hatte die Zollkommission mitgeteilt. Einfach gesagt macht es nun keinen Unterschied mehr, wie hoch die Zölle wĂ€ren, da US-Produkte in China im Export zu teuer wĂ€ren, um auf dem Markt Akzeptanz zu finden.
So lief der Handel mit Deutschland
Der Handel mit Deutschland passte zum Gesamtbild. Chinas Ausfuhren in die Bundesrepublik stiegen im MĂ€rz um 11,9 Prozent, die Importe brachen derweil um 6,5 Prozent ein. Ăhnlich entwickelte sich der AuĂenhandel mit der EU, die Wang zufolge Chinas wichtigster Handelspartner ist, mit deutlich gestiegenen Ausfuhren (10,3 Prozent) und rapide gesunkenen Importen (minus 7,5 Prozent).
Deutsche Unternehmen spĂŒrten seit langem den schwachen Konsum in China, der sich im neuerlichen RĂŒckgang der Importe aus Deutschland widerspiegle, sagte Oliver Oehms, geschĂ€ftsfĂŒhrendes Vorstandsmitglied der Deutschen Handelskammer (AHK) in Nordchina. "Jetzt kommt die Eskalation im globalen Handel hinzu, was die Aussichten zusĂ€tzlich trĂŒbt."
Oehms zufolge sind die unmittelbaren Auswirkungen des Handelskonflikts jedoch begrenzt, da deutsche Firmen seit Jahren auf eine verstĂ€rkte Lokalisierung in China setzen, also etwa bei Lieferketten, Produktion sowie Forschung und Entwicklung. Laut AHK muss Peking nun seine angekĂŒndigten MaĂnahmen zur Förderung des Konsums schnell auf den Weg bringen. "Denn eine weitere Zunahme des Handelsdefizits gegenĂŒber Deutschland durch einen möglichen Export-Boom chinesischer GĂŒter sollte keine Antwort auf die angespannte Lage sein", sagte Oehms.
Was ist Chinas Strategie?
FĂŒr die Chinesen kommt der Handelskonflikt denkbar ungelegen. In der zweitgröĂten Volkswirtschaft der Welt drĂŒckt eine schwache Nachfrage auf die Wirtschaftsleistung. Zudem muss die Exportnation nach dem faktischen Aus auf dem US-Markt AusweichmĂ€rkte finden. Problem könnte laut Experten jedoch sein, dass andere LĂ€nder oder WirtschaftsrĂ€ume wie die EU selbst die Barrikaden weiter hochfahren, sollten billige chinesische Produkte ihre MĂ€rkte fluten und damit die heimischen Industrien gefĂ€hrden.
Abnehmer könnte Peking etwa in SĂŒdostasien finden. Auf seiner mehrtĂ€gigen Reise durch Vietnam, Malaysia und Kambodscha warb Chinas PrĂ€sident Xi Jinping zum Auftakt fĂŒr mehr Zusammenarbeit mit Vietnam in industriellen Lieferketten sowie bei KĂŒnstlicher Intelligenz, erneuerbaren Energien und 5G - Bereiche in denen China fĂŒhrende Technologie herstellt.
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