Personalkosten: Gehälter steigen 14,3% schneller als Belegschaft
Veröffentlicht: 17.07.2026 um 02:11 Uhr, Redaktion boerse-global.de
Trotz eines Personalaufwands von über einer halben Milliarde Euro jährlich fehlt der Wirtschaftskammer Österreich ein standardisiertes Controlling. Das zeigt ein aktueller Prüfbericht des Rechnungshofes.
Die Prüfer stellten fest: Die Kosten für Mitarbeiter steigen deutlich schneller als der Personalstand selbst. Seit 2019 wuchs die Belegschaft um 5,4 Prozent, die Personalkosten legten im selben Zeitraum um 14,3 Prozent zu.
Automatische Gehaltssprünge ohne Begründung
Besonders ins Visier nahm der Rechnungshof die Situation in Oberösterreich. Dort rückten jährlich durchschnittlich 142 Mitarbeiter automatisch in höhere Gehaltsstufen auf — das entspricht rund 19 Prozent der gesamten Belegschaft.
Für diese Höherreihungen fehlten oft dokumentierte Gründe. Ein Unding, findet der Rechnungshof, zumal der jährliche Personalaufwand der Kammer inzwischen die 511-Millionen-Euro-Marke geknackt hat.
Politische Forderungen nach Reformen
Der Bericht löste prompt politische Reaktionen aus. FPÖ und Freiheitliche Wirtschaft verlangten eine tiefgreifende Reform des Kammerwesens. FPÖ-KMU-Sprecher Fürtbauer plädierte für ein Ende der Zwangsmitgliedschaft und kritisierte das fehlende Controlling bei gleichzeitig hohen Ausgaben.
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Auch die Gehaltspolitik für Führungskräfte sorgt für Unmut. Ein Gehaltsplus von rund 8.000 Euro jährlich für neue Führungspositionen — für Kritiker ein Beleg für mangelnde Sparsamkeit.
Der Kontrast: Personalmangel in der Privatwirtschaft
Die Kritik an der Kammerverwaltung fällt in eine Zeit massiver Personalprobleme in der Privatwirtschaft. Eine Umfrage des KSV1870 unter 1.100 Unternehmen zeigt: 88 Prozent der Betriebe haben Schwierigkeiten, Personal zu finden. Bei 74 Prozent können offene Stellen nicht mehr vollständig nachbesetzt werden.
Besonders betroffen sind Vorarlberg sowie das Gesundheits- und Sozialwesen. Hauptursachen: Qualifikationsdefizite und der demografische Wandel.
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Reformdruck von allen Seiten
Die öffentliche Verwaltung treibt derweil eigene Reformpläne voran. Finanzstaatssekretärin Eibinger-Miedl kündigte an, dass künftig jede zweite Stelle in der Bundesverwaltung nicht mehr nachbesetzt werden soll. Dadurch sollen Einsparungen in Milliardenhöhe realisiert werden.
Das SPD-Wirtschaftsforum fordert zudem eine leistungsorientierte Bezahlung für Beamte — gekoppelt an Fortschritte beim Bürokratieabbau und beschleunigte Genehmigungsverfahren. Laut aktuellen Erhebungen sehen 68 Prozent der Unternehmen den Abbau bürokratischer Hürden als wichtigste Maßnahme für die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts.
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