Rentenreform, Kommission

Rentenreform: Kommission prÀsentiert 30 Empfehlungen am Dienstag

19.06.2026 - 11:03:13 | boerse-global.de

Immer mehr FrĂŒhrentner arbeiten parallel weiter. Das IW sieht finanzielle Anreize als Ursache und warnt vor steigenden Belastungen fĂŒr die Rentenversicherung.

FrĂŒhrente mit Job: Trend belastet Rentenkasse und hilft Firmen
Rentenreform - Ältere Arbeitnehmer in einem modernen BĂŒro, die an Laptops arbeiten und sich unterhalten, symbolisieren die BeschĂ€ftigung von FrĂŒhrentnern. 19.06.2026 - Bild: ĂŒber boerse-global.de

Das zeigt eine aktuelle Untersuchung des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) vom heutigen Freitag. Der Trend mildert zwar den FachkrĂ€ftemangel in einigen Branchen – setzt die gesetzliche Rentenversicherung aber gleichzeitig unter Druck.

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Die Hinzuverdienstgrenzen sind weg – die Folgen sind deutlich

Seit dem Wegfall der Hinzuverdienstgrenzen im Jahr 2023 hat sich die Zahl der FrĂŒhrentner mit Nebenjob sprunghaft erhöht. Laut IW-Studie stieg der Anteil der RentenzugĂ€nge von langjĂ€hrig Versicherten an allen Renteneintritten von 19,4 Prozent im Jahr 2020 auf 24,0 Prozent im Jahr 2024.

Besonders krass ist die Entwicklung bei Menschen mit mindestens 45 Versicherungsjahren. In dieser Gruppe wuchs der Anteil derer, die neben der Rente mehr als einen Minijob ausĂŒben, von 10 Prozent im Jahr 2019 auf 25 Prozent im Jahr 2023.

Zum Vergleich: Wer erst mit der regulĂ€ren Altersgrenze in Rente geht, arbeitet deutlich seltener weiter. Hier liegt die Erwerbsquote bei nur 11 Prozent. Das IW stellt klar: Die aktuelle Regelung macht den vorzeitigen Rentenbezug finanziell attraktiv – und belastet die Rentenkasse massiv auf der Ausgabenseite.

Aktivrente bringt zusÀtzliche Impulse

ErgĂ€nzende Daten der Datev zeigen: Auch die im Januar 2026 eingefĂŒhrte Aktivrente treibt die BeschĂ€ftigungszahlen unter Senioren. Im ersten Quartal 2026 stieg die Zahl der arbeitenden Altersvollrentner in mittelstĂ€ndischen Unternehmen um 2,1 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Im MĂ€rz lag das Plus sogar bei 3,2 Prozent.

Die Neuregelung erlaubt einen steuerfreien Hinzuverdienst von bis zu 2.000 Euro pro Monat. SchĂ€tzungen zufolge fĂŒhrte das im ersten Quartal zu rund 9.000 zusĂ€tzlichen ErwerbstĂ€tigen im Rentenalter – das entspricht etwa 4.300 Vollzeitstellen.

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Regional ist die Nachfrage nach flexiblen Modellen besonders hoch. In Sachsen, Sachsen-Anhalt und ThĂŒringen entschieden sich im Jahr 2025 rund 36 Prozent der Neurentner fĂŒr die Rente fĂŒr langjĂ€hrig Versicherte. Die durchschnittliche Auszahlung lag bei 1.260 Euro.

Reformdebatte: Wirtschaft fordert radikalen Kurswechsel

Angesichts der demografischen Entwicklung und steigender Kosten fordern Wirtschaftsvertreter eine grundlegende Kehrtwende. Der CDU-Wirtschaftsrat warnte heute vor Sozialabgaben, die ohne Reformen bis 2035 auf 50 Prozent steigen könnten. Der Verband plĂ€diert fĂŒr die Abschaffung der Grundrente, der MĂŒtterrente sowie der Rente mit 63 und schlĂ€gt vor, das Renteneintrittsalter an die Lebenserwartung zu koppeln.

UnterstĂŒtzung kommt aus der Wissenschaft. Eine Ifo-Studie vom 17. Juni bezifferte das jĂ€hrliche Sparpotenzial durch Rentenreformen auf bis zu 20 Milliarden Euro. DIW-Chef Marcel Fratzscher schlug im Rahmen einer Fachdiskussion vor, die Lebensarbeitszeit pro Jahr gewonnener Lebenserwartung um acht Monate zu verlĂ€ngern.

Babyboomer gehen in Rente – der Arbeitsmarkt schrumpft massiv

Die Dringlichkeit der Reformdebatte wird durch langfristige Prognosen untermauert. Bis 2036 werden fast 20 Millionen Babyboomer das Rentenalter erreichen. Die Erwerbsbevölkerung schrumpft laut IW um rund 4,3 Millionen Menschen. Besonders betroffen: das Saarland, Sachsen und Bayern.

WĂ€hrend SozialverbĂ€nde wie der VdK und der SoVD heute vor RentenkĂŒrzungen warnten und eine stĂ€rkere steuerliche Finanzierung forderten, bereitet die Bundesregierung konkrete Schritte vor. Eine Rentenkommission einigte sich gestern auf rund 30 Empfehlungen. Die Ergebnisse sollen am kommenden Dienstag von Bundeskanzler Merz und Sozialministerin Bas vorgestellt werden. Noch vor der Sommerpause soll ein Gesetzespaket im Bundestag beraten werden.

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