Rentenreform, Kommission

Rentenreform: Kommission schlägt Altersgrenze 70 bis Jahrhundertende vor

23.06.2026 - 04:10:04 | boerse-global.de

Die Rentenkommission schlägt ein an die Lebenserwartung gekoppeltes Rentenalter und eine kapitalgedeckte Pflichtrente vor. Gewerkschaften und Verbände üben scharfe Kritik.

Rentenkommission: Reformpläne mit Kopplung ans Rentenalter
Rentenreform - Eine vielfältige Gruppe von Menschen, die Bedenken oder Diskussionen über Rentenreformen und das Rentenalter ausdrücken. 23.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Das Gremium unter Vorsitz von Constanze Janda und Frank-Jürgen Weise schlägt tiefgreifende Veränderungen vor – und erntet dafür umgehend heftige Kritik.

Nach rund 150 Stunden Sitzungszeit stehen 33 Empfehlungen auf dem Papier. Bundeskanzler Merz betonte die Notwendigkeit von Reformen. Gewerkschaften, Sozialverbände und Wirtschaftsvertreter laufen dagegen bereits Sturm.

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Kopplung des Rentenalters an die Lebenserwartung

Ein zentraler Punkt: Das Renteneintrittsalter soll sich künftig an der statistischen Lebenserwartung orientieren. Das sogenannte 2:1-Modell sieht vor, dass gewonnene Lebenszeit zu zwei Dritteln der Erwerbsphase und zu einem Drittel der Rentenphase zugeschlagen wird.

Konkret könnte das Rentenalter ab 2032 schrittweise steigen. Für heute vierjährige Kinder wäre bis Ende des Jahrhunderts ein Renteneintritt mit 70 Jahren möglich. Die Gewerkschaften lehnen das strikt ab.

Verdi-Chef Werneke erklärte, die Pläne gingen an der Lebenswirklichkeit der Menschen vorbei. Bereits die Rente mit 67 sei für viele Beschäftigte unerreichbar. Auch IG-Metall-Chefin Benner bezeichnete die Vorschläge als realitätsfern. Sie kritisierte, dass die Situation von Arbeitnehmern in körperlich belastenden Berufen ausgeblendet werde.

Ende der Rente mit 63

Die Kommission empfiehlt die Abschaffung der abschlagsfreien Rente mit 63 für besonders langjährig Versicherte nach 45 Beitragsjahren. Stattdessen soll die Altersgrenze für langjährig Versicherte nach 35 Jahren auf 64 Jahre angehoben werden.

Flankierend sehen die Experten eine Neuregelung der Altersteilzeit ab 58 vor. Das bisherige Blockmodell soll entfallen. Ein weiterer Streitpunkt: Minijobber sollen künftig voll in die Rentenversicherungspflicht einbezogen werden.

Der Handelsverband Deutschland warnte durch Hauptgeschäftsführer Genth vor massiven Jobverlusten im Einzelhandel. Hunderttausende Arbeitsplätze seien gefährdet. Gewerkschaftsvertreter werten die Einbeziehung dagegen als positiven Schritt zur Absicherung prekär Beschäftigter.

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Pflicht zur Kapitalrente

Zur Stabilisierung des Rentenniveaus schlägt die Kommission eine kapitalgedeckte Zusatzrente vor. Diese Pflichtversicherung soll durch einen paritätisch von Arbeitgebern und Arbeitnehmern finanzierten Zusatzbeitrag von zwei Prozent des Bruttolohns gedeckt werden.

Bis 2031 soll das Rentenniveau bei 48 Prozent stabilisiert werden. Danach würde ein Nachhaltigkeitsfaktor greifen, der die Rentensteigerungen dämpfen könnte. Arbeitgeberpräsident Dulger kritisierte die Mehrbelastung für Unternehmen scharf.

Er bezifferte die potenziellen Kosten auf rund 40 Milliarden Euro. Auch DIW-Ökonom Fratzscher äußerte Vorbehalte: Die Vorschläge seien zu vorsichtig und böten keine hinreichenden Lösungen gegen Altersarmut.

Ausbau zur Erwerbstätigenversicherung

Der Bericht empfiehlt zudem den schrittweisen Umbau der Rentenversicherung. Künftig sollen auch Selbstständige, Abgeordnete, Vorstände und perspektivisch Beamte einbezogen werden.

Arbeitsministerin Bas bezeichnete das Paket als Gesamtkunstwerk, das die Generationengerechtigkeit stärke. Die Senioren-Union und der BDI lobten die mutigen Schritte zur Sicherung der Finanzierbarkeit. Die Grünen mahnten dagegen an, dass die dauerhafte Stabilisierung des Rentenniveaus nicht vernachlässigt werden dürfe.

Die Bundesregierung will die Empfehlungen zeitnah prüfen. Noch vor der Sommerpause soll ein Reformpaket auf den Weg kommen.

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