Teil-ArbeitsunfÀhigkeit: Bundestag berÀt flexibles Modell ab 12. Juni
11.06.2026 - 02:39:43 | boerse-global.de
Das neue Modell erlaubt BeschĂ€ftigten trotz gesundheitlicher EinschrĂ€nkungen stundenweise an den Arbeitsplatz zurĂŒckzukehren. Die Bundesregierung verspricht sich davon eine Entlastung der Krankenkassen in Millionenhöhe.
Die Teil-ArbeitsunfĂ€higkeit ist KernstĂŒck des GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetzes. Am 12. Juni 2026 steht es zur ersten Lesung im Bundestag. Das Modell orientiert sich an skandinavischen Vorbildern und bricht mit der bisherigen strikten Trennung zwischen vollstĂ€ndiger ArbeitsfĂ€higkeit und kompletter Krankschreibung.
Die RĂŒckkehr an den Arbeitsplatz nach langer Krankheit erfordert eine sorgfĂ€ltige Planung, um den Arbeitserhalt rechtssicher zu gestalten. Dieser kostenlose Leitfaden zum Betrieblichen Eingliederungsmanagement zeigt Ihnen Schritt fĂŒr Schritt, wie Sie den Prozess optimal vorbereiten. VollstĂ€ndige BEM-Anleitung mit Muster-Betriebsvereinbarung kostenlos herunterladen
Flexible ArbeitsunfÀhigkeit in vier Stufen
Ărzte sollen kĂŒnftig eine ArbeitsunfĂ€higkeit in 25, 50 oder 75 Prozent attestieren können. Das gilt allerdings nur unter bestimmten Bedingungen: Der Arzt muss eine eingeschrĂ€nkte ArbeitsfĂ€higkeit feststellen, und der Arbeitnehmer muss sich selbst dazu in der Lage fĂŒhlen.
Die Regelung greift erst bei Erkrankungen, die lĂ€nger als vier Wochen andauern. Sie zielt damit auf Patienten in lĂ€ngerer Rekonvaleszenz oder mit chronischen Leiden. Psychische Erkrankungen gelten als hĂ€ufigster Auslöser fĂŒr BerufsunfĂ€higkeit â und ziehen oft langwierige Genesungsprozesse nach sich.
Arbeitgeber haben sieben Tage Zeit
FĂŒr die Umsetzung ist die Zustimmung des Arbeitgebers zwingend erforderlich. Unternehmen erhalten nach Vorlage des Ă€rztlichen Attests eine Frist von sieben Tagen, um die DurchfĂŒhrbarkeit zu prĂŒfen. Erst dann tritt die Regelung in Kraft.
Die finanziellen Auswirkungen sind erheblich. SchĂ€tzungen zufolge spart die Teil-ArbeitsunfĂ€higkeit bereits 2027 rund 40 Millionen Euro ein. Bis 2030 sollen die jĂ€hrlichen Einsparungen auf etwa 160 Millionen Euro steigen. Der Grund: FĂŒr den geleisteten Arbeitsanteil zahlt der Arbeitgeber wieder anteilig Lohn â das Krankengeld entfĂ€llt.
Ob Teilarbeit oder Vollzeit â aktuelle Urteile machen strukturierte Wiedereingliederungsprozesse fĂŒr Betriebe in Deutschland zur Pflicht. Erfahren Sie in diesem Experten-Ratgeber, wie ein rechtssicheres BEM in der Praxis funktioniert und wie Sie Stolperfallen vermeiden. Kostenlosen BEM-GesprĂ€chsleitfaden jetzt sichern
Teil der groĂen GKV-Reform
Die Teilkrankschreibung ist nur ein Baustein eines gröĂeren Pakets. Das Defizit der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) lag 2024 bei fast zehn Milliarden Euro. Bis 2027 droht ohne Gegensteuern eine DeckungslĂŒcke von 15 Milliarden Euro. Ab dem 1. Januar 2027 sind daher weitere Ănderungen geplant.
Eine ursprĂŒnglich diskutierte pauschale KĂŒrzung des Krankengeldes auf 65 Prozent strich das Kabinett Ende April 2026. Dennoch sieht der Entwurf VerschĂ€rfungen vor: Endet ein ArbeitsverhĂ€ltnis wĂ€hrend einer laufenden Erkrankung, sinkt das Krankengeld ab 2027 auf das Niveau des Arbeitslosengeldes I. Die Frist fĂŒr einen Reha-Antrag verkĂŒrzt sich von zehn auf vier Wochen.
ZusĂ€tzlich plant die Regierung eine einnahmenorientierte Ausgabenpolitik und strukturelle Anpassungen bei der Beitragsgestaltung. Ein Extra-Beitrag von 2,5 Prozent auf die Einnahmen von Mitgliedern fĂŒr bisher beitragsfrei mitversicherte Ehegatten ist ebenfalls vorgesehen. Die Verabschiedung des gesamten Pakets ist noch vor der Sommerpause 2026 geplant â damit die Umsetzung zum Jahresbeginn 2027 klappt.
