Textilgesetz, Bundeskabinett

Textilgesetz: Bundeskabinett beschließt 260-Millionen-Reformpaket

08.06.2026 - 23:26:12 | boerse-global.de

Der bvse kritisiert geplante EPR-Regeln für Textilien als existenzbedrohend für mittelständische Entsorger und fordert ein Wettbewerbsmodell.

Textilrecycling: Mittelstand warnt vor zu mächtigen Herstellerorganisationen
Textilgesetz - Eine stilisierte Grafik zeigt den Textilrecyclingprozess mit Zahnrädern, die Zusammenarbeit und Wettbewerb symbolisieren. 08.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

In einer Stellungnahme an Umweltminister Carsten Schneider kritisiert der Verband die Pläne für eine erweiterte Herstellerverantwortung (EPR) bei Textilien. Das Problem: Das aktuelle Eckpunktepapier räumt Organisationen für Herstellerverantwortung (OfH) zu viel Macht ein. Mittelständische Sammler, Sortierer und Verwerter fürchten um ihre Existenz.

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Wettbewerb statt Zentralisierung

Der bvse fordert ein kooperatives Wettbewerbsmodell. Als Blaupause dient die Stiftung EAR – sie koordiniert bereits die Entsorgung von Elektroaltgeräten. „Wir brauchen keine zentralisierten Organisationen, die gewachsene Strukturen ersetzen“, so der Verband. Ziel sei es, den Mittelstand in das neue System zu integrieren.

Doch die Zeit drängt. Das Bundeskabinett verabschiedete im Juni 2026 ein Aktionsprogramm zur Nationalen Kreislaufwirtschaftsstrategie (NKWS). Zwölf Maßnahmen sollen bis Ende 2027 umgesetzt werden. Kernstück: ein neues nationales Textilgesetz. Die Bundesregierung stellt dafür 260 Millionen Euro aus dem Klima- und Transformationsfonds bereit – bis 2029.

Kritik von allen Seiten

Trotz der Millionen-Zusage bleibt die Branche skeptisch. bvse-Hauptgeschäftsführer Eric Rehbock spricht von einem „Aktionsprogramm, das hinter den Erwartungen zurückbleibt“. Konkret fehlen verbindliche Vorgaben für den Einsatz von Sekundärrohstoffen. Der Verband fordert klare Zielwerte und ein wirksames Monitoring – besonders bei der öffentlichen Beschaffung.

Auch Umweltverbände sehen Nachbesserungsbedarf. BUND, NABU und WWF kritisieren, dass das Programm keine Maßnahmen zur Senkung des absoluten Rohstoffverbrauchs vorsieht.

EU-Vorgaben setzen Unternehmen unter Druck

Die Debatte ist kein Einzelfall. Die EU verschärft ihre Umweltauflagen rasant. Bereits am 12. August 2026 müssen Unternehmen in Deutschland erste Pflichten der EU-Verpackungsverordnung (PPWR) erfüllen – inklusive Konformitätserklärungen zur Recyclingfähigkeit. Branchenallianzen drängen auf schnelle Umsetzung: Nur so entsteht Planungssicherheit für Investitionen in Recyclingkapazitäten.

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Und es kommt noch dicker. Am 27. September 2026 treten strengere EU-Regeln gegen Greenwashing in Kraft. Umweltbegriffe auf Verpackungen müssen dann präzise belegt werden. Der Markenverband warnt bereits vor Produktvernichtungen, wenn Verpackungen nicht mehr den Anforderungen entsprechen. Erste Handelsketten fordern schon jetzt von ihren Lieferanten angepasste Verpackungen – ab Juni 2026.

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