Deutschland, Konjunktur

Kieler Institut bleibt bei Wachstumsprognose fĂŒr Deutschland

11.06.2026 - 12:25:28 | dpa.de

Trotz Iran-Krieg hĂ€lt das IfW an seiner Prognose fest – doch steigende Rohstoffpreise und schwache Exporte bremsen die Hoffnung auf ein krĂ€ftiges Comeback der deutschen Wirtschaft.

IfW-PrÀsident Moritz Schularick verweist auf die Folgen des Iran-Krieges. (Archivbild) - Bild: Frank Molter/dpa
IfW-PrÀsident Moritz Schularick verweist auf die Folgen des Iran-Krieges. (Archivbild) - Bild: Frank Molter/dpa

Das Kiel Institut fĂŒr Weltwirtschaft (IfW) bleibt trotz der Auswirkungen des Krieges im Nahen Osten bei seiner Konjunkturprognose fĂŒr die deutsche Wirtschaft. Die Experten rechnen im laufenden Jahr weiterhin mit einem Anstieg des Bruttoinlandsprodukts um 0,8 Prozent, wie das Institut mitteilte. FĂŒr 2027 haben die Experten ihre Prognose aber von zuvor 1,4 auf nun 1,0 Prozent gestutzt. 

«Die Folgen des Iran-Kriegs dĂ€mpfen die Wirtschaftsleistung», sagte IfW-PrĂ€sident Moritz Schularick. «Der Anstieg der Rohstoffpreise erweist sich als persistenter, was die wirtschaftliche Dynamik bis in das kommende Jahr hinein belasten wird.» Zu einer Ă€hnlichen EinschĂ€tzung kommt auch das Leibniz-Institut fĂŒr Wirtschaftsforschung Halle (IWH).

Wirtschaftliche Dynamik gebremst

Laut Sommerprognose des Instituts in Kiel sorgt einerseits zwar die Finanzpolitik fĂŒr expansive Impulse, die Folgen des Iran-Krieges bremsen aber die wirtschaftliche Dynamik. WĂ€hrend bislang kaum Anzeichen fĂŒr eine krĂ€ftige Erholung bei Exporten und Unternehmensinvestitionen erkennbar seien, wie sie fĂŒr frĂŒhere Erholungsphasen charakteristisch gewesen seien, dĂŒrften vor allem öffentliche Konsum- und Investitionsausgaben anziehen. Dagegen gehen die Experten weiterhin von wenig Investitionen der Wirtschaft und deutlich eingetrĂŒbten BeschĂ€ftigungsperspektiven aus.

Zwar hĂ€tten sich die Exporte der deutschen Wirtschaft zuletzt stabilisiert, schreibt das Institut. Von einer dynamischen Erholung könne nach den RĂŒckgĂ€ngen der vergangenen Jahre aber nach wie vor keine Rede sein.

«Die nachlassende WettbewerbsfĂ€higkeit der deutschen Wirtschaft wird weitere Verluste an Weltmarktanteilen nach sich ziehen», sagte der Konjunkturexperte Stefan Kooths. «Gemessen an frĂŒheren AufschwĂŒngen fallen die erwarteten ZuwĂ€chse mager aus. Ohne durchgreifende standortstĂ€rkende Reformen driftet die deutsche Wirtschaft in ein Fahrwasser aus erlahmenden WachstumskrĂ€ften mit sich verschĂ€rfenden Verteilungskonflikten.»

Auch IWH sieht Iran-Krieg als Bremse

Ob die deutsche Wirtschaft in den kommenden Monaten wieder Fahrt aufnimmt, hĂ€ngt auch nach EinschĂ€tzung des IWH maßgeblich vom Konflikt im Golfraum ab. Bleibt die Lage dort angespannt und steigen die Energiepreise weiter, könnte die Wirtschaftsleistung 2026 schlimmstenfalls stagnieren. «Das wesentliche Risiko fĂŒr die Weltwirtschaft wie auch fĂŒr die deutsche Konjunktur liegt im ungewissen Fortgang des Golfkonflikts», sagte IWH-VizeprĂ€sident Oliver Holtemöller bei der Vorstellung der Konjunkturprognose in Halle. 

In ihrer Prognose gehen die Forscher dagegen davon aus, dass sich die Lage entspannt. FĂŒr 2026 und 2027 rechnen sie in diesem Fall jeweils mit einem Wachstum von 0,9 Prozent. 

Energiepreise belasten Unternehmen und Verbraucher

Der Konflikt im Golfraum hat nach EinschĂ€tzung der Forscher die Energiepreise bereits deutlich steigen lassen. Das verteuere die Produktion vieler Unternehmen und belaste zugleich die Kaufkraft privater Haushalte. Dass die Konjunktur dennoch nicht einzubrechen drohe, liege auch an staatlichen Ausgaben- und Investitionsprogrammen. Zudem rechnen die Forscher damit, dass die Exporte nach drei Jahren RĂŒckgang wieder leicht zulegen. Auch die privaten Konsumausgaben dĂŒrften steigen.

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