Urlaubsgeld, Arbeitnehmer

Urlaubsgeld: Nur 44% der Arbeitnehmer erhalten Sonderzahlung

16.06.2026 - 09:21:22 | boerse-global.de

WSI-Studie zeigt: Tarifbindung entscheidet über Urlaubsgeld. Westdeutsche und Männer erhalten häufiger die Sonderzahlung.

Urlaubsgeld 2026: Nur 44% der Beschäftigten profitieren
Urlaubsgeld - Menschen in zwei separaten Schlangen, die das Gefälle bei der Auszahlung von Urlaubsgeld und Tarifbindung symbolisieren. 16.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Eine aktuelle Untersuchung des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung zeigt: Lediglich 44 Prozent der Arbeitnehmer erhalten eine zusätzliche Urlaubsvergütung. Die Studie basiert auf einer Befragung von rund 50.000 Personen.

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Tarifbindung macht den Unterschied

Der entscheidende Faktor für die Sonderzahlung ist der Tarifvertrag. In tarifgebundenen Unternehmen profitieren 73 Prozent der Angestellten vom Urlaubsgeld. In Betrieben ohne Tarifvertrag sind es nur 35 Prozent.

Das Problem: Die Tarifbindung sinkt seit Jahren. Lag sie in den 1990ern noch bei rund 80 Prozent, sind es heute nur noch 49 Prozent (Daten des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung).

Auch regional gibt es große Unterschiede. Im Westen erhalten 46 Prozent der Beschäftigten Urlaubsgeld, im Osten nur 33 Prozent. Und: Männer liegen mit 49 Prozent deutlich vor den Frauen (38 Prozent). Der öffentliche Dienst zahlt seit 2005 kein gesondertes Urlaubsgeld mehr.

Von 186 bis 2.904 Euro – die Spannweite ist enorm

Die Höhe des Urlaubsgeldes variiert je nach Branche gewaltig. Das Spektrum reicht von 186 Euro in der Landwirtschaft in Mecklenburg-Vorpommern bis zu 2.904 Euro im Bereich Holz und Kunststoff in Westfalen-Lippe.

Eine wichtige Klarstellung kommt vom Arbeitsgericht Berlin: Urlaubsgeld und Jahressonderzahlungen dürfen nicht auf den gesetzlichen Mindestlohn angerechnet werden. Die Begründung: Diese Zahlungen dienen nicht der Vergütung normaler Arbeitsleistung. Eine entsprechende Änderungskündigung zur Verrechnung ist unwirksam.

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Was die Österreicher mit dem Geld machen

Ein Blick ins Nachbarland zeigt, wohin das Urlaubsgeld fließt. Laut einer Deloitte-Umfrage unter 500 Personen planen sieben von zehn Österreichern im Sommer 2026 eine Reise. Das durchschnittliche Budget liegt bei 1.300 Euro pro Person – rund 200 Euro weniger als im Vorjahr.

Die Hälfte der Befragten nutzt das Urlaubsgeld direkt für die Reisekasse. Ein Viertel verwendet die Sonderzahlung jedoch für laufende Alltagsausgaben. Etwa 20 Prozent wollen ihre Ausgaben am Urlaubsort reduzieren.

Politische Flankierung: Arbeitszeit und Rente

Parallel zur Urlaubsgeld-Debatte gibt es Bewegung bei anderen Arbeitnehmerthemen. Die Unionsfraktion fordert eine Reform der Arbeitszeitregeln – weg von der täglichen, hin zur wöchentlichen Höchstarbeitszeit. SPD und DGB warnen vor einer Aufweichung von Schutzrechten und verweisen auf EU-Recht und Ruhezeiten.

Die Linke brachte einen Gesetzentwurf zur Stärkung der Betriebsrenten ein. Ziel: Die gesetzliche Rentenversicherung für betriebliche Modelle öffnen, um besonders in kleinen und mittleren Unternehmen die Absicherung zu erhöhen. Die Rentenkommission will am 23. Juni weitere Ergebnisse vorlegen.

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