Verpackungsverordnung, Pflichten

Verpackungsverordnung: Neue Pflichten für Händler ab August

19.06.2026 - 14:54:25 | boerse-global.de

Die EU-Verpackungsverordnung bringt ab August umfangreiche Compliance-Pflichten. KI-Lösungen und Tracking-Systeme sollen Unternehmen bei der Umsetzung unterstützen.

PPWR ab August: Neue Pflichten und KI-Tools für Unternehmen
Verpackungsverordnung - Ein abstraktes digitales Netzwerk mit leuchtenden Knotenpunkten über Verpackungsmaterialien und Fabriksilhouetten, das Technologie und Nachhaltigkeit darstellt. 19.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Die europäische Verpackungsverordnung (PPWR) kommt Mitte August – und mit ihr eine Welle neuer Pflichten für Hersteller, Händler und Online-Marktplätze. Gleichzeitig drängen immer mehr Softwarelösungen auf den Markt, die Unternehmen bei der Bewältigung der komplexen Compliance-Anforderungen helfen sollen.

KI-gestützte Vertragsanalyse und Lieferketten-Steuerung

Die SBC Systems GmbH hat ihre Plattform LEGANTA als Enterprise Intelligence- und Simulationslösung neu ausgerichtet. Das System erfasst Informationen aus Verträgen automatisiert und macht sie für Compliance, Finanzwesen, Risikomanagement und ESG-Kennzahlen nutzbar. Zusammen mit dem Partner top.legal simuliert die Software Cashflows, Bilanzwirkungen und CO?-Effekte.

Anzeige: Wer die neuen PPWR-Pflichten ab August ignoriert, riskiert Vertriebsverbote für Eigenmarken und teure Compliance-Lücken. Dieser Report liefert die wichtigsten Hebel – von der EPR-Registrierung bis zum KI-Tool-Vergleich. Jetzt kostenlosen Report anfordern

Konkrete Anwendungsfälle? Die Automatisierung von IFRS-16-Prozessen mit SAP-Anbindung und die Ermittlung von Compliance-Kennzahlen für die NIS2-Richtlinie.

Auch die Deutsche Telekom treibt ihre KI-Offensive voran. Die Tochter T-Systems ist eine strategische Partnerschaft mit SupplyOn eingegangen. Ziel: eine KI-Plattform für Lieferketten auf Basis der Industrial AI Cloud. In einem Münchner Rechenzentrum arbeiten seit Februar über 10.000 Prozessoren daran, datengestützte Beschaffungsprozesse zu optimieren.

Verpackungsgesetz: Neue Pflichten ab August

Der Bundestag hat am 11. Juni das Verpackungsrecht-Durchführungsgesetz (VerpackDG) verabschiedet. Es setzt die Vorgaben der europäischen PPWR in nationales Recht um. Kernpunkt: die sogenannte Ökomodulierung. Recyclingfähige Verpackungen mit hohem Rezyklatanteil werden durch geringere Lizenzentgelte belohnt. Die EU-weiten Vorgaben treten am 12. August in Kraft.

In der Branche brodelt es. Viele Händler drängen ihre Eigenmarkenlieferanten dazu, die Pflichten als Erzeuger im Sinne der PPWR zu übernehmen. Warum? Sie wollen Vertriebsverbote nach dem Stichtag vermeiden.

Online-Marktplätze wie Amazon, Allegro oder Kaufland müssen ab August die EPR-Registrierungsnummern ihrer Händler für jedes Zielland prüfen. In Deutschland läuft das über das LUCID-Register.

Vernichtungsverbot für Mode kommt noch früher

Schon am 19. Juli tritt ein EU-weites Vernichtungsverbot für unverkaufte Bekleidung, Schuhe und Accessoires in Kraft. Die Regelung der EU-Ökodesign-Verordnung betrifft zunächst große Unternehmen. Ab Sommer 2030 wird sie auf mittelgroße Betriebe ausgeweitet.

Tracking per Bluetooth und RFID

Um Mehrwegsysteme effizienter zu machen, setzen Unternehmen zunehmend auf digitale Lösungen. Das IFCO-Ausgründung TRLLN hat eine Tracking-as-a-Service-Lösung vorgestellt. Bluetooth-LE-Etiketten und künstliche Intelligenz sollen Verluste in globalen Lieferketten reduzieren.

Einen ähnlichen Ansatz verfolgt die Plöckl Media Group mit einem speziellen RFID-Label. Die Technik soll Verluste bei Mehrweg-Flaschenkästen um bis zu 60 Prozent senken und Leerfahrten reduzieren.

Papierbasierte Luftpolsterfolie: EU-Flaggschiffprojekt gestartet

Mitte Juni ist das EU-Projekt Biowrap gestartet. Koordiniert von der Papair GmbH aus Hannover, soll bis Mai 2031 eine industrielle Produktion für recyclingfähige, papierbasierte Luftpolsterfolie aufgebaut werden. Das Budget: 19,4 Millionen Euro. Geplant ist eine Produktionsanlage in Niedersachsen, die eine CO?-Reduktion von bis zu 50 Prozent pro Quadratmeter Material erreichen soll.

Anzeige: Online-Marktplätze müssen ab August die EPR-Registrierungsnummern ihrer Händler für jedes Zielland prüfen – sonst drohen Sanktionen. Unser Leitfaden zeigt Schritt für Schritt, wie Sie die Prüfpflichten effizient umsetzen und Händler rechtzeitig einbinden. EPR-Prüfleitfaden jetzt sichern

Licht am Horizont: Weniger Bürokratie ab 2027

Trotz des steigenden Regulierungsdrucks stellt die EU-Kommission Entlastungen in Aussicht. Mitte Juni wurden Entwürfe für überarbeitete europäische Nachhaltigkeitsberichterstattungsstandards (ESRS) vorgelegt. Ziel: die Berichtskosten ab 2027 um mehr als 30 Prozent senken, indem die Anzahl der verpflichtend zu meldenden Datenpunkte reduziert wird.

Branchenbefragungen zeigen: Eine große Mehrheit der institutionellen Akteure fordert praktikablere ESG-Regulierung. Der Druck auf die Unternehmen bleibt dennoch hoch – die neuen Tools kommen gerade rechtzeitig.

de | wirtschaft | 69582700 |