Volkswagen-Krise: Aufsichtsrat entscheidet 9. Juli über 100.000 Stellen
28.06.2026 - 00:09:16 | boerse-global.de
Während Mercedes-Benz Sonderzahlungen für 90.000 Beschäftigte verschiebt, geistern bei Volkswagen Gerüchte über Werksschließungen durch die Belegschaft. Parallel dazu entzündet eine Rentenkommission mit ihrem Vorschlag, das Renteneintrittsalter Richtung 70 zu schieben, eine Grundsatzdebatte.
Mercedes-Benz: 18,4 Prozent Sonderzahlung erst 2027
Mercedes-Benz hat einen verschärften Sparkurs eingeleitet. Rund 90.000 tariflich Beschäftigte in Deutschland müssen auf eine wichtige Zusatzzahlung warten: Der sogenannte Transformationsbaustein in Höhe von 18,4 Prozent eines Monatsentgelts wird nicht wie geplant im Juli 2026 ausgezahlt, sondern erst im Jahr 2027.
Das Management begründet den Schritt mit nicht wettbewerbsfähigen Arbeitskosten. Der Gesamtbetriebsrat kritisierte die Entscheidung als einseitig – räumte aber ein, dass die Verschiebung tarifvertraglich möglich ist.
Die wirtschaftliche Lage des Konzerns hat sich zuletzt deutlich eingetrübt. Das Konzernergebnis sank im ersten Quartal 2026 um 17,2 Prozent. Bereits 2025 war der Gewinn von 10,4 Milliarden Euro auf 5,3 Milliarden Euro eingebrochen.
Zusätzliches Konfliktpotenzial birgt eine Forderung von Aufsichtsratschef Brudermüller. Er will die 40-Stunden-Woche einführen – aktuell gilt bei Mercedes die 35-Stunden-Woche. Betriebsratschef Ergun Lümali lehnt eine Arbeitszeitverlängerung ohne Lohnausgleich entschieden ab. Konkrete Verhandlungen stehen noch aus, die Zuständigkeit liegt bei der IG Metall und dem Arbeitgeberverband.
Volkswagen: 100.000 Stellen weg? Entscheidung am 9. Juli
Noch brisanter ist die Lage bei Volkswagen. Berichte über den möglichen Wegfall von bis zu 100.000 Stellen weltweit und die Schließung von vier deutschen Werken sorgen für massive Unruhe in der Belegschaft.
Die IG Metall und der VW-Betriebsrat wiesen die Spekulationen als unverantwortliche Drohungen zurück. Sie kündigten an, solche Pläne mit allen Mitteln zu verhindern.
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Eine Klärung wird für den 9. Juli 2026 erwartet. Dann berät der Aufsichtsrat über die künftige Strategie. Die Arbeitnehmervertreter haben in diesem Gremium die Mehrheit – und betonten bereits, dass Angriffe auf das VW-Gesetz und die Mitbestimmung nicht akzeptiert würden.
Rentenkommission: Rente mit 63 abschaffen, Alter Richtung 70
Flankiert werden die betrieblichen Konflikte durch eine Grundsatzdebatte über die Altersvorsorge. Eine Rentenkommission übergab am 23. Juni 2026 insgesamt 33 Empfehlungen an die Bundesregierung.
Die Kernpunkte: Das Renteneintrittsalter soll schrittweise in Abhängigkeit von der Lebenserwartung steigen – perspektivisch Richtung 70 Jahre. Die „Rente mit 63“ soll abgeschafft werden. Zudem ist eine verpflichtende kapitalgedeckte Zusatzrente von zwei Prozent des Bruttolohns geplant.
Wirtschaftsvertreter lobten die Vorschläge. Von Gewerkschaftsseite kam scharfe Kritik. Der DGB legte am 26. Juni ein Gegenkonzept vor: Das Rentenniveau soll von 48 auf 53 Prozent steigen, finanziert durch höhere Beiträge und Steuerzuschüsse auf hohe Einkommen und Vermögen – ohne das Rentenalter zu erhöhen.
Experten warnen unterdessen vor steigenden Lohnnebenkosten durch beide Reformmodelle.
BAG-Urteile: Klarheit bei Massenentlassungen
In der Rechtsprechung sorgten zwei Urteile des Bundesarbeitsgerichts für Aufmerksamkeit. Am 1. April 2026 stellte das Gericht fest: Kündigungen ohne wirksame Massenentlassungsanzeige sind unwirksam.
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Am 25. Juni präzisierte es die Anforderungen: Geringfügige Fehler in der Anzeige führen nicht zwangsläufig zur Unwirksamkeit – sofern sie die Vermittlungsbemühungen der Agentur für Arbeit nicht behindern.
Galeria: 160 Millionen Euro – aber 30 Filialen wackeln
Im Einzelhandel erhielt die Warenhauskette Galeria am 26. Juni einen neuen Kredit. Der Finanzdienstleister Gordon Brothers gewährt bis zu 160 Millionen Euro zur Sanierung außerhalb eines Insolvenzverfahrens.
Doch Fachleute schätzen die Lage weiterhin als schwierig ein. Rund 30 der verbliebenen 83 Filialen gelten als gefährdet. Die Gewerkschaft Verdi kritisierte die anhaltende Belastung für die Beschäftigten durch die unsichere Zukunft des Unternehmens.
