Mehr Fleisch aus besserer Haltung in den SupermÀrkten
16.01.2025 - 15:30:32 | dpa.deAm KĂŒhlregal im Supermarkt schauen die meisten natĂŒrlich auf den Preis. Auf vielen Fleischpackungen gibt es aber lĂ€ngst auch Etiketten zu den Haltungsbedingungen der Tiere. Das soll Klarheit schaffen, wenn Kunden auf mehr Tierwohl achten wollen. Und nach der Kennzeichnung des Handels ging der Anteil von Fleisch jetzt weiter zurĂŒck, das aus StĂ€llen nur mit den gesetzlichen Mindestanforderungen stammt. Im Sommer kommt noch ein verpflichtendes staatliches Logo dazu, die nĂ€chsten Schritte sind aber offen.
Bei Kasseler, Koteletts und Co. setzt sich eine Bewegung in Richtung bessere Tierhaltungsbedingungen fort, wie die TrĂ€gergesellschaft des Handelssystems zur Agrarmesse GrĂŒne Woche in Berlin mitteilte. Bei Schweinefleisch aus dem SB-Regal kamen nach neuen Daten fĂŒr 2023 noch 1,5 Prozent aus der untersten Stufe 1 - nach 7,1 Prozent 2022 und 22 Prozent 2021. Von Puten und HĂ€hnchen gab es im KĂŒhlregal nun gar kein Fleisch der untersten Haltungsform mehr.
Noch viel Rindfleisch aus unterster Haltungsform
Bei Rindfleisch aus dem KĂŒhlregal stammen allerdings noch mehr als drei Viertel aus Stufe 1. Der Anteil sank von 77 Prozent 2022 auf 75,6 Prozent 2023. Die Angaben beziehen sich auf Frischfleisch und Zubereitungen wie Hackfleisch der Eigenmarken des Handels, die einen GroĂteil des Angebots ausmachen.
Die Einstufung gehört zu der 2019 gestarteten «Haltungsform»-Kennzeichnung der Supermarktketten fĂŒr Fleisch und verarbeitete Produkte von Schwein, Rind und GeflĂŒgel. Sie hat auf den Etiketten bisher die Zahlen 1 bis 4 fĂŒr vier Stufen mit wachsenden Anforderungen an die Tierhaltung. Das freiwillige System wird gerade auf fĂŒnf Stufen umgestellt, um sich an das staatliche Logo anzugleichen.
AufschlĂ€ge fĂŒr die Bauern fĂŒr mehr Tierwohl
Hintergrund der Verschiebungen bei den Haltungsform-Stufen sei eine zunehmende Umstellung auf das Programm der «Initiative Tierwohl», erlĂ€uterte die TrĂ€gergesellschaft. Die von Landwirtschaft, Fleischbranche und Handel getragene Initiative besteht seit zehn Jahren und organisiert fĂŒr jetzt 14.000 teilnehmende Betriebe PreisaufschlĂ€ge fĂŒr zusĂ€tzliche Tierwohlanforderungen. Abgedeckt werden bei Rindern 20 Prozent des Marktes, bei Schweinen gut 60 Prozent, bei GeflĂŒgel 90 Prozent. GeschĂ€ftsfĂŒhrer Alexander Hinrichs sagte, die Initiative setze seit Beginn auf Breitenwirksamkeit, das mache sie unverzichtbar.
In den SB-Regalen dominiert demnach nun - auĂer bei Rindfleisch - die Stufe 2 mit etwas höheren Anforderungen an Platz und BeschĂ€ftigungsmaterial. Bei Schweinefleisch stieg ihr Anteil binnen Jahresfrist von 84,9 Prozent auf 90,5 Prozent. Die höheren Stufen 3 und 4 legten auf 2,6 Prozent und 5,1 Prozent zu. Bei HĂ€hnchenfleisch sind 89,8 Prozent in Stufe 2 und jeweils rund 5 Prozent in den Stufen 3 und 4. Bei Rindfleisch stieg der Anteil der Stufe 3 von 1,2 Prozent auf 5,6 Prozent. Zudem stammen nun 14,4 Prozent aus der höchsten Stufe 4.
Staatliches Logo in Sicht
ZusĂ€tzlich soll bald das staatliche Logo auf Packungen zu sehen sein, jedoch zunĂ€chst nur fĂŒr Schweinefleisch. Nach einem Gesetz der Ampel-Koalition wird die Kennzeichnung ab August fĂŒr inlĂ€ndische Erzeugnisse Pflicht. Sie hat ein System mit fĂŒnf Kategorien, wenn Ferkel in die Mast kommen - beginnend mit der Haltungsform «Stall» mit den gesetzlichen Mindestanforderungen. Die Stufe «Stall+Platz» gibt 12,5 Prozent mehr Platz vor, «Frischluftstall» Kontakt zu AuĂenklima. Dazu kommen noch die Stufen «Auslauf/Weide» und «Bio».
Nach dem Ampel-Aus ist die von Bundesagrarminister Cem Ăzdemir eigentlich angestrebte Ausweitung auf andere Tierarten und auch noch auf Restaurants und Kantinen aber ungewiss. Wer immer sein Amt nach der Bundestagswahl ĂŒbernehme, sei gut beraten, diesen Weg fortzusetzen, warb der GrĂŒnen-Politiker bei einem Vorabbesuch auf dem MessegelĂ€nde. Die Vorarbeiten seien gemacht. Ob die kĂŒnftige Regierung sie aufgreift, muss sich aber erst zeigen.Â
Ăzdemir sagte, das Logo stĂ€rke die «Verbrauchermacht», weil diese durch ihr Einkaufsverhalten Einfluss auf die Tierhaltung nehmen könnten. Es stĂ€rke auch die Landwirte, wenn man sehe, was sie fĂŒr eine artgerechtere Haltung tun. Die AuĂer-Haus-Verpflegung mit groĂer Nachfrage wĂ€re da «ein Game-Changer». Offen ist aber auch noch eine breite und langfristig sichere Finanzierung fĂŒr den Umbau von StĂ€llen, damit Höfe nicht allein auf Milliardenkosten sitzen bleiben.
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