Wohnungsbau 2026: Nur 211.000 Einheiten statt 400.000 geplant
17.06.2026 - 16:41:09 | boerse-global.de
Eine aktuelle Analyse des Immobiliendienstleisters JLL zeigt: JĂ€hrlich entstehen rund 50.000 neue Wohnungen in Regionen mit stagnierender oder sinkender Nachfrage. In den acht gröĂten deutschen StĂ€dten werden nur 42 neue Wohnungen pro 10.000 Bestandseinheiten gebaut â der Bedarf liegt bei 62. In lĂ€ndlichen RĂ€umen ist die Quote mit 41 Einheiten fast genauso hoch, obwohl der tatsĂ€chliche Bedarf nur 23 betrĂ€gt.
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Fertigstellungszahlen auf Tiefstand
Die Prognosen fĂŒr 2026 sind dĂŒster: Nur etwa 211.000 Wohnungen werden voraussichtlich fertiggestellt. Das politische Ziel von 400.000 Einheiten pro Jahr bleibt damit in weiter Ferne. Bereits 2025 markierten 206.600 fertiggestellte Wohnungen den niedrigsten Stand seit 2012. Das jĂ€hrliche Neubaudefizit liegt laut Marktexperten bei rund 80.000 Einheiten.
Die Zinspolitik der EuropÀischen Zentralbank verschÀrft die Lage zusÀtzlich. Am 16. Juni erhöhte die EZB den Leitzins erstmals seit 2023 von 2,0 auf 2,25 Prozent. Grund ist die Inflation, die von 1,7 Prozent im Januar auf 3,2 Prozent im Mai gestiegen war. Branchenkenner erwarten nun einen Anstieg der Bauzinsen um bis zu 0,5 Prozentpunkte.
Hinzu kommen Rekordniveau bei den Baukosten und geopolitische Spannungen wie der Iran-Krieg. Die Folge: 46 Prozent der Befragten halten Immobilien einer aktuellen Umfrage zufolge fĂŒr kaum noch leistbar.
VerbÀnde fordern staatliche Hilfen
IG BAU, ZDB und HDB legenen heute ein gemeinsames Positionspapier vor. Ihre zentralen Forderungen: bessere KfW-Förderprogramme, Sonderabschreibungen fĂŒr den Mietwohnungsbau und FreibetrĂ€ge bei der Grunderwerbsteuer. Besonders fĂŒr die 453.000 bereits genehmigten, aber noch nicht begonnenen Wohnungen brauche es Sonderkonditionen.
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Auch der Nationale Normenkontrollrat spricht sich fĂŒr Vereinfachungen aus. Eine Unterteilung von DIN-Normen in verschiedene Leistungsstufen könnte die Baukosten um bis zu zehn Prozent senken. Die EU-Kommission mahnt ebenfalls Reformen an â kritisiert werden komplexe Verfahren und mangelnde Digitalisierung der Bauverwaltung. Die Investitionen im Wohnungsbau seien 2025 das fĂŒnfte Jahr in Folge gesunken, ein RĂŒckgang von 20 Prozent seit 2020.
Sozialwohnungen: Mehr Verlust als Neubau
Besonders dramatisch ist die Lage im sozialen Wohnungsbau. 2025 wurden zwar 27.283 neue Mieteinheiten gefördert, doch gleichzeitig fielen 57.621 Wohnungen aus der Preisbindung. Unterm Strich gab es Ende 2025 rund 20.000 Sozialwohnungen weniger als im Vorjahr.
Flankiert wird die Krise von politischen Konflikten. Die bayerische Staatsregierung droht mit einer Verfassungsklage gegen die in Berlin geplanten Vergesellschaftungen von Wohnungsunternehmen. Ein entsprechendes Rahmengesetz des Berliner Senats sieht EntschĂ€digungen vor â aus bayerischer Sicht verfassungswidrig niedrig.
Ein neues Bundesförderprogramm zur Umwandlung von Gewerbeimmobilien in Wohnraum startete im Juni. Es gibt ZuschĂŒsse von bis zu 30.000 Euro je Wohneinheit. Doch Experten bezweifeln die Breitenwirkung: Die tatsĂ€chlichen Umnutzungskosten liegen je nach Standort zwischen 900 und 4.500 Euro pro Quadratmeter. Die staatliche Förderung deckt oft nur einen Bruchteil der Investitionen.
