Abnehmen durch Sport: Nur 14 Prozent haben laut Genetik gute Voraussetzungen
Veröffentlicht am: 05.10.2026 um 07:52 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Darmkuren zur Förderung der Gesundheit und Unterstützung beim Abnehmen erfreuen sich wachsender Beliebtheit, insbesondere bei Frauen. Versprechungen über eine grundlegende Sanierung der Darmflora und rasche Diäterfolge prägen den Markt. Wissenschaftliche Einordnungen dämpfen jedoch überzogene Erwartungen an pauschale Kuren.
Wie der Genforscher Dr. Daniel Wallerstorfer von NovoDaily laut einem Bericht vom 5. Oktober 2026 darlegt, zeigen Darmkuren bei Personen, deren Mikrobiom ohnehin bereits vorteilhaft zusammengesetzt ist, kaum messbare Effekte. Die tatsächlichen Mechanismen des Gewichtsverlusts hängen vielmehr eng mit der individuellen bakteriellen Besiedlung und genetischen Voraussetzungen zusammen.
Das Verhältnis von Firmicutes und Bacteroidetes
Ein zentraler Faktor für das Körpergewicht ist die Beschaffenheit der Darmflora. Nach Angaben von Wallerstorfer bestimmt vor allem das Mengenverhältnis zwischen den Bakterienstämmen Firmicutes und Bacteroidetes, wie intensiv der Körper die zugeführte Nahrung verwertet. Bestimmte Bakterienarten können unverdauliche Ballaststoffe aufspalten und dem Organismus zusätzliche Energie zuführen.
Dies führe dazu, dass identische Mahlzeiten bei verschiedenen Menschen höchst unterschiedlich zu Buche schlagen. Wallerstorfer verdeutlicht diesen Mechanismus an einem Beispiel: Bei einem identischen Gericht mit einem Nährwert von 500 Kalorien nehme eine Person aufgrund ihres spezifischen Mikrobioms etwa 550 Kalorien auf, während eine andere Person bei derselben Mahlzeit lediglich 480 Kalorien verwerte. Eine pauschale Darmkur könne diese tief sitzenden mikrobiellen Strukturen nicht ohne Weiteres im Sinne einer Gewichtsreduktion umprogrammieren.
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Genetische Hürden bei Fettresorption und Bewegung
Neben der bakteriellen Zusammensetzung im Darm beeinflussen erbliche Faktoren den Stoffwechsel maßgeblich. Laut Wallerstorfer tragen rund 58 Prozent der Menschen eine Variante des Gens FABP2 in sich, die eine besonders schnelle und vollständige Resorption von Nahrungsfetten bewirkt. Personen mit dieser Ausprägung nehmen Fette aus der Nahrung somit effizienter auf als andere.
Auch der Beitrag von Sport zur Gewichtsabnahme wird durch das Erbgut bestimmt. Lediglich 14 Prozent der Bevölkerung verfügen nach Daten von Wallerstorfer über eine genetisch günstige Veranlagung für den Fettabbau durch körperliche Aktivität, gesteuert über die Gene PPARG, FTO und ADRB3. Für die verbleibenden 86 Prozent der Bevölkerung bringe Bewegung im Hinblick auf die reine Gewichtsreduktion hingegen deutlich weniger Erfolg als gemeinhin angenommen.
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Hormonelle Steuerung des Hungergefühls
Zusätzlich wirken sich genetische Faktoren auf das Sättigungsempfinden aus. Varianten des FTO-Gens können laut Wallerstorfer ein dauerhaft verstärktes Hungergefühl auslösen. Zusammen mit Schwankungen der Hormone Leptin und Ghrelin, die Appetit und Sättigung im Gehirn regulieren, begünstigen diese biologischen Mechanismen das Auftreten des bekannten Jojo-Effekts nach Diäten.
Die Analysen verdeutlichen, dass standardisierte Darmkuren die komplexen Wechselwirkungen aus Genetik, Hormonhaushalt und mikrobieller Energieverwertung kaum auflösen können. Ob und wie stark eine Maßnahme zur Gewichtsreduktion anschlägt, bleibt maßgeblich von den individuellen biologischen Voraussetzungen abhängig.
