Abnehmspritzen, Studie

Abnehmspritzen bei Kindern: Studie findet bei 16,88 Prozent NÀhrstoffmÀngel

Veröffentlicht am: 28.10.2026 um 16:24 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Bei jungen GLP-1-Anwendern traten hÀufig NÀhrstoffdefizite auf; dokumentierte ErnÀhrungstherapie blieb selten.
Eine Schale mit frischem GemĂŒse und Obst auf einer hellen Arbeitsplatte, die eine gesunde ErnĂ€hrung symbolisiert. Illustration mit AI erstellt.

Der zunehmende Einsatz von sogenannten Abnehmspritzen bei MinderjĂ€hrigen stĂ¶ĂŸt in der pĂ€diatrischen Fachwelt auf erhebliche Bedenken. Eine KinderĂ€rztin warnt vor der Verabreichung dieser PrĂ€parate an Kinder, wenn nicht gleichzeitig eine fundierte ErnĂ€hrungsumstellung und regelmĂ€ĂŸige Bewegung etabliert werden.

Ohne eine grundlegende VerhaltensÀnderung drohen gravierende Risiken wie ein Abbau von Muskelmasse, NÀhrstoffmÀngel sowie eine erneute Gewichtszunahme unmittelbar nach dem Absetzen der Medikation.

NĂ€hrstoffdefizite und unzureichende Begleittherapie

Die Vorbehalte gegenĂŒber einer medikamentösen Monotherapie werden durch wissenschaftliche Erhebungen gestĂŒtzt. Eine im Journal Childhood Obesity veröffentlichte Studie unter der Leitung von Justin Ryder vom Lurie Children's Hospital Chicago untersuchte US-Versicherungsdaten aus den Jahren 2017 bis 2022 von mehr als 100 Millionen Patienten.

In der Gruppe von 2.031 Nutzern von GLP-1-PrÀparaten im Alter von 10 bis 17 Jahren, bei denen zuvor keine Mangelerscheinungen diagnostiziert worden waren, entwickelten 16,88 Prozent binnen eines Jahres nach Behandlungsstart ein NÀhrstoffdefizit.

Konkret traten bei 12,4 Prozent ein Vitamin-D-Mangel, bei 1,55 Prozent eine ErnÀhrungsanÀmie und bei 1,44 Prozent eine EisenmangelanÀmie auf. Zugleich wies die von Abbott finanzierte Untersuchung darauf hin, dass nur 5 Prozent der Betroffenen innerhalb der ersten 30 Tage nach Beginn der Medikation eine dokumentierte ErnÀhrungstherapie erhielten; nach sechs Monaten lag dieser Anteil bei lediglich 23,3 Prozent.

Off-Label-Verschreibungen betrafen zudem hĂ€ufiger jĂŒngere Patienten mit Adipositas-Diagnose. Die Autoren vermerkten, dass das reine Beobachtungsdesign keine KausalitĂ€t belege.

Vorgaben internationaler Gesundheitsorganisationen

Mediziner verweisen im Diskurs auf die am 7. Oktober 2026 veröffentlichten Leitlinien der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Das Regelwerk stellt ErnÀhrung, körperliche AktivitÀt, Schlaf und VerhaltensÀnderungen in das Zentrum der Interventionen, anstatt auf reine Kalorienrestriktion zu setzen.

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FĂŒr Kinder im Alter von null bis neun Jahren empfiehlt die WHO weder medikamentöse Behandlungen noch bariatrische Chirurgie oder spezielle Gewichtsmanagement-GerĂ€te.

Bei Jugendlichen sollten zugelassene Arzneimittel ausschließlich unter medizinischer Aufsicht zum Einsatz kommen, sofern strukturierte Lebensstilprogramme zuvor nicht ausreichten. Chirurgische Eingriffe bleiben schwerer Adipositas unter streng definierten Bedingungen vorbehalten.

Nach Angaben der WHO lebten im Jahr 2024 weltweit 170 Millionen Kinder und Jugendliche zwischen 5 und 19 Jahren mit Adipositas – darunter 70 Millionen in der Altersgruppe von 5 bis 9 Jahren sowie 100 Millionen im Alter von 10 bis 19 Jahren.

Der Anteil stieg seit 1990 von 2 Prozent auf 8 Prozent im Jahr 2024. Zudem waren 400 Millionen junge Menschen ĂŒbergewichtig, was einem Anstieg der Quote von 8 Prozent auf 20 Prozent entspricht.

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Zunehmende Fallzahlen und ganzheitliche AnsÀtze

Die Notwendigkeit strukturierter Konzepte zeigt sich auch auf nationaler Ebene. In Österreich ergab die COSI-Erhebung, dass 34 Prozent der Buben und 26 Prozent der MĂ€dchen in der dritten Volksschulklasse ĂŒbergewichtig oder adipös sind; jeder sechste Bub leidet demnach an Adipositas.

Bei der Österreichischen Gesundheitskasse (ÖGK) stiegen die gemeldeten Adipositas-FĂ€lle bei Kindern und Jugendlichen binnen zwei Jahren um 83 Prozent von 775 auf 1.415 an.

Fachorganisationen betonen, dass Adipositas multifaktoriell bedingt ist. Zu den wesentlichen Risikofaktoren zÀhlen unter anderem ungesunde ErnÀhrung, Schlafmangel, Bildschirmzeiten, Bewegungsmangel sowie genetische und psychische Faktoren wie Angst oder Depression.

Um diesen Dynamiken nachhaltig zu begegnen, fordern Experten strukturierte Angebote: Eine SIPCAN-Erhebung aus dem FrĂŒhjahr 2026 zeigte, dass bestehende Programme in Österreich ĂŒberwiegend auf ErnĂ€hrungstherapie sowie psychologische und bewegungstherapeutische Maßnahmen setzen, wobei in ĂŒber drei Viertel der Einrichtungen das familiĂ€re Umfeld aktiv einbezogen wird. Die reine medikamentöse UnterdrĂŒckung des Appetits gilt vor diesem Hintergrund als unzureichende Lösung.

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