Achillessehnen-Injektionen: Studie mit 192 Erwachsenen findet keinen Langzeitnutzen
Veröffentlicht am: 29.10.2026 um 19:25 Uhr | Redaktion boerse-global.deInjektionstherapien gehören bei hartnäckigen Sehnenschmerzen zu den verbreiteten Behandlungsansätzen. Eine klinische Studie der australischen Monash University, die im Fachjournal The BMJ veröffentlicht wurde, stellt den langfristigen Nutzen von Hochvolumen-Injektionen bei der Behandlung der Achillessehne nun jedoch grundlegend infrage.
Wie medizinische Fachmedien Ende Oktober 2026 berichteten, führten die Injektionen im Vergleich zu einer Scheinbehandlung nach zwölf Monaten zu keiner messbaren Besserung bei Schmerz und Funktionseinschränkungen.
Keine Überlegenheit gegenüber Schein-Injektionen nach zwölf Monaten
Im Rahmen der randomisierten Untersuchung analysierten die Forschenden der Monash University die Daten von 192 Erwachsenen mit einer chronischen Midportion-Achillestendinopathie. Die Teilnehmenden – mit einem Durchschnittsalter von 49 Jahren und einem Männeranteil von 55 Prozent – wurden zwischen Dezember 2019 und Juli 2022 in Melbourne rekrutiert.
Zu Beginn der Studie lag der durchschnittliche Wert auf der VISA-A-Skala, die Schmerz und Funktion von 0 bis 100 Punkten erfasst, bei 48,7 Punkten. Die mediane Dauer der bestehenden Beschwerden betrug zwei Jahre.
Die Probanden wurden in drei Gruppen unterteilt: 64 Personen erhielten eine Schein-Injektion, 63 eine Hochvolumen-Injektion ohne Steroid und 65 eine Hochvolumen-Injektion mit Steroidzusatz. Die verabreichten Hochvolumen-Injektionen bestanden aus Kochsalzlösung und einem Lokalanästhetikum, in einer Gruppe kombiniert mit einem niedrig dosierten Kortikosteroid.
Sämtliche Teilnehmer absolvierten zudem ein identisches physiotherapeutisches Übungsprogramm. Nach einer Nachbeobachtungszeit von zwölf Monaten zeigte sich kein signifikanter Unterschied zwischen den Interventionsgruppen und der Schein-Injektion. Schwerwiegende unerwünschte Ereignisse wurden in keiner der Gruppen dokumentiert.
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Frühe Effekte von Kortikosteroiden bleiben nicht nachhaltig
Die Ergebnisse der Monash-University-Studie verdeutlichen zudem die Problematik von Kortikoidzusätzen bei Sehnenerkrankungen. Zwar verzeichnete die Steroidgruppe nach sechs Wochen eine leichte Linderung der Beschwerden, dieser Effekt erwies sich jedoch als nicht nachhaltig. Nach 26 Wochen fielen die Ergebnisse in der Steroidgruppe teilweise sogar schlechter aus als in der Gruppe, die eine Injektion ohne Steroide erhalten hatte.
Die Befunde besitzen erhebliche klinische Relevanz: Schätzungen zufolge sind rund 6 Prozent der Menschen im Laufe ihres Lebens von einer Tendinopathie betroffen. Bis zu 44 Prozent der Erkrankten erholen sich trotz einer gezielten Übungstherapie nicht vollständig, weshalb Betroffene häufig nach ergänzenden Verfahren suchen.
Parallelen zu weiteren Injektionsansätzen bei Sehnenerkrankungen
Die Zurückhaltung gegenüber invasiven Maßnahmen bei Sehnenschäden spiegelt sich auch bei anderen Therapien wider. Wie eine Übersichtsarbeit auf der medizinischen Plattform EM consulte darlegt, wird beispielsweise plättchenreiches Plasma (PRP) seit rund 20 Jahren in der muskuloskelettalen Medizin eingesetzt, der klinische Nutzen gilt jedoch weiterhin als umstritten.
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Während intraartikuläre PRP-Injektionen bei Knie-Arthrose von einigen Fachgesellschaften per Konsens empfohlen werden, existieren für Tendinopathien und traumatische Muskelveränderungen weiterhin keine entsprechenden Leitlinien-Empfehlungen.
Methodische Schwächen, qualitative Unterschiede bei den PRP-Präparaten und Verzerrungen erklären laut der Übersichtsarbeit das durchgehend niedrige Evidenzniveau kontrollierter Studien. Fachleute weisen darauf hin, dass regenerative Injektionsverfahren stets in ein umfassendes Behandlungskonzept mit nicht-medikamentösen Maßnahmen und strukturierter Nachsorge eingebunden sein müssen.
