Altersgrenzen für Social Media: EU-Experten fordern Mindestalter 13
Veröffentlicht: 16.07.2026 um 19:22 Uhr, Redaktion boerse-global.de
Ein EU-Expertengremium empfiehlt einheitliche Altersgrenzen, während die britische Regulierungsbehörde Ofcom Ermittlungen gegen TikTok einleitet. Die Maßnahmen zielen darauf ab, Kinder und Jugendliche besser vor den Gefahren sozialer Netzwerke zu schützen.
Experten fordern Zugangssperren für unter 13-Jährige
Ein von Prof. Dr. Jörg M. Fegert und Dr. Maria Melchior geleitetes Expertengremium veröffentlichte heute ein wegweisendes Papier zur Sicherheit von Minderjährigen im Netz. Die zentrale Forderung: Kinder unter 13 Jahren sollen soziale Medien nur unter Aufsicht nutzen dürfen. Die Beweislast für die Sicherheit ihrer Plattformen müssten künftig die Anbieter tragen.
EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen kündigte noch für die Zeit nach dem Sommer konkrete Gesetzesvorschläge an. Geplant ist ein gestaffeltes Zugangsmodell für Teenager. Die Kommission arbeitet zudem an einer App zur altersgerechten Identitätsprüfung, die auf Zero-Knowledge-Proofs setzt – ohne Ausweisdokumente oder biometrische Daten zu benötigen.
Deutsche Familienministerin unterstützt EU-weite Lösung
Bundesfamilienministerin Karin Prien sprach sich heute für einheitliche Regeln in der gesamten EU aus. „Wir brauchen ein verbindliches Mindestalter von 13 Jahren in allen Mitgliedsstaaten", betonte die Ministerin. Der Vorstoß folgt auf eine Abstimmung im Kulturausschuss des Europaparlaments vom 14. Juli, der ein Verbot süchtig machender Designelemente wie endlosem Scrollen forderte.
Ofcom ermittelt gegen TikTok
In Großbritannien leitete die Kommunikationsaufsicht Ofcom heute ein Verfahren gegen TikTok ein. Der Vorwurf: Die Alterserkennung des Videodienstes sei unzureichend und könne eine große Zahl unter 13-Jähriger nicht identifizieren. Bei Verstößen gegen den Online Safety Act drohen Strafen von bis zu 18 Millionen Pfund oder zehn Prozent des weltweiten Jahresumsatzes. Ein Zwischenbericht wird für Oktober erwartet.
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Nächtliche Sperren für Jugendliche ab 2027
Die britische Regierung verschärft die Gangart zusätzlich. Ab Frühjahr 2027 sollen soziale Netzwerke für unter 16-Jährige komplett gesperrt werden. Bereits jetzt führt das Land nächtliche Ausgangssperren für 16- und 17-Jährige ein: Zwischen Mitternacht und sechs Uhr morgens werden Social-Media-Funktionen deaktiviert. Premierminister Keir Starmer forderte zudem App-Store-Betreiber auf, innerhalb von drei Monaten Technologien zur Erkennung von Nacktbildern zu implementieren.
Umgehungsraten bleiben hoch
Trotz verschärfter Kontrollen – der Anteil der Kinder, die nach Altersnachweisen gefragt werden, stieg von 25 auf 43 Prozent – gelingt es vielen Jugendlichen, die Sperren zu umgehen. Eine Umfrage im Auftrag des britischen Wissenschaftsministeriums ergab: 39 Prozent der 11- bis 17-Jährigen umgingen die Altersprüfung erfolgreich. Mehr als die Hälfte wählte bewusst Plattformen mit laxeren Kontrollen, 27 Prozent nutzten VPNs. Die Hälfte der Umgeher wurde anschließend mit schädlichen Inhalten konfrontiert.
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Globale Bewegung für strengere Regeln
Der Trend zu schärferen Alterskontrollen ist international. Kanada erwägt mit dem Gesetzesentwurf C-34 ein vollständiges Verbot für unter 16-Jährige. Zivilrechtliche Strafen von bis zu zehn Millionen Dollar oder strafrechtliche Sanktionen von 20 Millionen Dollar wären möglich.
In Australien zeigen erste Erfolge: Nach Einführung strengerer Maßnahmen sank der Anteil der unter 16-Jährigen mit eigenen Accounts von 49,7 auf 31,3 Prozent. Frankreich plant ein Verbot für unter 15-Jährige ab September 2026. Auch andere europäische Staaten ziehen nach.
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