DMA-Verfügung: Google muss Android-Funktionen bis Juli 2027 öffnen
Veröffentlicht: 16.07.2026 um 19:22 Uhr, Redaktion boerse-global.de
Google muss künftig Suchdaten und Android-Funktionen für Wettbewerber freigeben.
Die neuen Auflagen basieren auf dem Digital Markets Act (DMA) und zielen auf das Herz von Googles Geschäftsmodell. Ab Januar 2027 muss der Konzern seine Suchdaten mit Drittanbietern und KI-Chatbots teilen. Die Weitergabe erfolgt zu fairen Preisen und unter Auflagen zur Anonymisierung – doch genau diese Schutzmaßnahmen sind zwischen Brüssel und dem Unternehmen umstritten.
Android-Öffnung für KI-Assistenten
Noch weiterreichender ist der zweite Beschluss: Bis Juli 2027 muss Google elf spezifische Funktionen des Android-Betriebssystems für konkurrierende KI-Assistenten öffnen. Konkurrenten erhalten damit denselben Systemzugriff, den bisher nur Googles eigener Dienst Gemini genießt. Sie können künftig Sprachbefehle nutzen, auf Geräte-Hardware zugreifen und Hintergrundprozesse ausführen.
Die EU-Digitalkommissarin Henna Virkkunen begründete den Schritt mit dem Ziel, echte Alternativen zu Google Search und Gemini zu schaffen. „Wir wollen einen wettbewerbsfähigeren Markt", so die Finnin.
Google warnt vor Sicherheitsrisiken
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Die Konzernmutter Alphabet reagiert mit scharfer Kritik. Präsident Kent Walker warnt vor einem „Sicherheitsdesaster" für Millionen europäischer Nutzer. Bisher greifen KI-Assistenten über einen geprüften Prozess mit den Smartphone-Herstellern auf Android zu. Die neuen Regeln könnten diesen Schutz aushebeln.
Besonders brisant: Externe Anwendungen könnten künftig sensible Berechtigungen erhalten, ohne die bisherigen Kontrollen durchlaufen zu müssen. Google befürchtet zudem, dass private Suchanfragen an unbekannte Unternehmen weitergegeben werden – ohne ausreichende Anonymisierung oder Einwilligung der Nutzer.
Der Branchenverband Chamber of Progress schlägt in die gleiche Kerbe: Die Auflagen öffneten faktisch eine Hintertür für Datenlecks, da Informationen über Nachrichten, Standorte und andere sensible App-Daten geteilt werden müssten.
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Zeitplan und weitere Eskalation
Die EU gibt Google einen straffen Zeitplan vor: Bis Anfang 2027 müssen die Suchdaten-Protokolle stehen, bis Mitte des Jahres die Android-Interoperabilität. Der Konzern kündigte an, weiter für eine ausgewogenere Lösung zu kämpfen, die Nutzerrisiken berücksichtigt.
Der Druck auf den Tech-Riesen wächst jedoch rasant. Parallel läuft eine separate Untersuchung der Geschäftspraktiken Googles – ein Bußgeld könnte bereits in der kommenden Woche verhängt werden. Bei Verstößen gegen den DMA drohen Strafen von bis zu zehn Prozent des weltweiten Jahresumsatzes. Für Alphabet, das 2025 rund 340 Milliarden US-Dollar umsetzte, wären das theoretisch bis zu 34 Milliarden Euro.
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