Angststörungen: Forscher identifizieren 74 Gen-Positionen
11.06.2026 - 17:22:00 | boerse-global.de
So einfach ist es nicht. Neue Studien zeigen: Der Zusammenhang zwischen Musikkonsum und psychischer Gesundheit ist komplizierter als gedacht. Gleichzeitig liefern Forscher neue Erkenntnisse über die genetischen Grundlagen von Angststörungen.
Musik hören: Wohltat oder Wunschdenken?
Das Max-Planck-Institut für empirische Ästhetik (MPIEA) in Frankfurt hat untersucht, ob regelmäßiges Musikhören die psychische Gesundheit nachhaltig verbessert. Die Forscher werteten Daten aus schwedischen Zwillingsregistern aus – mit rund 10.500 Teilnehmern aus 2012 und etwa 9.500 aus 2022.
Anzeige: Die neue Gen-Studie zeigt: 74 Genom-Positionen beeinflussen Angstsymptome – 39 davon waren bislang unbekannt. Für Angehörige eröffnet das völlig neue Wege, die Erkrankung zu verstehen und zu behandeln. Jetzt kostenlosen Report anfordern
Das Ergebnis: Einen direkten kausalen Zusammenhang gibt es nicht. Zwar nutzen Menschen mit Depressionen, Angstzuständen oder Einsamkeit häufiger Musik zur Stimmungsregulierung. Eine präventive oder heilende Wirkung im Alltag ließ sich jedoch nicht belegen.
Die Studie deutet darauf hin, dass gemeinsame familiäre oder genetische Faktoren hinter den Verhaltensmustern stecken. Wichtig: Das widerspricht nicht der klinischen Musiktherapie. Unter professioneller Anleitung kann sie gezielte Heilerfolge erzielen.
74 Gen-Positionen: Die Biologie der Angst
Eine internationale Studie der Forschungsgruppe PGC Anxiety liefert parallel neue Einblicke in die biologische Architektur von Angstsymptomen. Veröffentlicht wurde die Arbeit im Juni 2026 im Fachjournal „Nature Human Behaviour“.
Die Forscher werteten Daten von insgesamt 693.869 Teilnehmern aus. Sie identifizierten 74 Gen-Positionen, die mit Angstsymptomen zusammenhängen – 39 davon waren zuvor unbekannt. Besonders im Fokus stehen die Gene PCLO und SORCS3, denen eine Rolle bei der Entstehung von Angststörungen zugeschrieben wird.
Doch die genetischen Faktoren erklären nur etwa 6 Prozent der Unterschiede in den Symptomausprägungen. Der beobachtete Anstieg von Angstraten weist daher verstärkt auf Umweltfaktoren hin. Zudem fanden die Forscher genetische Korrelationen zu Depressionen, Reizdarmsyndrom, chronischen Schmerzen, Migräne und koronaren Herzkrankheiten.
Lange Wartezeiten: Wenn Hilfe zu spät kommt
Die steigende Zahl psychischer Erkrankungen trifft auf eine angespannte Versorgungslage – besonders in der Kinder- und Jugendpsychiatrie. Ein DAK-Report bestätigt wachsende Fallzahlen bei Angststörungen und Depressionen in dieser Altersgruppe.
In Brandenburg stehen dafür nur 27 Facharztsitze zur Verfügung. Die durchschnittliche Wartezeit auf einen Therapieplatz beträgt dort rund 28 Wochen. Eine Ewigkeit für junge Menschen in akuten Krisen.
Anzeige: Angst ist hochgradig vererbbar – die Forschung belegt starke Überschneidungen mit Depression, chronischen Schmerzen und Reizdarm. Wer die genetischen Zusammenhänge kennt, kann gezielter helfen. Genetische Zusammenhänge verstehen – Report sichern
Safe-Space-Apotheke: Neue Wege für Jugendliche
Um diese Lücken zu schließen, entstehen niederschwellige Angebote. Im Juni 2026 startete in Brandenburg die Initiative „Safe-Space-Apotheke“. Jugendliche erhalten dort anonyme und terminlose Beratung bei psychischen Problemen.
Solche Projekte sollen als erste Anlaufstelle dienen – sie überbrücken die Zeit bis zu einer regulären Behandlung und bieten frühzeitige Hilfe im gewohnten Umfeld. Ein Modell, das Schule machen könnte.
