Anthropic überholt OpenAI: 1,2 Billionen Dollar Bewertung erreicht
Veröffentlicht: 12.07.2026 um 00:21 Uhr, Redaktion boerse-global.de
OpenAI-Chef Greg Brockman übernimmt die Kontrolle über die wichtigsten Produkt- und Infrastrukturbereiche. Der Schritt kommt zu einem kritischen Zeitpunkt für das KI-Unternehmen.
Der Mitgründer und Präsident zeichnet ab sofort verantwortlich für ChatGPT, das Unternehmenskundengeschäft, die Marktstrategie und die enormen Rechenkapizitäten. Die Umstrukturierung wurde am 10. Juli wirksam – einen Tag, nachdem Vorstandsmitglied Fidji Simo aus gesundheitlichen Gründen zurückgetreten war.
Sicherheitsabteilung wird umgebaut
Die erweiterte Rolle Brockmans fällt in eine entscheidende Phase. OpenAI bereitet sich auf einen möglichen Börsengang vor, nachdem das Unternehmen Anfang des Sommers einen vertraulichen Antrag eingereicht hatte.
Parallel zu den Führungswechseln reorganisiert OpenAI seine Sicherheitsstrukturen. Sicherheitschef Johannes Heidecke verließ das Unternehmen im Zuge einer Neuordnung. Die Sicherheitsteams werden künftig direkt in die Forschungsabteilung integriert. Mia Glaese übernimmt die Leitung der Forschungs- und Sicherheitsaktivitäten.
Die internen Veränderungen überschatten ein laufendes Rechtsverfahren: Mehrere Verlage fordern Sanktionen gegen OpenAI wegen angeblicher unrechtmäßiger Löschung von Chat-Daten in einem Urheberrechtsstreit.
Milliardenverluste trotz Rekordumsätzen
Trotz seiner Marktposition kämpft OpenAI mit massiven finanziellen Problemen. Analysten warnen, dass die Barreserven bis Mitte 2027 erschöpft sein könnten, wenn die Ausgaben nicht sinken.
Während Giganten wie OpenAI ihre Infrastruktur massiv umbauen, fragen sich viele Nutzer, wie sie die Technologie schon heute sinnvoll anwenden können. Warum so viele Deutsche ChatGPT nutzen – aber kaum einer weiß, wie man es richtig anwendet, klärt dieser Ratgeber für Einsteiger. Kostenlosen Ratgeber für den ChatGPT-Alltag jetzt herunterladen
Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache:
- 2025: 38,5 Milliarden Dollar Verlust bei 13,07 Milliarden Dollar Umsatz
- Pro eingenommenem Dollar gibt OpenAI 1,69 Dollar aus
- Erstes Quartal 2026: 5,7 Milliarden Dollar Umsatz, aber 3,7 Milliarden Dollar Cash-Burn
- Betriebsverlust im ersten Quartal 2026: 9,3 Milliarden Dollar
Die Kosten für KI-Infrastruktur treiben das Defizit. OpenAIs Rechenverpflichtungen sollen bis 2030 auf 665 Milliarden Dollar steigen. Für dieses Jahr wird ein jährlicher Cash-Burn von 27 Milliarden Dollar erwartet, 2027 könnten es 63 Milliarden Dollar sein. Marktexperten rechnen nicht vor 2030 mit Gewinnen.
Staatliche Beteiligung als Rettungsanker?
Um die finanziellen Risiken abzufedern, hat OpenAI der US-Regierung angeblich einen ungewöhnlichen Deal vorgeschlagen: fünf Prozent Unternehmensanteile im Wert von rund 42,6 Milliarden Dollar. Beobachter bezeichnen dies als eine Art Versicherung gegen künftige Liquiditätskrisen. Die Bewertung des Unternehmens liegt bei etwa 852 Milliarden Dollar.
Konkurrent Anthropic überholt OpenAI
Während OpenAI noch als Marktführer im Bereich generativer KI gilt, hat der Rivale Anthropic das Unternehmen in der privaten Marktbewertung überholt. Anfang Juli erreichte Anthropic auf Sekundärmärkten eine Bewertung von 1,2 Billionen Dollar – OpenAI liegt bei etwa 908 Milliarden Dollar.
Der Bewertungssprung basiert auf rasantem Umsatzwachstum. Anthropics Plattform Claude Code soll in nur sechs Monaten eine Milliarde Dollar eingespielt haben. Die annualisierte Umsatzrate wird auf 47 bis 60 Milliarden Dollar geschätzt. Zum Vergleich: OpenAI liegt bei etwa 20 bis 24 Milliarden Dollar.
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Branche unter Druck
Die finanziellen Schwierigkeiten bei OpenAI sind kein Einzelfall. Während Microsoft zuletzt starkes KI-Wachstum und solide Margen meldete, leiden andere Tech-Giganten unter den Investitionen. Alphabet verzeichnete einen Rückgang des freien Cashflows um 47 Prozent im Jahresvergleich – hauptsächlich wegen KI-Infrastrukturkosten.
Branchenanalysten rechnen damit, dass die Gesamtausgaben für KI-Infrastruktur bis Ende 2026 1,5 Billionen Dollar erreichen könnten. Experten von Sequoia warnen: Die Branche bräuchte bis zu drei Billionen Dollar Jahresumsatz, um die aktuellen Investitionen zu rechtfertigen. Ökonomen von Apollo sehen bei Nichterfüllung dieser Erwartungen die Gefahr einer breiten Marktkorrektur.
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