Arthrose: Bewegung statt Ruhe senkt Sterberisiko um 27%
Veröffentlicht: 16.07.2026 um 22:48 Uhr, Redaktion boerse-global.de
Die degenerative Gelenkerkrankung, bei der Knorpel abbaut, betrifft vor allem Ältere. Doch moderne Therapieansätze setzen nicht auf Schonung, sondern auf gezielte Kräftigung. Das Robert Koch-Institut beziffert die Prävalenz auf 17,1 Prozent – Tendenz steigend.
Weniger ist mehr: Der Minimal-Dosis-Ansatz
Fachleute unterscheiden zwischen dynamischen und isometrischen Übungen. Passive Mobilisation versorgt den Knorpel, Massage fördert die Durchblutung. Ergänzend helfen TENS oder Balneotherapie gegen Schmerzen.
Das Deutsche Krebsforschungszentrum zeigt: Bereits 40 bis 60 Minuten Krafttraining pro Woche mit hoher Intensität reichen. Der „Minimal-Dosis-Ansatz“ setzt auf einen einzigen Satz pro Übung mit maximaler Anstrengung. Auch „Exercise Snacks“ – fünf bis zehn Minuten über den Tag verteilt – gelten als effektiv.
Dennoch: Nur 10 bis 30 Prozent der Erwachsenen erfüllen laut WHO die Empfehlungen für muskelkräftigende Aktivitäten.
Physiotherapie und die richtige Ernährung
Bei Kniearthrose spielt die Physiotherapie eine Schlüsselrolle. Neben der Kräftigung steht die Aufklärung über den Lebensstil im Fokus. Bei Entzündungen hilft Kälte, in entzündungsfreien Phasen Wärme.
Die Ernährung ist der zweite Pfeiler: Ungesättigte Fettsäuren aus Oliven-, Walnuss- oder Leinöl sowie Omega-3-Fisch wirken entzündungshemmend. Tierische Produkte mit Arachidonsäure – Fleisch, Innereien, Eier, bestimmte Milchprodukte – sind tabu. Auch Nikotin und Alkohol sollten vermieden werden.
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Kollagen: Hilft es wirklich?
Eine Meta-Analyse aus dem Jahr 2026 wertete elf Studien mit 870 Teilnehmern aus. Bei leichter bis moderater Kniearthrose zeigte sich eine moderate Schmerzlinderung um 13,6 Punkte und eine Verbesserung der Gelenkfunktion um 6,46 Punkte. Einen Knorpel-Neuaufbau oder Arthrose-Stopp belegte die Analyse nicht.
Die EFSA lehnt spezifische Gesundheitsaussagen zu Kollagenprodukten bisher ab. In der Praxis dosieren Ärzte 5 bis 10 Gramm Kollagenhydrolysat oder 40 Milligramm nicht-denaturiertes Typ-II-Kollagen täglich. Erste Effekte zeigen sich nach vier bis sechs Wochen.
Krafttraining fĂĽr ein langes Leben
Die Vorteile gehen weit ĂĽber die Schmerztherapie hinaus. Eine Studie im British Journal of Sports Medicine mit 147.000 Personen belegt: 90 bis 120 Minuten Krafttraining pro Woche senken das Sterberisiko durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen um 19 Prozent und durch neurologische Erkrankungen um 27 Prozent.
Besonders für über 65-Jährige ist Sturzprävention entscheidend – jährlich stürzen etwa 30 Prozent dieser Gruppe.
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Die Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin hat im April 2026 ihre Empfehlungen aktualisiert. Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) plant eine Präventionsoffensive mit verpflichtenden Vorsorgeuntersuchungen für Kindern und Jugendliche sowie einem speziellen Check-up für Menschen ab 60 Jahren. Die staatlichen Ausgaben für Prävention stiegen 2025 auf 734 Millionen Euro.
Regionale Initiativen wie eine Veranstaltung an der OTH Regensburg Anfang Juli zeigen: Praktische Übungen wie Wadenheben lassen sich leicht in den Alltag integrieren. Das Ziel: Selbstbestimmtheit im Alter durch Sturzprävention und Trainingstherapie.
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