Ausdauersport: Charité warnt vor Herzrhythmusstörungen bei Frauen
Veröffentlicht am: 08.08.2026 um 13:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Intensiver Ausdauersport kann das Herz belasten – doch die Forschung zeigt: Die Dosis macht den Unterschied. Eine neue Studie der Charité wirft nun ein Schlaglicht auf die Risiken für Frauen.
Wenn Marathon zur Belastungsprobe wird
Die am heutigen Samstag veröffentlichte Untersuchung der Charité beleuchtet, wie extremes Ausdauertraining Herzrhythmusstörungen begünstigen kann. Besonders betroffen: Frauen. Der Marathonlauf gilt dabei als klassisches Beispiel für eine solche Extrembelastung.
Doch nicht jede Anstrengung ist gleich. Eine Sportmedizinerin differenzierte gestern zwischen dem „Runner’s High“ und dem „zweiten Wind“. Letzterer entsteht früh während der Belastung durch ein anfängliches Sauerstoffdefizit. Das Runner’s High dagegen ist neurobiologisch bedingt und setzt erst in späteren Trainingsphasen ein. Beides lässt sich durch gezieltes Grundlagen- und Tempotraining beeinflussen.
Bewegung: Schon 150 Minuten pro Woche wirken
Wie viel Sport braucht das Herz? Daten der UK-Biobank aus dem European Heart Journal liefern klare Antworten. Bei 96.408 Teilnehmern mit einem Durchschnittsalter von 62 Jahren senkte höhere Intensität das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Vorhofflimmern, Typ-2-Diabetes und Demenz – unabhängig vom Gesamtumfang.
Eine weitere Auswertung mit 17.088 Probanden konkretisiert die nötigen Zeitfenster. Bereits 150 Minuten moderate bis intensive Aktivität pro Woche reduzieren das kardiovaskuläre Risiko um 8 bis 9 Prozent. Wer mehr als 30 Prozent Risikoreduktion anstrebt, muss 560 bis 610 Minuten pro Woche investieren.
Können also zu viel Sport und falsche Gene das Herz gefährden? Ja, zeigt die Forschung.
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Defekte Gene und Versorgungslücken
Die Universitäten Würzburg und Heidelberg stellten am Donnerstag eine Studie zu Mutationen im RBM20-Gen vor. Diese können Herzmuskelerkrankungen wie die dilatative Kardiomyopathie (DCM) oder die linksventrikuläre Non-Compaction-Kardiomyopathie (LVNC) auslösen. In Zellversuchen regulierte der Wirkstoff Verapamil die gestörte Kalzium-Dysregulation erfolgreich.
Parallel machte die Deutsche Herzstiftung auf ein massives Versorgungsproblem aufmerksam: Von rund 350.000 Erwachsenen mit angeborenen Herzfehlern (EMAH) erhalten über 200.000 keine spezialisierte Nachsorge. Dabei haben diese Patienten ein erhöhtes Risiko für Herzrhythmusstörungen, Klappenerkrankungen und Herzinsuffizienz. Die Kampagne „EMAH-Check“ soll Abhilfe schaffen.
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Umwelt und Erholung: Die unterschätzten Faktoren
Nicht nur Sport und Gene beeinflussen das Herz. Waldbrandrauch verursacht laut einer Lancet-Studie aus dem Jahr 2024 jährlich 1,53 Millionen Todesfälle weltweit – 450.000 davon durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Hauptschadstoff ist Feinstaub (PM2,5). Kardiologen aus Mainz warnen vor den wachsenden Risiken durch Umweltbelastungen.
Wie gut sich das Herz nach Belastung erholt, zeigt die Herzfrequenz-Erholung (HRR). Schon eine NEJM-Studie von 1999 belegte: Fällt der Puls in der ersten Minute nach Anstrengung um weniger als 12 Schläge, ist das Sterberisiko vierfach erhöht. Normal sind mindestens 18 Schläge, gut ab 30.
Für eine bessere Patientenversorgung erschien Ende Juli ein Konsensuspapier zum „Shared Decision Making“. Die Autoren um Weber-Krüger fordern, Patienten frühzeitig durch Entscheidungshilfen einzubinden und sie interprofessionell zu begleiten – ein Schritt zu mehr Behandlungsqualität in der Herzmedizin.
