Autonome Lkw: Südkorea, USA und China starten Milliarden-Dienste
Veröffentlicht: 11.07.2026 um 06:02 Uhr, Redaktion boerse-global.de
Logistikunternehmen in Südkorea, den USA und China starteten kostenpflichtige Dienste und sicherten sich Milliardensummen für den Großbetrieb.
Südkorea startet ersten kostenpflichtigen Autonomie-Dienst
Am 9. Juli 2026 brachte der Logistikkonzern Hanjin den ersten bezahlten autonomen Frachtdienst Südkoreas auf die Straße. Ein 25-Tonnen-Lkw vom Typ Tata Daewoo Maxen pendelt dreimal wöchentlich die 118 Kilometer zwischen dem Hafen Gunsan und dem Mega-Hub Daejeon. Die Software stammt von RideFlux, ein Sicherheitsfahrer überwacht die Systeme an Bord.
Der Dienst ist Teil des Saemangeum-Projekts für autonome Fahrzeuge, das im Mai 2026 die staatliche Genehmigung für bezahlten Gütertransport erhielt. Die Infrastruktur verschlang umgerechnet rund 28 Millionen Euro. Hanjin rüstete zudem ein Terminal für autonomes Andocken mit spezieller Steuerungs- und Erkennungstechnik aus. Grundlage ist eine Kooperationsvereinbarung vom September 2023 zwischen Hanjin, dem Jeonbuk-Institut für Automobil-Konvergenztechnologie und dem koreanischen Logistikverband.
Texas und Bahnterminals: US-Markt zieht nach
Auch in Nordamerika nimmt die Kommerzialisierung Fahrt auf. Bereits am 8. Juni 2026 startete AVI-SPL den kommerziellen Autonomiebetrieb auf der 385 Kilometer langen Strecke zwischen Dallas und Houston. Volvo VNL Autonomous-Lkw mit dem Aurora-Driver-System transportieren Audio-Video-Elektronik und Recycling-Geräte. Noch sitzen Sicherheitsfahrer am Steuer, doch Volvo Autonomous Solutions plant den fahrerlosen Betrieb bis zum ersten Quartal 2027.
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Jeremy Codiroli, Vizepräsident bei AVI-SPL, bezeichnet die Texas-Route als strategisches Risikomanagement gegen den Fahrermangel. Er prognostiziert, dass autonome Lkw innerhalb von fünf bis zehn Jahren die Hälfte aller Autobahnkilometer übernehmen könnten.
Parallel dazu schloss Venti Technologies einen Langzeitvertrag mit einer Class-1-Eisenbahngesellschaft. Das Unternehmen liefert KI-gesteuerte Container-Lkw für zwei US-Intermodal-Terminals. Es ist die erste Großserien-Produktion des Anbieters: Bis 2027 sollen über 100 Fahrzeuge rollen, bis 2030 mehr als 600.
China: KargoBot sammelt 100 Millionen Dollar ein
In China verkündete der Autonomie-Entwickler KargoBot am 10. Juli 2026 eine Serie-B-Finanzierung über 100 Millionen Dollar (rund 92 Millionen Euro). Zu den Investoren zählen Horizon Robotics und Gaorong Ventures. Das von Didi unterstützte Unternehmen setzt auf ein Hybrid-Modell: Ein menschlicher Fahrer führt einen Konvoi an, dem mehrere Level-4-autonome „Robotrucks" folgen.
Aktuell betreibt KargoBot 400 autonome Lkw in zehn chinesischen Provinzen und hat rund 3,5 Millionen Kilometer zurückgelegt. Das Management erwartet innerhalb der nächsten zweieinhalb Jahre die Gewinnschwelle. Der Fuhrpark soll bis Ende 2026 auf 1.000 Fahrzeuge wachsen, langfristig sind 10.000 bis 2030 das Ziel.
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Demografie treibt die Automatisierung
Der Druck auf die Branche ist enorm: In den USA fehlen rund 78.000 Lkw-Fahrer, bis 2031 werden es voraussichtlich über 160.000 sein. In Südkorea liegt das Durchschnittsalter der Güterfahrer bereits Mitte sechzig – ein dringender Appell für automatisierte Lösungen.
Die technologische Flexibilität wächst rasant. Das Software-Unternehmen Waabi demonstrierte kürzlich, dass sein „Waabi Driver" ohne neue Trainingsdaten auf eine Volvo-VNL-Plattform übertragen werden konnte und sowohl Autobahnen als auch komplexe Stadtstraßen bewältigte.
Branchenanalysten prognostizieren dem Markt für autonome Lkw ein massives Wachstum – Schätzungen reichen bis zu 107,7 Milliarden Dollar bis 2034. Erste Großanwendungen liefern Belege: PepsiCo setzt in den USA Level-4-Lkw ein, die eine Pünktlichkeit von 99 Prozent erreichen. Und in Südkorea bereitet sich Mars Auto darauf vor, noch im dritten Quartal 2026 den ersten bezahlten autonomen Auflieger-Transport zu starten.
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