Bauchfett, Studie

Bauchfett im CT: Studie mit 1.736 Erwachsenen findet Hinweise auf Herzrisiken

Veröffentlicht am: 30.10.2026 um 02:00 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Eine Analyse von CT-Aufnahmen verknüpft die Struktur des Bauchfetts mit Koronarkalk und zeigt Unterschiede zwischen Männern und Frauen.
Abstrakte Darstellung einer medizinischen Gewebestruktur zur Analyse von Bauchfett und Gefäßerkrankungen. Illustration mit AI erstellt.

Moderne bildgebende Verfahren eröffnen neue Möglichkeiten in der präventiven Kardiologie. Eine im August 2026 im International Journal of Obesity veröffentlichte Studie der Medizinischen Fakultät der Universität Porto (FMUP) belegt, dass die Beschaffenheit des Bauchgewebes entscheidende Hinweise auf koronare Herzerkrankungen liefert.

Unter der Leitung von Jennifer Mancio untersuchte das Forschungsteam mittels Radiomik computertomographische Aufnahmen von 1.736 Erwachsenen, bei denen zuvor keine Koronarerkrankung bekannt war. Die Analyse ergab, dass Textur, Dichte und Heterogenität des Bauchfetts eng mit koronarer Kalzifizierung verknüpft sind – unabhängig von der reinen Fettmenge.

Gewebebeschaffenheit statt bloßer Fettmenge

Klassische Messgrößen wie der Body-Mass-Index oder der einfache Bauchumfang erfassen lediglich das Volumen des Fettgewebes, lassen jedoch dessen biologische Struktur unberücksichtigt, wie Jennifer Mancio darlegte.

Das Projekt SAFE-CT, das im Rahmen des Stipendiums Bolsa CUF D. Manuel de Mello der Fundação Amélia de Mello gefördert wurde, setzte daher auf fortschrittliche Bildanalyse. Die computertomographische Radiomik fungiert hierbei als eine Art virtuelle Biopsie, bei der künstliche Intelligenz hunderte feinste Gewebemerkmale wie Dichte und Textur extrahiert.

Die Untersuchung zeigte, dass Modelle auf Basis künstlicher Intelligenz die herkömmliche reine Flächenmessung bei der Vorhersage übertrafen. Dabei erwies sich eine heterogenere Fetttextur als Warnsignal für bestehende Verkalkungen.

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Bei Mustern mit nachgewiesener koronarer Kalzifizierung stellten die Forscher eine höhere Dichte im subkutanen und gleichzeitig eine niedrigere Dichte im viszeralen Fett fest. Zudem zeigte sich die Betrachtung des gesamten Bauchfetts als robuste Alternative zur getrennten Auswertung von subkutanen und viszeralen Depots.

Geschlechtsspezifische Unterschiede bei der Gefäßverkalkung

Die Auswertungen der FMUP-Gruppe offenbarten zudem deutliche geschlechtsspezifische Muster. Männer wiesen eine höhere Texturheterogenität sowie Radiodensität auf, während bei Frauen insbesondere im subkutanen Fett homogenere Gewebemuster vorherrschten.

Bei Männern ließen sich Risikomerkmale bereits im direkt unter der Haut liegenden subkutanen Fett nachweisen. Nach Einschätzung der Studienautoren könnte diese Beobachtung eine Erklärung dafür liefern, warum Männer im Schnitt etwa 10 Jahre früher einen Herzinfarkt erleiden als Frauen.

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Erweiterte Anwendungen in der Gefäßdiagnostik

Das Potenzial von Texturanalysen beschränkt sich nicht allein auf das Fettgewebe zur Herzinfarkt-Prävention, sondern erstreckt sich auch auf die Beurteilung weiterer Gefäßleiden. Eine retrospektive Untersuchung im Fachjournal BMC Medical Imaging analysierte computertomographische Angiographien von 30 Patienten mit peripherer arterieller Verschlusskrankheit (insgesamt 60 Beine).

Dabei korrelierten richtungsabhängige Texturmerkmale der hinteren Wadenmuskulatur mit dem über den Runoff-Score ermittelten Schweregrad der Unterschenkelarterienerkrankung. Aus jeweils 70 Grauwert-Co-Occurrence-Matrix-Merkmalen pro Aufnahmephase (15 s und 30 s) entwickelten die Autoren finale LASSO-Modelle mit 10 Merkmalen für das 15-s-Modell beziehungsweise 9 Merkmalen für das 30-s-Modell.

Nach einer Bootstrap-Korrektur lag die Fläche unter der Kurve bei 0,769 für das 15-s-Modell und bei 0,695 für das 30-s-Modell, ohne dass ein formaler Phasenvergleich erfolgte.

Die beteiligten Autoren stufen diese Ergebnisse als vorläufig ein und betonen die Notwendigkeit externer Validierungen. Beide Forschungsansätze verdeutlichen jedoch den wachsenden Stellenwert computergestützter Bildanalysen bei der Früherkennung und Risikostratifizierung kardiovaskulärer Erkrankungen.

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de | wissenschaft | 70431638 |