Berührungen sind wirksamer als gedacht – besonders bei Schmerzen und Angst
07.05.2026 - 21:00:50 | boerse-global.de
Eine großangelegte Meta-Analyse belegt: Physischer Kontakt kann Depressionen, Angstzustände und sogar körperliche Schmerzen lindern. Entscheidend ist nicht die Dauer, sondern die Häufigkeit.
Die Studie: 13.000 Probanden ausgewertet
Im April 2024 veröffentlichte ein internationales Forschungsteam um Dr. Julian Packheiser und Dr. Helena Hartmann die bisher umfassendste Arbeit zur Berührungsforschung. Die Wissenschaftler der Ruhr-Universität Bochum und des Netherlands Institute for Neuroscience werteten Daten aus 212 Einzelstudien mit knapp 13.000 Probanden aus.
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Die Ergebnisse im Fachjournal Nature Human Behaviour sind eindeutig: Berührungen reduzieren psychische Belastungen wie Angst und Depressivität – und lindern physische Schmerzen. Besonders stark fielen die Effekte bei klinischen Patientengruppen aus. Menschen mit Vorerkrankungen oder diagnostizierten psychischen Störungen profitierten noch stärker als gesunde Kontrollgruppen.
Frequenz schlägt Dauer
Eines der überraschendsten Ergebnisse: Eine längere Massage oder ausgedehntes Halten bringt nicht automatisch mehr. Die Dauer einer Berührung hatte keinen signifikanten Einfluss auf die Wirksamkeit. Die untersuchten Interventionen dauerten im Schnitt 20 Minuten – doch positive Veränderungen traten oft schon nach kürzerer Zeit ein.
Viel entscheidender ist die Frequenz. Regelmäßige, kurze Berührungen – eine Umarmung, ein sanftes Streicheln – korrelieren stärker mit dauerhafter Verbesserung des Wohlbefindens als seltene, zeitintensive Anwendungen.
Auch die Körperstelle spielt eine Rolle: Berührungen am Kopf und Gesicht zeigten besonders starke psychische Effekte. Berührungen an Armen und Beinen wirkten eher auf physische Parameter. Und: Direkter Hautkontakt ohne Kleidungsschichten verbesserte die Ergebnisse bei Schmerzreduktion und Stressregulation messbar.
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Menschliche BerĂĽhrung bleibt unersetzlich
Die Forscher untersuchten auch nicht-menschliche Quellen wie Roboter oder gewichtete Decken. Das Ergebnis: Technische Hilfsmittel können Blutdruck und Schmerzwahrnehmung positiv beeinflussen. Bei der psychischen Entlastung bleiben sie jedoch hinter menschlichem Kontakt zurück.
Für Erwachsene machte es keinen signifikanten Unterschied, ob die Berührung von einem Partner, Freund oder einer professionellen Pflegekraft kam – solange sie konsensual und angenehm war. Das eröffnet Möglichkeiten für Berührungstherapien durch geschultes Personal in Pflegeheimen oder Krankenhäusern.
Bei Neugeborenen sieht es anders aus: Hier erwies sich der Kontakt durch die eigenen Eltern als deutlich wirksamer als Berührungen durch medizinisches Fachpersonal. Besonders bei Frühgeborenen führte die Känguru-Methode (Haut-zu-Haut-Kontakt) zu verbesserter Gewichtszunahme und besserer Regulierung des Stresshormons Cortisol.
Was im Körper passiert
Berührungen aktivieren spezialisierte Nervenfasern, die Signale direkt ans Gehirn leiten. Die Produktion von Oxytocin wird angeregt – das sogenannte Bindungshormon wirkt als natürlicher Gegenspieler zu Stresshormonen. Gleichzeitig dämpft Berührung die Aktivität der Amygdala, dem Angstzentrum im Gehirn.
Studien der Universität Freiburg belegten: Paare, die im Alltag häufiger physischen Kontakt pflegen, bewältigen Stresssituationen gemeinsam besser. Die Berührung dient als nonverbales Signal der Unterstützung, verlangsamt den Herzschlag und senkt den Blutdruck.
Ausblick: BerĂĽhrung als Therapie
Die wissenschaftliche Evidenz ist mittlerweile so robust, dass Fachleute eine stärkere Integration von Berührungsinterventionen ins Gesundheitssystem fordern. Die Erkenntnis, dass bereits kurze, häufige Berührungen signifikante Effekte erzielen, bietet Ansätze für niedrigschwellige Programme – von Schulungen für Pflegepersonal bis zu Empfehlungen für junge Eltern.
Zukünftige Forschung wird sich verstärkt der Frage widmen, wie individuelle Unterschiede – kulturelle Prägungen oder persönliche Vorerfahrungen – die Wahrnehmung von Berührungen beeinflussen. Fest steht: Die menschliche Haut ist ein soziales Organ, dessen regelmäßige Stimulation eine grundlegende Voraussetzung für psychische Stabilität und gesunde Beziehungen ist.
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