Bewegung, MCI

Bewegung bei MCI: 44 Studien zeigen Vorteile für Tai Chi, Tanz und Qigong

Veröffentlicht am: 05.11.2026 um 16:13 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Untersuchungen verbinden Tanz und Bewegungsprogramme mit besseren kognitiven Testergebnissen; die Forschenden bewerten die Evidenz insgesamt als niedrig.
Ein heller, sonnendurchfluteter Tanzsaal mit poliertem Holzboden und großen Fenstern, ohne Personen. Illustration mit AI erstellt.

Regelmäßige körperliche Aktivität und Tanzen können Betroffenen helfen, trotz einer Alzheimer-Diagnose beweglich und aktiv zu bleiben. Das verdeutlichen aktuelle Berichte sowie wissenschaftliche Untersuchungen. Während neue medikamentöse Ansätze diskutiert werden, rücken nicht-medikamentöse Interventionen zur Erhaltung von Lebensqualität und motorischen Fähigkeiten zunehmend in den Fokus.

Praxiserfahrungen: Aktivierung durch Musik und Bewegung

Wie Bewegung im Alltag bei fortgeschrittener Erkrankung wirken kann, zeigt der Fall der heute 64-jährigen Debbie, einer ehemaligen britischen Nationalathletin in Gymnastik und Bodybuilding.

Trotz fortgeschrittener Demenz, stark reduziertem Sprachvermögen und einer Betreuung durch Pflegekräfte dreimal täglich absolviert sie regelmäßige Trainingseinheiten. Den Anstoß gab ein Konzertbesuch bei Shania Twain im Jahr 2023 in London, der bei ihr neue Mobilität weckte.

Seit 2023 trainiert ihre Tochter Talilla Henchoz mit ihr. Das Programm kombiniert Tanzen mit vier spezifischen Übungen: Kniebeugen, dynamisches Knieheben, Ausfallschritte und Seitwärtsschritte. Diese Einheiten zielen darauf ab, Kraft, Gleichgewicht und Beweglichkeit im Alltag zu stabilisieren.

Auch in therapeutischen Einrichtungen kommt Tanz gezielt zum Einsatz. Nathalie Renous, eine Tanz- und Theater-Art-Therapeutin, bietet seit acht Jahren wöchentliche Workshops im Aufnahmezentrum der Adapei La Bellangerie in Vouvray sowie im Feriendorf für pflegende Angehörige in Fondettes an.

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Mit stark angeleiteter Improvisation, Nachahmung, Musik und Erinnerungsarbeit zielt das Angebot darauf ab, vorhandene Fähigkeiten zu erhalten, Bewegungsfreude zu wecken, Ängste vor Stürzen abzubauen und Muskeln sowie Körperwahrnehmung zu stärken.

Wissenschaftliche Befunde zu Geist-Körper-Übungen und Kognition

Die Wirksamkeit strukturierter Bewegungsprogramme bei leichten kognitiven Beeinträchtigungen (MCI) wird auch durch wissenschaftliche Daten gestützt. Eine Anfang November 2026 im Fachjournal Aging Clinical and Experimental Research online publizierte Netzwerk-Metaanalyse wertete 44 randomisierte kontrollierte Studien mit insgesamt 3.189 MCI-Patienten aus. Die Autoren untersuchten Interventionen wie Baduanjin, Tai Chi, Qigong und Tanz im Vergleich zu Kontrollgruppen.

Bei den Ergebnissen im Montreal Cognitive Assessment (MoCA) schnitten Baduanjin, Tai Chi, Qigong und Tanz signifikant besser ab als die Kontrollgruppen (p < 0,05). Beim Mini-Mental-Status-Test (MMSE) zeigten alle Methoden außer Qigong signifikante Effekte.

Baduanjin erreichte das Spitzen-Ranking mit SUCRA-Werten von 91,6 Prozent für den MoCA und 88,3 Prozent für den MMSE. Die Analyse ergab zudem, dass Baduanjin bei Programmen von höchstens 12 Wochen Dauer mit mehr als drei Sitzungen pro Woche unter 60 Minuten wirksamer war.

Tai Chi erzielte bessere Resultate bei Laufzeiten über 12 Wochen mit bis zu drei Sitzungen von mindestens 60 Minuten. Die Evidenzsicherheit stuften die Forscher allerdings allgemein als niedrig ein und wiesen darauf hin, dass die Rangfolgen stark von indirekten Vergleichen abhingen.

Ältere elektrophysiologische Untersuchungen weisen zudem auf Veränderungen im Gehirn hin: In einer früheren EEG-Studie von Neurowissenschaftlern aus Thessaloniki lernten 22 ältere Personen ohne Demenzsymptome 24 Wochen lang zweimal wöchentlich griechische Tänze, während 22 Kontrollpersonen Lehrvideos ansahen.

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Das Tanztraining veränderte die sogenannte Klein-Welt-Eigenschaft des Gehirnnetzwerks hin zu einer komplexeren Kommunikation zwischen Hirnregionen und steigerte die Fitness. Bereits eine frühere Arbeit von Supekar und Kollegen im Fachjournal PLOS Computational Biology hatte gezeigt, dass diese Klein-Welt-Eigenschaft bei Alzheimer-Demenz messbar reduziert ist.

Musik und Motorik: Ergebnisse der COPE-Studie

Differenzierte Effekte zeigt auch die COPE-Studie, veröffentlicht in den Annals of the New York Academy of Sciences. MCI-Patienten der Universitätskliniken in Genf und Lausanne nahmen über sechs Monate hinweg an einem Gruppentraining teil – entweder mit einer 13-Zoll-Stahlzungentrommel (zweimal wöchentlich 45 Minuten plus Hausaufgaben) oder an einer psychomotorischen Intervention.

Die Adhärenz war hoch: In der Musikgruppe wurden durchschnittlich 35,9 von 40 Sitzungen absolviert, in der Psychomotorikgruppe 34,3 Sitzungen, ohne dass unerwünschte Ereignisse auftraten. Das globale Denken (COGTEL-WS) verbesserte sich nach sechs Monaten in der Musikgruppe grenzwertig (p = 0,06; Hedges' g = 0,54). Zudem steigerte das Musizieren die Kategorienflüssigkeit signifikant (p = 0,037).

Das Psychomotoriktraining wiederum verbesserte das Handgeschick (p = 0,009) sowie das Gleichgewicht auf dem linken Bein (p = 0,04). Während die graue Substanz des Hippocampus in allen Gruppen stabil blieb, sank die funktionelle Konnektivität des rechten Hippocampus in der gesunden Kontrollgruppe, blieb aber in beiden Interventionsgruppen stabil.

Lebensstilfaktoren in der Demenzprävention

Die Bedeutung nicht-medikamentöser Ansätze wird durch groß angelegte Erhebungen unterstrichen. Der Bericht der Lancet Commission aus dem Jahr 2024 identifizierte 14 beeinflussbare Risikofaktoren, durch deren gezielte Adressierung sich nach Modellrechnungen bis zu 45 Prozent der Demenzfälle verhindern oder verzögern ließen.

Auch die FINGER-Studie an 1.260 älteren Menschen mit erhöhtem Risiko belegte, dass ein zweijähriges strukturiertes Lebensstilprogramm die kognitiven Testwerte verbesserte.

Fachleute betonen den ganzheitlichen Ansatz. Özgür Onur von der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) hob hervor, dass neue Antikörperpräparate wie Lecanemab und Donanemab keine Wundermedikamente seien. Eine Kombination aus medikamentöser Therapie, geistiger wie körperlicher Aktivität und angepasster Ernährung bleibe für Betroffene der zentrale Weg.

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