Bewegung, Gehirn

Bewegung fĂŒrs Gehirn: Schon 75 Minuten pro Woche zeigen messbare Vorteile

Veröffentlicht am: 05.11.2026 um 23:33 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Schon etwa 75 Minuten moderate Bewegung pro Woche zeigen messbare Vorteile; der Zusammenhang mit Demenzrisiken variiert nach AktivitÀtsbereich.
Ein von der Morgensonne durchfluteter Waldweg, der eine natĂŒrliche Umgebung fĂŒr körperliche AktivitĂ€t darstellt. Illustration mit AI erstellt.

Körperliche AktivitĂ€t sollte im medizinischen Alltag als strukturierte und individuelle Behandlung fĂŒr die Gehirngesundheit verschrieben werden. Das fordern Carl Zhou und Nicholas Fabiano von der UniversitĂ€t Ottawa sowie Stanley Wong von der UniversitĂ€t Toronto in einem am 3. November 2026 veröffentlichten, peer-reviewten Fachbeitrag mit dem Titel „Exercise is critical for brain health“ im Journal Brain Health.

Nach Ansicht der Wissenschaftler reicht ein allgemeiner Ratschlag zu mehr Bewegung nicht aus; stattdessen mĂŒssten Ă€rztliche Verordnungen konkrete Angaben zu Art, HĂ€ufigkeit, IntensitĂ€t und Dauer enthalten sowie Sicherheitsaspekte und einen Nachsorgeplan umfassen.

Biologische Mechanismen und Schwellenwerte

Die positiven Effekte von Bewegung auf das Gehirn vollziehen sich nach Angaben des kanadischen Forscherteams unter anderem ĂŒber die sogenannte Muskel-Gehirn-Achse. Bei körperlicher BetĂ€tigung freigesetzte Myokine beeinflussen die HirngefĂ€ĂŸe, den Metabolismus, EntzĂŒndungsprozesse und die NeuroplastizitĂ€t positiv.

Bemerkenswert ist dabei die Dosis: Erste messbare Vorteile fĂŒr die Gehirngesundheit zeigen sich den Forschern zufolge bereits bei etwa 75 Minuten moderater AktivitĂ€t pro Woche. Dies entspricht der HĂ€lfte des allgemeinen Ziels der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Die WHO empfiehlt fĂŒr Erwachsene 150 bis 300 Minuten moderate oder 75 bis 150 Minuten intensive AktivitĂ€t wöchentlich, ergĂ€nzt durch Krafttraining an mindestens zwei Tagen.

Wirkung auf Kognition und psychische Erkrankungen

Als wissenschaftliche Belege verweisen die Wissenschaftler aus Ottawa und Toronto auf frĂŒhere Untersuchungen. Eine randomisierte kontrollierte Studie unter Leitung von Kirk Erickson aus dem Jahr 2011 zeigte, dass aerobes Training das Volumen des anterioren Hippocampus vergrĂ¶ĂŸern und die GedĂ€chtnisleistung verbessern konnte.

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Eine Netzwerk-Metaanalyse randomisierter Studien aus dem Jahr 2024 belegte zudem, dass Walking, Jogging, Yoga und Krafttraining Depressionssymptome lindern – mit ausgeprĂ€gteren Effekten bei höherer IntensitĂ€t. Auch eine Analyse in JAMA Psychiatry aus dem Jahr 2022 ergab, dass bereits rund 75 Minuten moderate Bewegung pro Woche das Depressionsrisiko verringern.

Bei Personen mit Schizophrenie kann körperliche AktivitÀt laut den Autoren gleichzeitig psychiatrische Symptome, Kognition und physische Verfassung verbessern. Allerdings weisen sie darauf hin, dass die Befunde zur Kognition in diesem Bereich bislang auf wenigen, kleineren Untersuchungen basieren.

Der Kontext der AktivitÀt ist entscheidend

Dass körperliche AktivitÀt nicht unter allen UmstÀnden dieselben Effekte erzielt, unterstreicht eine umfassende Metaanalyse unter Beteiligung der University of Southern California, der Brown University sowie der UniversitÀten Arizona und Illinois in The Lancet Public Health.

Die Analyse von 74 Studien mit ĂŒber 4,2 Millionen Teilnehmenden in 30 LĂ€ndern und einer medianen Nachbeobachtungszeit von 10 Jahren zeigte deutliche Unterschiede nach Lebensbereich: Eine hohe FreizeitaktivitĂ€t ging mit einem um 24 Prozent geringeren Demenzrisiko einher als geringe AktivitĂ€t.

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Hohe körperliche Belastung im Beruf war dagegen mit einem um 20 Prozent höheren Demenzrisiko verbunden. Hausarbeit zeigte in einer einzelnen Studie gĂŒnstige ZusammenhĂ€nge, wĂ€hrend aktives Pendeln in zwei Studien mit einer leichten Risikoerhöhung einherging.

David Raichlen von der University of Southern California betonte, dass der Kontext der AktivitĂ€t ebenso bedeutsam sei wie die Bewegung an sich, wenngleich regelmĂ€ĂŸiges Training allgemein mit einem um bis zu 20 Prozent geringeren Demenzrisiko assoziiert wird. Raichlen forderte sichere Parks, Gehwege und Freizeiteinrichtungen sowie eine Verringerung schĂ€dlicher Belastungen an ArbeitsplĂ€tzen.

Sowohl das kanadische Autorenteam als auch die Forscher der Demenz-Metaanalyse mahnen jedoch zur methodischen Vorsicht: Da viele Erkenntnisse auf Beobachtungsdaten beruhen, lÀsst sich daraus keine direkte KausalitÀt ableiten.

Mehr zum Thema bei Frankfurter Rundschau: „Sport fĂŒrs Gehirn: Psychiater fordern Bewegung als neue Therapie“

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