Blutdruck, Jahreszeitenwechsel

Blutdruck im Jahreszeitenwechsel: Japanische Fachleute geben 10 Empfehlungen

Veröffentlicht am: 25.10.2026 um 03:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Kälte, Flüssigkeitsmangel und Erkältungsmittel beeinflussen die Blutdrucktherapie; die Japanische Hochdruckgesellschaft stellte saisonale Empfehlungen vor.
Mit Raureif bedeckte Fensterscheibe mit Blick auf eine winterliche, neblige Landschaft bei diffusem Tageslicht. Illustration mit AI erstellt.

Experten warnen vor eigenmächtigen Dosisanpassungen bei Blutdruckmedikamenten während der kalten Jahreszeit und betonen die Notwendigkeit einer kontinuierlichen, ärztlich begleiteten Überwachung.

Bei sinkenden Außentemperaturen kann der Blutdruck durch eine kältebedingte Gefäßverengung ansteigen. Eine pauschale Reduktion der Dosis im Winter ist daher nicht angezeigt. Besondere Vorsicht ist geboten, wenn Betroffene sich plötzlich im Freien aufhalten oder nächtlichen Aktivitäten nachgehen.

Risiken bei Diuretika und veränderten Trinkgewohnheiten

In den Wintermonaten trinken viele Menschen weniger und schwitzen kaum, was den körpereigenen Flüssigkeitshaushalt spürbar verschieben kann. Zahlreiche Blutdruckmedikamente enthalten Diuretika wie Hydrochlorothiazid, Chlorthalidon oder Indapamid, die teilweise auch in Kombinationspräparaten wie Telmisartan zusammen mit Hydrochlorothiazid verabreicht werden.

Führt die Medikation zu einem übermäßigen Flüssigkeitsverlust, drohen ein unerwünschter Blutdruckabfall, Schwindel, Elektrolytstörungen sowie ein Anstieg der Kreatininwerte.

Fachleute weisen auf konkrete Warnzeichen hin: Dazu gehören ein zu niedriger Blutdruck, Schwindelgefühl beim Aufstehen, Schwäche, Muskelkrämpfe, ausgeprägter Durst, unerwarteter Gewichtsverlust und auffällige Kreatininwerte. Diuretika dürfen nicht eigenmächtig abgesetzt werden.

Stattdessen wird eine regelmäßige ärztliche Kontrolle von Blutdruck, Nierenfunktion und Elektrolytwerten empfohlen. Bei Hitze wiederum kann Flüssigkeitsmangel den Blutdruck senken, wobei sich die tägliche Trinkmenge an bestehenden Herz- oder Nierenerkrankungen orientieren muss. Bei wiederkehrendem Schwindel oder starken Kopfschmerzen ist eine ärztliche Abklärung unerlässlich.

Wechselwirkungen mit gängigen Erkältungsmedikamenten

In der Erkältungssaison raten Mediziner dringend davon ab, Blutdruckmedikamente selbstständig abzusetzen, da die Gefahr eines Rebound-Effekts mit starkem Blutdruckanstieg besteht. Bei Infekten sollte der Blutdruck täglich gemessen und bei deutlichen Anstiegen oder Schwankungen ärztlicher Kontakt gesucht werden.

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Zudem sollten Hypertoniker bei Erkältungen auf pseudoephedrinhaltige Kombipräparate verzichten. Dekongestiva wie Pseudoephedrin, Phenylephrin und Oxymetazolin sowie nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) wie Ibuprofen, Naproxen und Aspirin sollten gemieden werden.

Die US-Hypertonie-Leitlinie 2025 empfiehlt diesen Verzicht insbesondere bei schwerer oder unzureichend kontrollierter Hypertonie. NSAR fördern die Natrium- und Wasserretention im Organismus und können die Wirkung von Antihypertensiva wie Diuretika, ACE-Hemmern und Betablockern abschwächen. Kombinationspräparate aus Dekongestiva und NSAR sind daher zu meiden.

Als sicherere Alternativen zur Linderung von Erkältungssymptomen bei Bluthochdruck gelten Paracetamol mit einer maximalen Tagesdosis von 4.000 mg, Nasenspülungen, Steroid-Nasensprays, Antihistaminika, Guaifenesin, Dextromethorphan sowie Zink, Vitamin C und Honig.

Leitlinien für Dosierung und Notfallwerte

Dosisänderungen sollten grundsätzlich nur durch medizinisches Fachpersonal vorgenommen werden. Nach jeder Anpassung schließt sich eine Beobachtungszeit von zwei bis vier Wochen an; die Einnahme sollte möglichst zu einer festen Zeit erfolgen. Die Zielwerte werden individuell festgelegt: Die meisten Patienten sollten ihr Ziel schrittweise innerhalb von vier oder zwölf Wochen erreichen.

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Jüngere Patienten und Personen mit kürzerer Krankheitsdauer erreichen dieses Ziel in der Regel schneller, während bei älteren Menschen, längerer Krankheitsdauer oder Unverträglichkeiten ein langsameres Vorgehen gewählt wird. Auch die Startdosis wird angepasst: Üblich ist eine normale Dosis, während bei Hochbetagten sowie Herz- und Nierenkranken mit einer kleineren Dosis begonnen wird.

Wurde eine Therapie unterbrochen, darf vor einer Wiederaufnahme mit Restbeständen die Medikation nicht in früherer Höhe eingenommen werden; zuvor sind die aktuellen Werte und der bisherige Verlauf ärztlich zu prüfen.

Steigt der Blutdruck nach einer Ruhephase und wiederholter Messung auf Werte ab 180/120, sollte noch am selben Tag eine telefonische Meldung in der Praxis erfolgen, anstatt den Druck eigenmächtig zu senken. Treten Warnzeichen wie Brustschmerz, Atemnot, Lähmungen oder Sprachstörungen auf, ist sofort der Notruf 119 zu wählen.

Am 10. Oktober 2026 stellte die Japanische Hochdruckgesellschaft auf ihrer 48. Jahrestagung in Utsunomiya, die vom 10. bis 12. Oktober 2026 stattfand, den Praxisleitfaden „Saisonale Blutdruckkontrolle – 10 Empfehlungen“ vor, wie am 23. Oktober 2026 berichtet wurde.

Während traditionell vor allem der winterliche Blutdruckanstieg und kardiovaskuläre Ereignisse im Mittelpunkt standen, machen die klimatischen Veränderungen mit vermehrten Hitzetagen auch Aspekte wie Dehydratation, Überbehandlung und nächtliche Hypertonie zu relevanten Faktoren für die jahreszeitliche Therapieüberwachung.

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