Blutdruckmessung zu Hause: ISH empfiehlt zwölf Werte an drei Tagen
Veröffentlicht am: 31.10.2026 um 04:30 Uhr | Redaktion boerse-global.deDie International Society of Hypertension (ISH) hat im Rahmen des ISH 2026 Scientific Meeting in Dubai eine Neufassung ihrer weltweiten Hypertonie-Empfehlungen vorgestellt.
Die im Fachblatt Journal of Hypertension veröffentlichten Vorgaben aktualisieren das Regelwerk aus dem Jahr 2020. Zentrales Element der Neuausrichtung ist die strukturierte Aufteilung der Versorgung in zwei Stufen: eine Basisversorgung (essential care) sowie eine optimale Behandlung (optimal care). Dieser Ansatz soll Behandlungsstandards an unterschiedliche infrastrukturelle und gesundheitsökonomische Rahmenbedingungen anpassen.
Differenzierte Zielwerte nach Versorgungsstufe und Risikoprofil
In den Leitlinien legt die ISH konkrete Zielwerte fest, die sich nach der jeweiligen Versorgungsstufe richten. Für die Basisversorgung gilt für alle Betroffenen ein einheitlicher Zielwert von 140/90 mm Hg. Im Rahmen der optimalen Versorgung wird hingegen eine Absenkung des Blutdrucks auf unter 130/80 mm Hg angestrebt.
Auch beim Therapiestart unterscheidet das Papier nach dem kardiovaskulären Risikoprofil. Personen mit hohem Risiko sollen demnach umgehend eine medikamentöse Therapie erhalten. Bei Patienten mit niedrigem Risikoprofil sehen die Empfehlungen zunächst eine dreimonatige Phase mit Lebensstiländerungen vor, bevor über den Beginn einer Pharmakotherapie entschieden wird.
Neue Nomenklatur und Anforderungen an die Messtechnik
Hinsichtlich der Klassifikation nimmt die Fachgesellschaft eine sprachliche Präzisierung vor. Der bisherige Begriff für hochnormale Werte (130–139/85–89 mm Hg) wird durch die Bezeichnung erhöhter Blutdruck ersetzt. Die formale Schwelle für das Vorliegen einer Hypertonie bleibt unverändert bei 140/90 mm Hg bestehen.
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Für die Diagnosestellung empfiehlt die ISH als optimales Verfahren eine standardisierte Heimblutdruckmessung. Vorgesehen ist hierfür die Ermittlung eines Sieben-Tage-Mittelwerts, der mindestens drei Tage mit insgesamt zwölf Einzelmessungen umfassen muss.
Manschettenlosen Messsystemen (Cuffless-Geräte) erteilen die Leitlinienautoren dagegen eine Absage für die klinische Entscheidungsfindung: Solche Systeme werden für diagnostische und therapeutische Weichenstellungen derzeit nicht empfohlen.
Erweiterte Substanzklassen und Stärkung der Therapietreue
Im Bereich der optimalen Versorgung integriert die ISH mehrere neue medikamentöse Therapieoptionen. Hierzu zählen Aldosteronsynthase-Inhibitoren, Endothelin-Rezeptor-Antagonisten sowie nichtsteroidale Mineralokortikoid-Rezeptor-Antagonisten. Zudem wird die renale Denervation als interventionelle Behandlungsoption in spezialisierten Expertenzentren aufgeführt.
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Einen weiteren Schwerpunkt bildet das Patientenverhalten im Behandlungsverlauf: Eine unzureichende Therapietreue (Nonadherence) wird in den Leitlinien explizit als modifizierbarer Risikofaktor geführt. Um die kontinuierliche Medikamenteneinnahme im Praxisalltag zu unterstützen, enthält das Regelwerk einen strukturierten Ein-Jahres-Aktionsplan und verweist auf die mobile Anwendung ISH OnTheGo.
