Bluthochdruck, Konservierungsstoffe

Bluthochdruck: Konservierungsstoffe erhöhen Risiko um 29 Prozent

26.05.2026 - 13:02:10 | boerse-global.de

Südkoreas Bluthochdruck-Leitlinien empfehlen erstmals einen manschettenlosen Blutdruckring. Das Gerät von Sky Labs erhält die Klasse IIb.

Bluthochdruck: Konservierungsstoffe erhöhen Risiko um 29 Prozent - Foto: über boerse-global.de
Bluthochdruck: Konservierungsstoffe erhöhen Risiko um 29 Prozent - Foto: über boerse-global.de

Erstmals hat ein ringförmiges Blutdruckmessgerät ohne Manschette Einzug in offizielle medizinische Leitlinien gehalten. Die südkoreanische Firma Sky Labs erreichte mit ihrem Gerät „CART BP pro" einen weltweiten Meilenstein.

Die Aufnahme in die aktualisierten „Koreanischen Leitlinien zur Behandlung von Bluthochdruck" (6. Auflage) ist eine Premiere. Die Korean Society of Hypertension (KSH) veröffentlichte die neue Version am 25. Mai 2026 und gab dem Gerät die Empfehlungsklasse IIb. Das bedeutet: Ärzte können den Einsatz des Ring-Monitors für die klinische Praxis in Betracht ziehen.

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Technisch auf höchstem Niveau

Der CART BP pro erfüllt die internationalen Genauigkeitsstandards der Norm ISO 81060-2:2018. Diese schreibt eine mittlere Abweichung von weniger als 5 mmHg und eine Standardabweichung von unter 8 mmHg vor. Damit liefert die manschettenlose Technologie Daten, die mit herkömmlichen Messungen vergleichbar sind.

Der große Vorteil: Der Ring ermöglicht eine kontinuierliche Überwachung – auch während des Schlafs und im Alltag. Herkömmliche aufblasbare Manschetten sind dagegen unangenehm und stören den natürlichen Tagesablauf. Die neuen Leitlinien betonen genau diesen Aspekt: Die 24-Stunden-Blutdruckmessung gewinnt für Risikopatienten und Menschen mit Prähypertonie zunehmend an Bedeutung.

Erfolgsgeschichte in Südkorea

Seit Juni 2024 wird das Gerät in Südkorea von der gesetzlichen Krankenversicherung erstattet. Die Akzeptanz in der Ärzteschaft ist beachtlich: Über 250.000 Verschreibungen in 1.920 Krankenhäusern und Kliniken sprechen eine klare Sprache. Diese breite Anwendung in der Praxis lieferte die Grundlage für die Aufnahme in die Leitlinien.

Sky-Labs-CEO Jack ByungHwan Lee kündigte an, den heimischen Erfolg nun für die internationale Expansion nutzen zu wollen. Das Unternehmen strebt Zulassungen in den USA und Europa an und positioniert den Ring als medizinisch validierte Alternative zu reinen Verbraucher-Wearables.

Neue Zielwerte und Medikamente

Die aktualisierten Leitlinien bringen weitere wichtige Neuerungen. Für Hochrisikopatienten – etwa mit Diabetes, chronischer Nierenerkrankung oder Schlaganfall in der Vorgeschichte – senken die Experten den Zielblutdruck auf unter 130/80 mmHg.

Zudem fließen mehrere neue Medikamentenklassen in die Behandlungsstrategie ein:
- ARNI (Angiotensin-Rezeptor-Neprilysin-Inhibitoren)
- SGLT2-Hemmer
- Nicht-steroidale Mineralokortikoid-Rezeptor-Antagonisten
- Aldosteron-Synthase-Inhibitoren
- Neue Klassifikationen für Fixkombinationen

Parallel dazu erhielt Bayer Ende Mai 2026 in China die Zulassung für Kerendia (Finerenon) zur Behandlung von Herzinsuffizienz bei Patienten mit einer Auswurffraktion von 40 Prozent oder mehr.

Lebensstil als entscheidender Faktor

Doch nicht nur Technik und Medikamente beeinflussen den Blutdruck. Eine Studie mit 112.000 Teilnehmern aus der NutriNet-Santé-Kohorte zeigt: Der hohe Konsum bestimmter Konservierungsstoffe – konkret E202 (Kaliumsorbat), E224 (Kaliummetabisulfit) und E250 (Natriumnitrit) – erhöht das Risiko für Bluthochdruck um 29 Prozent und für Herz-Kreislauf-Erkrankungen um 16 Prozent.

Gute Nachrichten für Kaffeetrinker: Eine Meta-Analyse mit 315.000 Probanden ergab, dass Kaffee bei normalem oder leicht erhöhtem Blutdruck (unter 159/99 mmHg) kein Risiko darstellt. Bei schwerem Bluthochdruck (über 160/100 mmHg) sollten Betroffene jedoch maximal eine Tasse pro Tag trinken.

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Der Weg in den klinischen Alltag

Die Anerkennung des CART BP pro durch die KSH könnte Signalwirkung entfalten. Jahrelang stand die Medizin manschettenlosen Geräten skeptisch gegenüber – wegen Kalibrierungsproblemen und fehlender Standardisierung. Mit der ISO-Zertifizierung und der IIb-Empfehlung hat Sky Labs nun einen Blueprint für andere Wearable-Hersteller geliefert.

Der trend zum „Monitoring außerhalb der Praxis" ist unübersehbar. Selbst der Deutsche Bundestag hat mit der jüngsten Apothekenreform den Weg geebnet: Seitdem gehören standardisierte Blutdruckmessungen alle zwölf Monate zum erweiterten Leistungsspektrum.

Ausblick: Fenster der Chance

Während Apple auf seiner WWDC 2026 mit watchOS 27 zwar verbesserte Herzfrequenzmessung vorstellte, aber den KI-gestützten Gesundheitscoach „Project Mulberry" auf Oktober 2026 verschob, haben medizinische Geräte derzeit ein Fenster der Chance. Die Frage ist nun, ob die Europäische Gesellschaft für Hypertonie (ESH) und die American Heart Association (AHA) dem Beispiel der Koreaner folgen werden.

Die IIb-Empfehlung macht eines klar: Die Technologie ist vielversprechend, aber noch nicht der vollständige Ersatz für die klassische Manschette. Die Zukunft gehört der Kombination aus zuverlässiger Hardware und KI-gestützten Vorhersagen – bevor der hypertensive Notfall überhaupt eintritt.

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