BPI-Score, Tofu

BPI-Score: Tofu schlägt 19 Proteinquellen und erreicht 36 von 40 Punkten

Veröffentlicht am: 25.10.2026 um 05:45 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Eine Cambridge-Studie bewertet 20 Lebensmittel nach Nährwert, Kosten und Umweltwirkung; Tofu erzielt 36 von 40 Punkten.
Verschiedene naturbelassene pflanzliche Proteinquellen wie Linsen, Kichererbsen, WalnĂĽsse und Quinoa in Keramikschalen. Illustration mit AI erstellt.

Die Debatte über die Vor- und Nachteile pflanzlicher gegenüber tierischen Eiweißquellen gewinnt in der Ernährungswissenschaft zunehmend an Tiefe. Am 29. Juli 2026 veröffentlichte Chris Macdonald von der Universität Cambridge und Direktor des Better Protein Institute im Fachjournal Frontiers in Sustainable Food Systems eine Untersuchung unter dem Titel „Welche ist die beste Proteinquelle?

Einführung des BPI-Score“. Die Arbeit vergleicht 20 proteinreiche Lebensmittel – jeweils zehn pflanzliche und zehn tierische – anhand von Gesundheitskriterien, Kosten, Verfügbarkeit sowie Umweltauswirkungen.

Das BPI-Bewertungsmodell und die Rangliste

Das dem Vergleich zugrundeliegende Modell vergibt maximal 40 Punkte, die sich auf zwei Kernbereiche verteilen. Der sogenannte Planet Score umfasst null bis 16 Punkte und bemisst Treibhausgasemissionen, Wasser- und Landnutzung sowie Wasserverschmutzung bezogen auf jeweils 100 Gramm Protein.

Der People Score reicht von null bis 24 Punkten und berücksichtigt Cholesterinwerte, gesättigte Fette, Natrium, das Spektrum essenzieller Aminosäuren sowie die Verfügbarkeit und Bezahlbarkeit im Handel.

Im Gesamtergebnis belegt Tofu mit 36 von 40 möglichen Punkten den ersten Platz, aufgeteilt in 20 Punkte im People Score und die Maximalzahl von 16 Punkten im Planet Score.

Den letzten Platz nimmt Cheddar-Käse mit 13 Punkten ein. Generell dominieren pflanzliche Produkte das obere Ende der Skala: Die ersten vier Ränge entfallen vollständig auf pflanzliche Nahrungsmittel, während die hinteren Plätze von tierischen Erzeugnissen belegt werden.

Dazwischen platzieren sich unter anderem Hähnchenbrust auf Rang 7 und Thunfisch auf Rang 8. Die vollständige Rangfolge reicht von Tofu, Chiasamen, Bohnen, Quinoa, Sonnenblumenkernen und Linsen über Hähnchenbrust, Thunfisch, Erdnüsse, Kichererbsen, Walnüsse und Paranüsse bis hin zu Lachs, Eiern, Schweinekoteletts, Kabeljau, Rindersteak, Lammkoteletts, Mozzarella und Cheddar.

Ökologische und nährstoffbezogene Unterschiede

Besonders ausgeprägt sind die Diskrepanzen bei den ökologischen Parametern. Tofu verursacht je 100 Gramm Protein 0,61 Kilogramm Treibhausgasemissionen, während Rindfleisch mit 64,19 Kilogramm einen mehr als hundertfach höheren Wert aufweist.

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Auch beim Flächenverbrauch liegt Tofu mit 2,16 Quadratmetern deutlich unter den 211 Quadratmetern, die je 100 Gramm Rinderprotein anfallen. Beim Cholesterinkriterium erzielten alle pflanzlichen Lebensmittel null Punkte, und bei der Wasserverschmutzung schnitten Erzeugnisse wie Chiasamen vorteilhafter ab als Schweinefleisch.

Gleichzeitig differenziert die Analyse auch innerhalb der Pflanzenwelt. Tofu gilt als Ausnahme unter den pflanzlichen Quellen, da er alle neun essenziellen Aminosäuren aufweist und bis zu 16 Gramm Protein pro 100 Gramm liefert.

Dagegen bildeten Walnüsse und Paranüsse auf den Rängen 11 und 12 die schwächsten pflanzlichen Vertreter, bedingt durch höhere Preise, gesättigte Fette und einen höheren Wasserverbrauch. Bei den Kosten erwiesen sich Linsen als günstigste Proteinquelle pro 100 Gramm, Quinoa hingegen als teuerste.

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Methodische Grenzen und Ernährungsempfehlungen

Die Analyse weist methodische Einschränkungen auf: Die Datenerhebung erfolgte durch einen einzelnen Forscher, Preise und Verfügbarkeit wurden ausschließlich über eine britische Supermarktkette ermittelt, und Proteinpulver wie Molkenprotein blieben unberücksichtigt.

Fachleute verweisen zudem darauf, dass tierische Proteine aufgrund ihrer höheren Bioverfügbarkeit für bestimmte Gruppen – wie ältere Menschen mit Sarkopenie, Ausdauersportler oder Schwangere – spezifische Vorteile bieten können.

Ernährungsinstitutionen wie die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) betonen, dass Protein bei rein veganer Kost zwar ein potenziell kritischer Nährstoff sei, ein Mangel jedoch keineswegs zwingend auftrete. Als Richtwert empfiehlt die DGE gesunden Erwachsenen im Alter von 19 bis unter 65 Jahren täglich 0,8 Gramm Protein pro Kilogramm Normalgewicht, ab 65 Jahren 1,0 Gramm.

Eine Erhöhung der Zufuhr sollte laut DGE vorrangig über pflanzliche Quellen erfolgen. Da kein einzelnes Nahrungsmittel sämtliche Anforderungen allein abdeckt, raten Ernährungsexperten allgemein zu einer gezielten Kombination verschiedener Quellen, etwa durch die Verbindung von Hülsenfrüchten mit Getreide zur optimalen Abdeckung des Aminosäureprofils.

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