Bundestag plant KI-Chatbot: Start für Abgeordnete bis Ende 2026
Veröffentlicht am: 23.09.2026 um 20:41 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Der Deutsche Bundestag bereitet die Einführung eines eigenen KI-Chatbots für Abgeordnete sowie deren Mitarbeitende vor. Sofern die Planungen wie vorgesehen verlaufen, soll das System bis Ende 2026 einsatzbereit sein.
Ziel der parlamentarischen Initiative ist es, die parlamentarische Arbeit durch moderne digitale Werkzeuge zu unterstützen und zugleich der unkontrollierten Nutzung externer Schatten-KI innerhalb der Verwaltung und der Büros wirksam zu begegnen.
Flexible Sprachmodelle und strenger Datenschutz
Die technische Umsetzung des Projekts übernimmt ein Berliner Startup. Die Plattform ist so konzipiert, dass sie verschiedene große Sprachmodelle flexibel einbinden kann. Um den hohen Anforderungen an den Datenschutz gerecht zu werden, maskiert das System personenbezogene Daten automatisch. Die Verantwortlichen setzen das Schutzniveau dabei bewusst so hoch wie möglich an.
Zu den vorgesehenen Einsatzfeldern der Anwendung zählen die Transkription von Audioaufnahmen, die sprachliche Überarbeitung von Textentwürfen sowie die inhaltliche Vorbereitung von Vorträgen.
Zudem soll das System das parlamentarische Personal beim Sortieren und Strukturieren von Bürgeranliegen sowie von umfangreicher Massenpost entlasten. Der Chatbot ist als rein unterstützendes Werkzeug gedacht, das schnelleres und präziseres Arbeiten ermöglicht, ohne menschliche Arbeit zu ersetzen.
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Klare Leitplanken und Orientierung am AI Act
Die Nutzung des Systems ist für Abgeordnete und deren Mitarbeitende freiwillig. Jede berechtigte Person kann einen individuellen Zugang erhalten. Die Regularien für den Betrieb orientieren sich eng an den europäischen Vorgaben des sogenannten AI Act.
So ist die Eingabe personenbezogener Daten ausdrücklich untersagt. Zudem gelten eine Kennzeichnungspflicht für KI-generierte Texte und Bilder sowie eine verbindliche Schulungspflicht für alle Nutzer vor Freischaltung des Zugangs.
Für den Einsatz ist zunächst ein Testzeitraum von zwölf Monaten vorgesehen, an den sich eine umfassende Evaluierung anschließen soll.
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Keine rein automatisierten Reden im Parlament
Über die organisatorischen Rahmenbedingungen informierte Andrea Lindholz, Vizepräsidentin des Bundestages und Leiterin der Kommission des Ältestenrates für IT und Digitalisierung, in Medienberichten. Sie sprach sich dabei deutlich gegen rein durch Künstliche Intelligenz generierte Reden oder Grußworte aus. Bürgerinnen und Bürger hätten einen berechtigten Anspruch darauf, dass Volksvertreter keine vollständig automatisierten Beiträge vortragen.
Die Nutzung von KI für vorbereitende Arbeitsschritte sei legitim, die eigenen Gedanken und die persönliche Sprache der Mandatsträger müssten jedoch stets klar erkennbar bleiben. Lindholz gab zu bedenken, dass maschinell erstellten Texten das Persönliche, das Emotionale und die für den parlamentischen Diskurs notwendige politische Zuspitzung fehle.
Zudem bleibt die rechtliche und inhaltliche Verantwortung unverändert bestehen: Für sämtliche Äußerungen und Publikationen haftet der jeweilige Mandatsträger weiterhin in vollem Umfang persönlich.
